Tesla startet Cybercab-Robotaxi-Dienst in Austin bei Ausbau der fahrerlosen Flotte
Wichtige Erkenntnisse
- •Tesla hat in Austin bezahlte Cybercab-Fahrten mit einem speziell entwickelten, fahrerlosen Zweisitzer ohne Lenkrad und Pedale gestartet, gebucht über die Robotaxi-App des Unternehmens.
- •In Texas sind nur 45 Cybercabs registriert, während die meisten der 420 Tesla-Robotaxis im Bundesstaat Model-Y-Fahrzeuge mit Full-Self-Driving-Software sind.
- •Tesla will den Cybercab nach bestehenden Bundes-Sicherheitsstandards zertifizieren lassen, statt eine Ausnahme zu beantragen – laut NHTSA wurde kein solcher Antrag eingereicht, während die Behörde die Situation beobachtet.
- •Tesla verfügt über eine Produktionskapazität für bis zu 125.000 Cybercabs pro Jahr, Musk strebt langfristig eine Produktion im Millionenmaßstab an.
- •Tesla hat Bewerbungen für Einzelpersonen und Unternehmer geöffnet, die Cybercab-Flotten kaufen oder die Service-Infrastruktur aufbauen können; für die breite Öffentlichkeit sind die Fahrzeuge noch nicht erhältlich.

Tesla hat am Donnerstag seinen Cybercab-Dienst in Austin gestartet und damit bezahlte Kundenfahrten in einem speziell entwickelten, fahrerlosen Zweisitzer ohne Lenkrad und Pedale aufgenommen, die über die Robotaxi-App des Unternehmens gebucht werden.
Der Start markiert das erste Mal, dass Teslas speziell gebautes autonomes Fahrzeug zahlende Passagiere befördert, und bringt Elon Musks lange versprochene Robotaxi-Vision in den realen Betrieb. Er verschärft zugleich den Wettbewerb mit Waymo, der fahrerlosen Ride-Hailing-Sparte von Alphabet, die in Austin und anderen US-Städten bereits bezahlte Robotaxi-Dienste mit Fahrzeugen anbietet, die mit Lidar und anderen dedizierten Sensoren ausgestattet sind – ein technischer Kontrast zu Teslas kamerabasiertem, rein visuellem Ansatz für autonomes Fahren.
Autonomer goldener Zweisitzer debütiert in Texas
Der Rollout fand bei einer exklusiven Veranstaltung in Austin statt, bei der Tesla einer ausgewählten Gruppe von Influencern und treuen Kunden die ersten Fahrten im Cybercab ermöglichte. Laut Axios handelt es sich um ein goldlackiertes Modell mit Flügeltüren, ohne konventionelle Spiegel, Lenkrad oder Pedale.
Tesla positioniert das Interieur des Cybercab als mehr als nur einen Fahrgastraum und integriert Unterhaltung in das Fahrerlebnis. Ein vom Unternehmen veröffentlichtes Werbevideo zeigte Theater-, Musik- und Gaming-Apps, die über einen 22-Zoll-Touchscreen erreichbar sind. Tesla gab außerdem an, dass künftige Modelle mit V5-Starlink-Hardware für eine vollständige Konnektivität ausgestattet sein werden.
Kunden können Cybercab-Fahrten über Teslas eigene Ride-Hailing-App buchen; der Bestellvorgang ist so gestaltet, dass er ähnlich funktioniert wie bei Uber, Lyft oder Waymo.
Ein weiter Weg zu den Robotaxi-Zielen
In Texas sind bislang nur 45 Cybercabs registriert – ein kleiner Teil der 420 Robotaxis, die Tesla im Bundesstaat betreibt. Bei den meisten dieser Fahrzeuge handelt es sich um konventionelle Model-Y-Autos mit der Full-Self-Driving-Software des Unternehmens, was bedeutet, dass die Mehrheit der Fahranfragen noch nicht mit dem neuen, lenkradlosen Cybercab bedient wird.
Tesla hat eine Produktionskapazität für bis zu 125.000 Cybercabs pro Jahr aufgebaut, während Musk angekündigt hat, dass das Unternehmen die Fahrzeuge langfristig im Millionenmaßstab produzieren will. Die Lücke zwischen der Vision des CEO und der aktuellen Realität bleibt jedoch groß. Wie schnell die anfängliche Flotte in Austin wächst und wie die Aufsichtsbehörden darauf reagieren, wird das Tempo eines breiteren Rollouts bestimmen.
Ein regulatorischer Kampf, den Tesla bestehen muss
Das Erreichen der angestrebten Cybercab-Produktionsziele könnte auf Bundesebene regulatorische Herausforderungen mit sich bringen. Tesla scheint bereit zu sein, den Cybercab als konform mit bestehenden Vorschriften zertifizieren zu lassen, statt eine Ausnahme von Sicherheitsanforderungen zu beantragen, die das unkonventionelle Fahrzeugdesign möglicherweise nicht erfüllt. Dieser Ansatz könnte Tesla helfen, die mit dem Ausnahmeverfahren verbundenen Produktionsbegrenzungen zu vermeiden, und dem Unternehmen deutlich mehr Flexibilität beim Hochskalen der Cybercab-Fertigung geben.
Die National Highway Traffic Safety Administration, die Fahrzeuge oder neue Technologien nicht vorab genehmigt, teilte mit, dass Tesla keinen Ausnahmeantrag eingereicht hat und dass die Behörde „in Kontakt mit dem Unternehmen steht und die Situation beobachtet“. Bundesweite Fahrzeugsicherheitsstandards haben historisch das Vorhandensein menschlicher Bedienelemente wie Lenkräder und Spiegel vorausgesetzt – weshalb ein Fahrzeug ohne diese einen eigenen Zertifizierungsweg beschreiten muss, eine Hürde, die auch andere Programme für autonome Fahrzeuge belastet hat.
Zudem sucht Tesla nach externen Investitionen, um sein Robotaxi-Netzwerk auszubauen. Am Donnerstag öffnete das Unternehmen ein Bewerbungsformular, über das Einzelpersonen und Unternehmer Cybercab-Flotten für die gewerbliche Nutzung erwerben oder die für deren Betrieb benötigten Hubs und die Infrastruktur entwickeln können – unter dem Slogan: „Help us build our Robotaxi network.“ Für die breite Öffentlichkeit sind die Fahrzeuge noch nicht kauflich erhältlich.