Tschudin von der SNB: Schweizer Inflation ist niedrig, Negativzinsen bleiben möglich
Wichtige Erkenntnisse
- •Tschudin sagte, die Schweizer Inflation sei niedrig, weil die Erwartungen gedämpft seien und Öl nur einen begrenzten Einfluss auf den Warenkorb habe.
- •Sie erklärte, die SNB sei bereit, die Zinsen erneut unter null zu senken, falls die wirtschaftlichen Bedingungen dies erfordern.
- •Sie warnte, dass die Inflationsprognosen der SNB keine Zinsprojektionen sind und keinen unveränderten Politikpfad signalisieren.
- •Tschudin sagte, künstliche Intelligenz könne die Inflation kurzfristig erhöhen.
- •Sie führte die jüngste Schwäche des Frankens auf höhere Zinserwartungen außerhalb der Schweiz zurück.

Petra Tschudin, Mitglied des Direktoriums der Schweizerischen Nationalbank (SNB), sagte, die Schweizer Inflation bleibe niedrig, weil die Inflationserwartungen gedämpft seien und Öl im schweizerischen Warenkorb ein relativ geringes Gewicht habe. Sie erklärte zudem, die SNB sei bereit, die Zinsen bei Bedarf unter null zu senken – ein Schritt, den die Notenbank bereits gegangen ist: Sie hielt ihren Leitzins von Ende 2014 bis September 2022 unter null, darunter über einen langen Zeitraum bei -0,75 %.
Tschudin äußerte sich zum Inflations- und Zinnausblick und betonte zugleich, dass die SNB über den Prognosezeitraum hinweg keinen unveränderten Politikpfad signalisiere. Sie warnte davor, die Inflationsprognose der Notenbank als Zinsprognose zu lesen, und verwies darauf, dass die SNB keine Zinsprojektionen veröffentlicht und dass ihre aktuelle Inflationsprognose nicht bedeute, dass die Zinsen drei Jahre lang auf ihrem derzeitigen Niveau bleiben würden. Der Dreijahresbezug bezieht sich auf die konditionalen Inflationsprognosen, die die SNB im Rahmen ihrer vierteljährlichen geldpolitischen Bewertungen veröffentlicht; diese gehen von einem konstanten Leitzins aus und sind daher keine Festlegung auf einen solchen.
Zu ihren wichtigsten Aussagen gehörte die Einschätzung, dass künstliche Intelligenz die Inflation kurzfristig erhöhen könne. Sie sagte außerdem, der Franken habe wegen höherer Zinserwartungen im Ausland nachgegeben.
Die Äußerungen waren geldpolitisch expansiv ausgerichtet. Tschudin hielt Negativzinsen ausdrücklich als Option offen und wies die Vorstellung zurück, die Inflationsprognose der SNB impliziere über einen längeren Zeitraum stabile Zinsen. Mit weiterhin niedriger Schweizer Inflation und einem Leitzins von 0 % signalisierte sie, dass die SNB weiter Spielraum für eine Lockerung der Geldpolitik hat, sofern die Lage dies erfordert. Die Schweizer Inflation bewegt sich derzeit nahe der Untergrenze der für Preisstabilität geltenden SNB-Bandbreite von 0 bis 2 %. Während ihrer früheren Phase negativer Zinsen verlangte die SNB von den Banken Negativzinsen auf Sichteinlagen oberhalb von Freibeträgen – ein Mechanismus, der die Nebenwirkungen auf die Bankenrentabilität begrenzen sollte.
Auch ihre Erklärung für die jüngste Schwäche des Franken war bemerkenswert. Sie führte diese im Wesentlichen auf höhere Zinserwartungen außerhalb der Schweiz zurück, die die Zinsdifferenzen zuungunsten des Franken ausweiten. Der Franken notierte zuletzt nahe seinen stärksten Ständen gegenüber dem Dollar seit rund einem Jahrzehnt, und die SNB blickt auf eine lange Geschichte im Umgang mit der Franken-Stärke zurück, einschließlich der Devisenmarktinterventionen, mit denen sie früher einer überbewerteten Währung entgegentrat.
Insgesamt lautete die Botschaft, dass die SNB flexibel bleibt und die geldpolitische Ausrichtung tendenziell in Richtung Lockerung geneigt ist, falls die Inflation oder die Wirtschaftslage sich weiter abschwächen sollten. Der USDCHF stieg auf die Kommentare hin und testete die Oberkante eines Swing-Bereichs zwischen 0,8009 und 0,8018, da der Fokus diese Woche auf den CHF zurückfiel und nicht auf die Entwicklungen beim USD. Der nächste Anhaltspunkt für die Märkte ist die turnusmäßige vierteljährliche geldpolitische Bewertung der SNB, bei der das Direktorium den Leitzins festlegt und seine Inflationsprognose aktualisiert.