Nigerias Kartellwächter untersucht Ubers abrupten Marktrückzug; ICASA prüft OTT-Plattformen; FSCA verhängt Geldstrafen gegen frühere Altvest-Führungskräfte
Wichtige Erkenntnisse
- •Nigerias Federal Competition & Consumer Protection Commission untersucht Ubers plötzliche Einstellung der nigerianischen Geschäfte am 2. September, um festzustellen, ob Kunden mit ungeklärten Verpflichtungen zurückblieben.
- •Südafrikas ICASA hat eine Untersuchung zu Over-the-Top-Plattformen wie Netflix und WhatsApp eingeleitet, nach „Fair Share“-Lobbying von Telekomanbietern wie MTN und Vodacom.
- •Die FSCA verhängte gegen die früheren Altvest-Führungskräfte Warren Wheatley, Tatum Keshwar-Wheatley und Akshay Karan eine Gesamtstrafe von 9 Millionen Rand (564.000 US-Dollar) und 20-jährige Verbote im Finanzsektor wegen Aktienkursmanipulation 2022.
- •Sun King brachte in Kenia das EZ 3 Smartphone auf den Markt, das eine Anzahlung von 2.299 KES (18 US-Dollar) plus tägliche Zahlungen von 55 KES über ein Jahr erfordert und in seiner Fabrik in Tatu City gefertigt wird.
- •Ubers Rückzug aus Nigeria beendete eine 12-jährige Präsenz; Fahrer und Fahrgäste wechselten zu Konkurrenten wie Bolt und inDrive, begleitet von einem unternehmensweiten Stellenabbau von 3.300 Beschäftigten.

Nigerias Verbraucherschutz- und Kartellbehörde untersucht die plötzliche Einstellung der nigerianischen Geschäftsaktivitäten durch Uber. Parallel hat Südafrikas Kommunikationsregulierer eine Untersuchung zu Streaming- und Messaging-Plattformen eingeleitet, Südafrikas Financial Sector Conduct Authority hat Geldstrafen gegen drei frühere Führungskräfte der Africa Bitcoin Corporation verhängt, und Kenias Sun King hat ein finanziertes Smartphone vorgestellt.
Fahrdienste
Nigerias Verbraucherschutzbehörde untersucht Ubers abrupten Rückzug
Manche nennen es die „Uber-Entrückung“. Eine Minute war die App da, im nächsten Moment öffneten Nutzer in Nigeria die App und fanden keine verfügbaren Fahrten mehr. Jetzt will Nigerias Wettbewerbs- und Kartellregulierer wissen, was passiert ist – und ob Uber offene Rechnungen hinterlassen hat.
Was ist passiert? Nigerias Federal Competition & Consumer Protection Commission (FCCPC) gibt an, sie untersuche Ubers abrupten Rückzug aus Nigeria am 2. September, insbesondere ob Kunden mit unerfüllten Leistungen zurückblieben. Das könnte bedeuten, dass Personen, die mitten in einer Fahrt waren, als die Abschalte-Mail versandt wurde, vor Problemen stehen.
Hintergrund: Der in den USA ansässige Fahrdienst-Riese stellte seine nigerianischen Geschäfte letzte Woche ein und beendete damit eine 12-jährige Präsenz im Land. Uber zog sich auch aus Uganda zurück und kündigte ein unternehmensweiten Stellenabbau an, der 3.300 Beschäftigte betrifft.
Die Behörde hat Uber bislang keiner Gesetzesverletzung beschuldigt. Sie versucht festzustellen, ob Ubers abrupte Abschaltung nigerianische Kunden mit ungeklärten Verpflichtungen zurückließ und ob das Unternehmen seinen verbraucherschutzrechtlichen Pflichten vor dem Abzug nachkam.
Es ist nicht die erste Begegnung der FCCPC mit dem Fahrdienstsektor. Die Kommission hat zuvor Plattformpraktiken in Nigerias Gig-Economy untersucht, und ihre Rechtsgrundlage – das Bundesgesetz über Wettbewerb und Verbraucherschutz von 2018 – gibt ihr ein Mandat, das sowohl Kartellvollzug als auch Verbraucherentschädigung umfasst. Nur deshalb ist eine derartige Untersuchung nach dem Marktaustritt überhaupt möglich.
