NachrichtenMakroLangfristige US-Renditen steigen wieder an – Märkte wägen den „Bessent Put“ ab

Langfristige US-Renditen steigen wieder an – Märkte wägen den „Bessent Put“ ab

Autor: Investinglive·

Wichtige Erkenntnisse

  • Die 10-jährige US-Staatsanleihenrendite hat sich auf etwa 4,704 % und die 30-jährige auf rund 5,251 % erholt und damit den größten Teil des Rückgangs nach der Ankündigung des Finanzministeriums wettgemacht.
  • Finanzminister Bessent erklärte, dass das verdoppelte Rückkaufprogramm für langfristige Anleihen mehr als 4 Milliarden Dollar umfassen könnte – aus Analystensicht eine Signalmaßnahme, die mit einer Währungsintervention vergleichbar ist.
  • Der Rückkauf bleibt gegenüber einem Staatsanleihenmarkt von mehr als 30 Billionen Dollar ein Tropfen auf den heißen Stein, und das Vorgehen ähnelt der Strategie der Bank of Japan zur Verteidigung des Yen.
  • Die strukturellen Belastungen für Anleihen bestehen in Form hoher Staatskreditaufnahme und steigender Inflationserwartungen fort; Moody’s hat den USA zuletzt unter Verweis auf steigende Defizite und Zinskosten das letzte Triple-A-Rating entzogen.
  • Die Nachfrage bei den bevorstehenden Auktionen langfristiger US-Staatsanleihen und die Details der quartalsweisen Refinanzierungspläne des Finanzministeriums werden erste Anhaltspunkte dafür liefern, ob die Signale der Rückkäufe das Anlegerverhalten verändern.
Langfristige US-Renditen steigen wieder an – Märkte wägen den „Bessent Put“ ab

Die langfristigen Renditen US-amerikanischer Staatsanleihen sind in der zweiten Wochenhälfte wieder angestiegen und haben einen Großteil des Rückgangs nach der Ankündigung des US-Finanzministeriums wettgemacht. Die 10-jährige Rendite hat sich mehr oder weniger vollständig erholt und notiert wieder bei 4,704 %, während die 30-jährige Rendite im Tagesverlauf wieder auf 5,251 % ansteigt. Das lange Ende der Zinsstrukturkurve hat eine Bedeutung, die weit über den Anleihenmarkt hinausreicht: Es verankert die Kreditkosten in der gesamten Volkswirtschaft – von Hypothekenzinsen bis zu Unternehmensschulden –, sodass anhaltende Bewegungen an diesem Ende auf die Finanzierungskosten von Haushalten und Unternehmen durchschlagen.

Ob die Renditen nun auf ein höheres Niveau ausbrechen, hängt von der Entschlossenheit der „Bond Vigilantes“ ab – ein Begriff aus den 1980er-Jahren für Anleger, die Staatsanleihen verkaufen, um sich gegen die Fiskalpolitik zu wehren –, die möglicherweise noch zögern, den „Bessent Put“ so schnell herauszufordern. Die Bezeichnung erinnert an den „Fed Put“, das gängige Marktkürzel für das Eingreifen der Geldpolitiker, um einen Kursverfall abzufedern.

Nach der Ankündigung vom Mittwoch, dass die Rückkäufe langfristiger Anleihen verdoppelt werden, schaltete sich Finanzminister Bessent gestern mit einer eigenen verbalen Intervention ein und erklärte, dass der Rückkauf langfristiger Anleihen mehr als 4 Milliarden Dollar betragen könnte.

Dieses Vorgehen klingt eher vertraut. Es ähnelt dem Spielbuch, das die Bank of Japan zur Verteidigung des Yen verfolgt.

Wie bereits dargelegt, bleibt jede Intervention dieser Art des Finanzministeriums gegenüber einem Staatsanleihenmarkt von mehr als 30 Billionen Dollar ein Tropfen auf den heißen Stein. Der Schritt ist daher vor allem als Signalmaßnahme gedacht – ganz ähnlich wie eine Währungsintervention.

Die Frage ist nun, ob ein solcher Schritt ohne eine Veränderung der Fundamentaldaten wirken kann, zumal die zentralen strukturellen Probleme fortbestehen. Einfacher ausgedrückt: Die Rückkäufe behandeln lediglich die Symptome, die sich am Markt zeigen; sie beheben nicht die Kernprobleme, die zur gegenwärtigen Lage geführt haben.

Die beiden zentralen Probleme bleiben die hohen Staatsausgaben – das heißt, die massive Kreditaufnahme – sowie die steigenden Inflationserwartungen. Dies sind große Belastungsfaktoren für Anleihen, und sie haben die Renditen nicht nur in den USA nach oben getrieben. Die fiskalische Seite dieser Gleichung steht in den vergangenen Wochen unter besonderer Beobachtung: Moody’s hat den USA unter Verweis auf steigende Defizite und Zinskosten das letzte Triple-A-Rating entzogen, während ein umfassendes Steuer- und Ausgabenpaket, das den Kongress durchläuft, die Defizitprognosen weiter im Fokus hält.

Solange nicht eines oder beide dieser Probleme angegangen werden, spricht einiges dafür, dass Bessents Vorstoß bestenfalls eine kurzfristige Entlastung bringen könnte. Erste Hinweise darauf, ob die Signalwirkung das Verhalten verändert, liefern die Nachfrage bei den bevorstehenden Auktionen langfristiger US-Staatsanleihen sowie die quartalsweisen Refinanzierungspläne des Finanzministeriums, in denen Umfang und Zusammensetzung neuer Emissionen festgelegt werden.

Der Kommentar vertritt zudem die Ansicht, dass sich das makroökonomische Umfeld inzwischen wieder zugunsten von Gold verschoben hat, auch wenn sich dies womöglich erst langfristig in deutlich größerem Umfang entfalten wird.

Anleger, die auf einen dramatischen Einbruch der US-Staatsanleihenrenditen setzen, sollten nicht erwarten, dass dies einfach oder geradlinig verläuft. So wie Tokios Intervention zugunsten des Yen eine Botschaft übermitteln und den Marktteilnehmern letztlich Signale senden soll, denen sie folgen, sollen die Rückkäufe des Finanzministeriums dieselbe Wirkung erzielen. Der Yen bleibt gleichwohl deutlich unter Druck, denn die fundamentalen Faktoren, die seinen Abwärtstrend antreiben, haben sich trotz der Interventionsbemühungen nicht verändert.

Damit bleibt eine offene Frage: Wird der „Bessent Put“ dasselbe Schicksal erleiden?