NachrichtenMakroGlobalmärkte im Wochenblick: US-Inflationsdaten und EZB-Sitzung im Fokus angesichts steigender Anleiherenditen

Globalmärkte im Wochenblick: US-Inflationsdaten und EZB-Sitzung im Fokus angesichts steigender Anleiherenditen

Autor: Economic Times Markets·

Wichtige Erkenntnisse

  • Weitgehend erwartet wird, dass die EZB am Donnerstag die Zinsen um 25 Basispunkte erhöht und damit einen Straffungszyklus fortsetzt, der im Juli 2022 begann.
  • Der August-CPI der USA, der am Freitag erscheint und voraussichtlich um 0,4 % steigen wird, könnte entscheiden, ob die Federal Reserve auf ihrer Sitzung am 15.–16. September die Zinsen erhöht.
  • Japans 10-jährige Staatsanleiherendite ist erstmals seit drei Jahrzehnten über 3 % gestiegen; der Yen hat angesichts erwarteter strafferer japanischer Geldpolitik aufgewertet.
  • Das US-Finanzministerium plant, seine Rückkäufe langlaufender Anleihen mindestens zu verdoppeln; die erste Operation ist für Mittwoch angesetzt, um die Marktliquidität zu verbessern.
  • Senegal nähert sich einem IWF-Hilfsprogramm, nachdem mehr als 10 Milliarden Dollar an bisher nicht offengelegten Schulden aufgedeckt wurden; eine Umschuldung gilt als wahrscheinlich.
Globalmärkte im Wochenblick: US-Inflationsdaten und EZB-Sitzung im Fokus angesichts steigender Anleiherenditen

Globalmärkte im Wochenblick: US-Inflationsdaten und EZB-Sitzung im Fokus angesichts steigender Anleiherenditen

Wichtige US-Inflationsdaten und die Politiksitzung der Europäischen Zentralbank werden die Finanzmärkte in der kommenden Woche beherrschen, da ein globaler Anleiheverkauf die Kreditkosten weiter in die Höhe treibt. Die Anleiherenditen sind von Tokio und Sydney bis London und New York gestiegen und befeuern Sorgen über staatliche Finanzierungskosten, Unternehmenskredite und überdehnte Aktienbewertungen. Höhere Renditen erhöhen die Abzinsungssätze für künftige Unternehmensgewinne – deshalb verfolgen Aktienanleger den Anleihemarkt so genau, selbst wenn sie selbst keine Anleihen halten. (Quelle: Reuters)

Anleihemärkte erschüttert, aber geordnet

Die globalen Anleiherenditen sind über alle Laufzeiten gestiegen, während Anleger höhere Energiepreise, Inflationsrisiken und die Aussicht auf eine straffere Geldpolitik abwägen. Kurzfristige Renditen in den USA und im Euroraum haben Mehrjahrshochs erreicht, während 30-jährige Renditen in den wichtigsten Märkten auf Niveaus notieren, die seit mehr als einem Jahrzehnt nicht mehr gesehen wurden. Das US-Finanzministerium bereitet zudem vor, seine Rückkäufe langlaufender Anleihen mindestens zu verdoppeln; die erste Operation ist für Mittwoch angesetzt – ein Stützungsmechanismus zur Verbesserung der Liquidität in einem Markt, der weltweit als Benchmark für Kreditkosten dient. Trotz der deutlichen Bewegungen ist der Verkauf bisher geordnet verlaufen.

Der Yen rückt ins Zentrum

Japan ist zu einem zentralen Fokus der globalen Anleihemärkte geworden, nachdem die Rendite japanischer Staatsanleihen mit 10-jähriger Laufzeit erstmals seit drei Jahrzehnten über 3 % gestiegen ist. Anleger beobachten, ob der rund 2 Billionen Dollar große Government Pension Investment Fund seine Allokationen zugunsten inländischer Anleihen erhöhen und damit seine Exposition gegenüber ausländischen Anleihen und Aktien reduzieren wird. Das hat Bedeutung über Japan hinaus: Japanische Investoren gehören seit Jahren zu den größten ausländischen Haltern von US-Staatsanleihen, und eine groß angelegte Kapitalrückführung würde die Preise globaler Anlagen beeinflussen. Auch der Zinserhöhungsausblick der Bank of Japan und die Kreditpläne der Regierung werden genau beobachtet. Der Yen hat in den letzten Handelssitzungen deutlich aufgewertet, da die Erwartungen an eine straffere japanische Geldpolitik gestiegen sind.