Es steht ein größerer Präzedenzfall auf dem Spiel: Wenn Unternehmen einen Service über Nacht abschalten und einfach weiterziehen können, gilt ein Standard für den Markteintritt und ein anderer für den Austritt. Uber mag heute das Unternehmen unter der Lupe sein, doch wie dies ausgeht, könnte den Ton für jede Plattform angeben, die nach Nigeria kommt, eine Kundenbasis aufbaut und eines Tages beschließt zu gehen. In der Zwischenzeit sind Fahrer und Fahrgäste zu Konkurrenten gewechselt, die weiterhin am Markt tätig sind, darunter Bolt und inDrive.
Streaming
Netflix und WhatsApp geraten in Südafrika ins Visier der Regulierung
Südafrikas Kommunikationsregulierer richtet seine Aufmerksamkeit auf Streaming- und Online-Unterhaltungsplattformen.
Die Independent Communications Authority of South Africa (ICASA) hat eine Untersuchung über die Auswirkungen von Streaming- und Messaging-Diensten – sogenannten Over-the-Top-Plattformen (OTT) – wie Netflix, WhatsApp und anderen internetbasierten Diensten eingeleitet, die offenbar mit traditionellen Rundfunkanstalten und Telekommunikationsanbietern konkurrieren.
Hintergrund: OTT-Dienste sind im Grunde Apps, die Inhalte über das Internet liefern statt über traditionelle Rundfunk- oder Telekommunikationsnetze – denken Sie an Netflix statt DStv oder WhatsApp statt SMS. Der Haken: Während sie auf der Infrastruktur lokaler Betreiber aufbauen, unterliegen sie im Allgemeinen nicht denselben Regulierungen.
Zum Nachlesen: Seit Monaten bitten Branchenverbände – darunter Südafrikas Association of Communications & Technology (ACT), deren Mitglieder MTN und Vodacom sind – den Regulierer, die Auswirkungen von OTT-Plattformen zu überprüfen. Sie argumentieren lange, dass Telekomanbieter heavily in den Ausbau von Glasfasernetzen und Breitbandzugänge für Verbraucher investieren, nur damit Streaming-Plattformen auf dieser Infrastruktur aufbauen, konkurrierende Dienste anbieten und Marktanteile abgreifen.
Warum jetzt? Telekomanbieter verfolgen die „Fair Share“-Argumentation: Wenn Netflix, WhatsApp und ihre Wettbewerber enormouses Traffic-Volumen erzeugen, sollten sie dann nicht zu den Netzen beitragen, die diesen Traffic transportieren? Das ist ein überzeugendes Argument – bis man sich erinnert, dass Verbraucher den Betreibern bereits für Daten und Konnektivität zahlen, mit denen sie diese Dienste nutzen. Dieselbe Debatte wurde in Europa ausgetragen, wo Telecom-Verbände die Europäische Kommission aufforderten, große Plattformen an Netzkosten zu beteiligen; die Regulierer dort haben eine Verpflichtung bislang abgelehnt.
Letztlich ist es eine Wirtschaftsfrage: Telekomanbieter würden kaum weiterhin hohe Kapitalinvestitionen in einem Markt tätigen, in dem sie keinen Weg zu einer Rendite sehen. Selbst wer auf lange Sicht spielt, tut dies mit dem Ziel der Rendite.
Das macht die Debatte spaltend. Haben die Telekomanbieter recht, oder wird das Bedürfnis der Verbraucher nach mehr Auswahl übersehen? Und wenn diese ausländischen OTT-Unternehmen ihre Steuern zahlen, ist das genug Bekenntnis zum Markt, oder sollte es andere Formen der Kompensation geben?
Aus dem Blick nach außen: Dem südafrikanischen Regulierer kommt die Rolle von Richter und Jury zu. ICASAs Interesse an diesem Streit könnte auch damit zusammenhängen, lokalen Rundfunkanstalten wie der SABC ein ebenbürtigeres Spielfeld zu verschaffen. Die Untersuchung könnte zu einem viel größeren Kampf darüber werden, wer an Südafrikas digitaler Wirtschaft teilnehmen darf – und nach wessen Regeln.
