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Zehn Vermisste nach Kollision im Marmarameer – Türkisches Frachtschiff vermutlich gesunken

Autor: Splash247·

Wichtige Erkenntnisse

  • Die 1990 gebaute Tugberk Imamoglu kollidierte kurz nach 03.00 Uhr Ortszeit rund 18 Seemeilen südlich von Silivri im Marmarameer mit dem 2021 gebauten Chemietanker Alsu.
  • Zehn Besatzungsmitglieder der Tugberk Imamoglu werden weiterhin vermisst; nach gescheiterten Kommunikationsversuchen gehen die Behörden davon aus, dass das Schiff gesunken ist.
  • Ein EPIRB-Notsignal des Frachtschiffs wurde um 03.26 Uhr registriert, wenige Minuten nach der gemeldeten Kollision – ein Hinweis darauf, dass die Bake wie vorgesehen funktionierte.
  • Vierzehn Such- und Rettungseinheiten, ein Hubschrauber und der Tanker Alsu sind an der Aktion beteiligt; das Freifallrettungsboot des vermissten Schiffs wurde leer treibend aufgefunden.
  • Erste Untersuchungen ergaben keine sichtbaren Schäden an der Alsu, die voraussichtlich samt Besatzung im Rahmen der türkischen Unfalluntersuchungsverfahren festgehalten wird.
Zehn Vermisste nach Kollision im Marmarameer – Türkisches Frachtschiff vermutlich gesunken

Im Marmarameer läuft eine große Such- und Rettungsaktion, nachdem ein türkisches Mehrzweckfrachtschiff in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch nach einer Kollision mit einem Chemietanker vermutlich gesunken ist. Zehn Besatzungsmitglieder werden weiterhin vermisst.

Die 3.970 dwt große Tugberk Imamoglu kollidierte kurz nach 03.00 Uhr Ortszeit rund 18 Seemeilen südlich von Silivri, westlich von Istanbul, mit dem 3.338 dwt großen Chemietanker Alsu. Das Marmarameer ist eine der am stärksten befahrenen Binnengewässer der Welt und verbindet über die Dardanellen und den Bosporus Schwarzhäfen mit dem Mittelmeer. Der Vorfall ereignete sich innerhalb des von der Türkei per VTS überwachten Verkehrskorridors für die Zufahrt zum Bosporus, einer Zone, in der Schiffs­bewegungen streng reguliert sind.

Nach Angaben der türkischen Schifffahrtsbehörden wurde um 03.26 Uhr ein Notsignal vom EPIRB der Tugberk Imamoglu empfangen. Der Kapitän der Alsu meldete anschließend um 03.41 Uhr den Schiffsverkehrsdiensten, dass sein Schiff gegen 03.15 Uhr mit einem nicht identifizierten Schiff kollidiert war.

Wiederholte Funk- und Telefonversuche, die Tugberk Imamoglu und ihre 10 Besatzungsmitglieder zu erreichen, blieben erfolglos; die Behörden gehen inzwischen davon aus, dass das Schiff gesunken ist. Ein EPIRB (Emergency Position Indicating Radio Beacon, Notfunkbake) sendet automatisch oder manuell ein Notsignal an Satelliten, sodass Rettungsbehörden die Position eines Schiffes auch dann bestimmen können, wenn die Besatzung nicht mehr kommunizieren kann. Dass das Signal innerhalb weniger Minuten nach der gemeldeten Kollision registriert wurde, zeigt, dass die Bake wie vorgesehen funktionierte.

An der Rettungsaktion beteiligen sich vierzehn maritime Such- und Rettungseinheiten, ein Hubschrauber und die Alsu. Zur Ausrüstung des vermissten Schiffs gehörende Rettungsmittel, darunter das Freifallrettungsboot, wurden im Wasser aufgefunden, jedoch waren bis zum Zeitpunkt der Berichtserstellung keine Besatzungsmitglieder gefunden worden. Ein Freifallrettungsboot wird durch einen Heckstart von der Rampe aus zu Wasser gelassen; sein leer treibendes Auffinden deutet darauf hin, dass es beim Untergang ausgesetzt oder abgerissen wurde, wobei die Umstände noch nicht bestätigt sind.

Die 1990 gebaute und im Besitz des Istanbuler Unternehmens Zeybe Denizcilik stehende Tugberk Imamoglu war von Iskenderun nach Karadeniz Eregli unterwegs. Mit 35 Jahren repräsentiert das Schiff den alternden Teil der kleinen Mehrzweckfrachtflotte, der weiterhin im türkischen Küstenhandel unterwegs ist. Seine Route von Iskenderun am Mittelmeer nach Karadeniz Eregli am Schwarzen Meer ist ein üblicher Abschnitt durch das türkische Meerengensystem.

Die 2021 gebaute und im Besitz von Ozpulathane Deniz Tasimaciligi stehende Alsu war von Kocaeli nach Aliaga unterwegs. Erste Untersuchungen ergaben keine sichtbaren Schäden am Tanker. Als Chemietanker, der in eine Kollision mit befürchteten Todesopfern verwickelt ist, wird das Schiff samt Besatzung voraussichtlich im Rahmen der türkischen Unfalluntersuchungsverfahren festgehalten, die üblicherweise die Schifffahrtsdirektion einbeziehen und je nach Ergebnis eine Überstellung nach dem türkischen Handelsgesetzbuch und internationalen Unfalluntersuchungsrichtlinien vorsehen. Kollisionsuntersuchungen in türkischen Gewässern speisen zudem Istanbuls PSC-System; ein so schwerwiegender Unglücksfall wird eine genaue Prüfung der Wachdienstgestaltung, der Besatzungsstärke und des Brückenressourcenmanagements beider Schiffe in den frühen Morgenstunden nach sich ziehen.

Quelle: Splash247