US-Inflation könnte den Fed-Entscheid prägen

Der US-Inflationskalender steht im Mittelpunkt: Am Donnerstag stehen die Erzeugerpreise an, gefolgt vom aufmerksam beobachteten Verbraucherpreisindex am Freitag. Von Reuters befragte Ökonomen erwarten für den August-CPI einen Anstieg um 0,4 %. Die Daten könnten entscheidend dafür sein, ob die Federal Reserve auf ihrer Sitzung am 15.–16. September die Zinsen erhöht – nur wenige Tage nach den Inflationsdaten. Die Märkte haben ihre Wetten auf eine Erhöhung ausgebaut, während Fed-Gouverneur Christopher Waller angedeutet hat, dass Anzeichen abkühlender Inflation für eine Beibehaltung der Zinsen sprechen könnten. Außerdem werden Oracles Quartalszahlen auf neue Hinweise zur Stärke des KI-Investitionsbooms geprüft – eines der wenigen Aktienmotive, das angesichts gestiegener Kreditkosten standgehalten hat.

EZB wird erneut Zinsen erhöhen

Weitgehend erwartet wird, dass die Europäische Zentralbank am Donnerstag die Zinsen erneut um 25 Basispunkte erhöht und damit ihrem Schritt von Juni folgt. Dies würde einen Straffungszyklus verlängern, der im Juli 2022 begann, während die EZB gegen eine Inflation ankämpft, die beharrlich über ihrem 2-%-Ziel liegt. Die Kernfrage für Anleger ist, was danach kommt, da die Inflation wieder über 3 % steigt und die Energiepreise vor dem Hintergrund geopolitischer Spannungen klettern. Die Märkte preisen eine weitere Zinserhöhung bis Dezember und eine weitere im nächsten Jahr ein, während Ökonomen zunehmend erwarten, dass die EZB nach dem Donnerstag pausiert. Der starke Anstieg der europäischen Anleiherenditen könnte die Finanzierungsbedingungen bereits so weit verschärfen, dass er einen Teil der Arbeit der EZB übernimmt.

Lagardes Worte haben Gewicht

Die Äußerungen von EZB-Präsidentin Christine Lagarde werden genau beobachtet, um Hinweise auf den künftigen Zinspfad der Notenbank zu erhalten. Anleger achten zudem auf ihre Einschätzung der Entwicklungen an den Devisenmärkten, einschließlich Berichten über Verkäufe des US-Dollars gegen den Euro und anschließende Käufe des Yen. Angesichts der Unsicherheit über die Dauer des Nahostkonflikts könnten die Verantwortlichen auf feste Leitlinien für künftige Zinsschritte verzichten.

Senegals Schuldenkrise rückt ins Rampenlicht

Die globalen Schuldensorgen gehen über die großen Anleihemärkte hinaus. Senegal nähert sich einem IWF-Hilfsprogramm, nachdem mehr als 10 Milliarden Dollar an bisher nicht offengelegten Schulden aufgedeckt wurden. Der Vorgang ähnelt anderen jüngeren Fällen in Schwellenländern, in denen verborgene Verbindlichkeiten ans Licht kamen und abrupte Umschuldungen erzwangen. Von dem IWF-Programm wird erwartet, dass es Senegal zu einer Umschuldung verpflichtet und die öffentlichen Finanzen auf eine tragfähigere Basis stellt. Die Umschuldung könnte sich als kompliziert erweisen, da Senegal Teil der westafrikanischen Währungsunion ist und daher seine eigene Währung nicht abwerten kann, um die Anpassung zu erleichtern.

IWF-Regelwerk könnte zusätzlichen Druck erzeugen

Senegal möchte die Umschuldung einiger lokaler, in CFA-Franc denominierter Schulden bei Regionalbanken und multilateralen Institutionen vermeiden. Das könnte internationale Anleihen und andere Auslandsschulden in einer Umschuldung stärker belasten. Eine Diskussion des IWF-Vorstands in der kommenden Woche über seinen Rahmen zur Schuldentragfähigkeit für einkommensschwache Länder könnte für Senegal zu einer wichtigen Entwicklung werden. Jede Änderung des Rahmens könnte erhebliche Auswirkungen auf die Umschuldungsaussichten des Landes haben – und darauf, wie die Schuldenlast anderer einkommensschwacher Länder künftig bewertet wird.