Der Regulierer sagte, die Überprüfung könne neun Monate bis zu einem Jahr oder länger dauern. Bis dahin dürfte die Frage nicht mehr lauten, ob OTTs das traditionelle Fernsehen disruptiert haben – das ist bereits geschehen. Die eigentliche Frage ist, ob die Regulierung aufholen kann, ohne das Internet teurer oder weniger innovativ zu machen.
Kapitalmärkte
FSCA verhängt 564.000 US-Dollar Strafe gegen Altvest-Führungskräfte und 20-jährige Verbote
Südafrikas Kapitalmarktregulierer hat drei hochrangige Mitglieder der Africa Bitcoin Corporation (ABC) bestraft, einem Bitcoin-Treasury-Unternehmen, das früher als Altvest Capital firmierte.
Am Freitag verhängte die Financial Sector Conduct Authority (FSCA) gegen die ehemaligen Führungskräfte eine Gesamtstrafe von 9 Millionen Rand (564.000 US-Dollar) wegen Manipulation der Aktien des Unternehmens im Jahr 2022 und sprach gegen alle drei ein 20-jähriges Verbot für den Finanzsektor aus.
Laut der lokalen Publikation TechCentral sind die drei Führungskräfte – der Geschäftsführer Warren Wheatley, seine Ehefrau und Leiterin der Medien- und Anlegerbeziehungen Tatum Keshwar-Wheatley sowie Chief Investment Officer Akshay Karan – inzwischen von ihren Positionen zurückgetreten oder suspendiert worden.
Was ist passiert? Nach Angaben der FSCA koordinierten Wheatley, Keshwar-Wheatley und Karan zwischen dem 5. und 8. September 2022 Geschäfte, die den Aktienkurs von Altvest künstlich in die Höhe trieben oder ein falsches Bild von Nachfrage und Handelsaktivität erzeugten. Wheatley und seine Ehefrau handelten zudem über Unternehmen, die damals zusammen 51 % an Altvest hielten, so die Behörde.
Hintergrund: Die Africa Bitcoin Corporation ist ein an der südafrikanischen Börse notiertes Finanzunternehmen, ursprünglich ein Kreditgeber für KMU, das sich 2025 neu um Bitcoin positionierte. Das Unternehmen baut nun eine Bitcoin-Treasury-Strategie auf – es kauft und verwahrt Bitcoin, hält es langfristig in der Bilanz und gibt Privat- und institutionellen Anlegern über den Aktienkauf Zugang zur Kryptowährung.
Das Unternehmen wurde inzwischen an der Johannesburger Börse Südafrikas (JSE) notiert sowie in weiteren Märkten, darunter Namibia, Deutschland und an der Commodities-Börse in den Vereinigten Staaten.
Aus dem Blick nach außen: Die timing macht den Fall besonders bemerkenswert. Das Fehlverhalten geschah Jahre bevor aus Altvest die Africa Bitcoin Corporation wurde, doch zwei der Beteiligten waren zentrale Figuren des Unternehmens. Der Regulierer hat nicht erklärt, dass ABC oder sein aktuelles Bitcoin-Geschäft in ein Fehlverhalten verwickelt waren, aber drei ehemalige hochrangige Mitglieder wurden nun mit hohen Strafen und 20-jährigen Verboten belegt. Für ein Unternehmen, das Anlegervertrauen rund um eine neue Bitcoin-fokussierte Identität aufbauen will, könnte diese Geschichte unbequeme Fragen aufwerfen und manche Anleger verunsichern. Der Fall erinnert auch daran, dass Südafrikas Marktaufseher zunehmend ihr Augenmerk auf Krypto-nahe Unternehmen richten, während die Branche wächst. Vorerst heißt es: abwarten.
Verbrauchertechnik
Sun King stellt in Kenia jetzt Smartphones her und finanziert sie
Sun King machte sich einen Namen, indem es kenianischen Haushalten den Zugang zu Solarprodukten ermöglichte, ohne die vollen Kosten im Voraus zu zahlen. Jetzt wendet das Off-Grid-Solarunternehmen dasselbe Modell auf Smartphones an.
Was ist passiert? Sun King, das 2025 nahezu 200 Millionen US-Dollar an Fremd- und Eigenkapital aufgenommen hat, hat das EZ 3 vorgestellt – ein Smartphone, das eine Anzahlung von 2.299 KES (18 US-Dollar) erfordert, gefolgt von Tageszahlungen von 55 KES (0,43 US-Dollar) über 365 Tage. Am Ende des Zahlungsplans haben Kunden 22.374 KES (173 US-Dollar) bezahlt. Der Launch erfolgt weniger als ein Jahr, nachdem Sun King seine erste afrikanische Fertigungsstätte in Kenia eröffnet hat.
Hintergrund: Sun King trat 2009 als Greenlight Planet in Kenia auf den Markt und verkaufte Off-Grid-Solarprodukte über kleine, wiederkehrende Zahlungen an Haushalte, sodass Kunden die Produkte ohne Vorabzahlung der vollen Kosten besitzen konnten. Dieses Pay-as-you-go-Finanzierungsmodell wurde zu einem wichtigen Teil des Geschäfts.
Im Oktober 2025 eröffnete das Unternehmen eine Fabrik in Tatu City, Kenia, mit einer Kapazität von bis zu 700.000 Einheiten pro Jahr. Als nächsten Schritt verbindet es lokale Montage mit dem Finanzierungs- und Vertriebsnetz, das es über Jahre aufgebaut hat.
Wie funktioniert der Kauf? Sun King verkauft den Zugang zu den Telefonen über einen Finanzierungsvertrag. Kunden schließen eine Finanzierungsvereinbarung ab, leisten die Anzahlung, nehmen das Telefon mit nach Hause und zahlen den Restbetrag in täglichen Raten. Solange die Zahlungen weiterlaufen, bleibt das Telefon nutzbar. Es ist auch Sun Kings zweites Smartphone unter eigener Marke. Im Februar 2026 brachte es das EZ 1 heraus, das eine Anzahlung von 2.999 KES (23 US-Dollar) und täglich 60 KES (0,46 US-Dollar) erforderte. Das EZ 3 ist die günstigere Fortsetzung.
Kenias Markt für finanzierte Smartphones: Sun King betritt ein umkämpftes Feld. M-KOPA, das in Kenia geborene Asset-Finanzierungsunternehmen, hat ein Geschäft um die Finanzierung von Smartphones aufgebaut und nutzt Zahlungshistorien, um Kunden Kredite, Daten und Geräteschutz anzubieten. Watu, besser bekannt für die Finanzierung von Motorrädern und Tuk-Tuks, finanziert über sein Geschäft Watu Simu ebenfalls Samsung-Smartphones.
Aus dem Blick nach außen: Die Finanzierung von Smartphones und Konsumgütern wird in Märkten beliebter, in denen formeller Kredit für viele Verbraucher unerreichbar bleibt. Für Off-Grid- und einkommensschwache Haushalte ist ein finanziertes Smartphone oft auch der wichtigste Zugang zu Mobile Money, Behördendiensten und der digitalen Wirtschaft – die Erschwinglichkeit von Geräten ist also eine größere Frage als Hardware allein. Sun King setzt nun darauf, dass seine Telefone, der Zahlungsplan und das Vertriebsnetz Kunden gewinnen können.
Veranstaltungen
Das Building Beyond You Institute veranstaltet am 25. September 2026 die zweite Ausgabe der Building Beyond You Conference im Eko Convention Center in Lagos. Die von House-of-Tara-Gründerin Tara Fela-Durotoye einberufene eintägige Veranstaltung bringt Gründer, Unternehmensinhaber und Führungskräfte zusammen, um Unternehmen zu diskutieren, die über ihre Gründer hinaus wachsen können; GTBank-Mitgründer und FATE-Foundation-Vorsitzender Fola Adeola ist Hauptredner. Die Konferenz erwartet 2.500 Teilnehmer, gegenüber 1.381 bei der ausverkauften Ausgabe 2025, und behandelt Nachfolge, Governance, Führung und spätere Unternehmensübergänge.
Auch in den Nachrichten:
- Nigerias Polizei-App Vigilant wirft Fragen zum Kreislauf doppelter Betrugs-Meladeplattformen auf
- Von 70 Millionen auf 317 Millionen: Wie Serigne Dioum jeden MTN-Kunden zu einem MoMo-Nutzer machen will
- Ubers 14-Dollar-Fahrtenproblem in Nigeria
Geschrieben von Yemi Kareem und Emmanuel Nwosu; redigiert von Emmanuel Nwosu & Ganiu Oloruntade.