SMM 2026: Sicherheit rückt als dominierendes Thema der Schifffahrtsbranche in den Mittelpunkt
Wichtige Erkenntnisse
- •Die SMM 2026 in Hamburg stellte mit mehr als 50.000 Teilnehmern aus 134 Nationen und rund 2.300 ausstellenden Unternehmen aus 66 Ländern einen Rekord auf.
- •Maritime Sicherheit und Verteidigung gewannen durch die neue Naval Hall B8 und die MS&D-Konferenz an Bedeutung, mit Schwerpunkt auf unbemannten Systemen, Sensoren, Cybersicherheit und dem Schutz kritischer Infrastruktur.
- •Energieeffizienz und Dekarbonisierung blieben zentrale Themen, mit einem neuen Energy Efficiency Hub, in dem 24 Unternehmen Lösungen einschließlich Windantrieb und Flottenoptimierung präsentierten.
- •Die Diskussionen über künstliche Intelligenz wandten sich von theoretischem Potenzial zu konkreten Anwendungen wie Kollisionsvermeidung, vorausschauender Wartung und autonomen Systemen.
- •Indien, Zypern und Brasilien präsentierten erstmals nationale Pavillons auf der SMM; die nächste Ausgabe ist für den 5. bis 8. September 2028 in Hamburg geplant.

Vier Tage lang stand die SMM 2026 im Zeichen der zentralen Herausforderungen der Schifffahrtsbranche – von maritimer Sicherheit und widerstandsfähigen Lieferketten über Energieeffizienz und neue Antriebstechnologien bis hin zu künstlicher Intelligenz und autonomen Systemen. Die SMM, die alle zwei Jahre in Hamburg veranstaltet wird, gehört zu den größten Schiffbaumesse der Welt und gilt weithin als Barometer der Investitions- und Technologieagenda der Branche. Reedereien, Werften, Zulieferer, Technologieunternehmen, Marinen und internationale Organisationen nutzten die Veranstaltung, um über Investitionen, neue Technologien und Partnerschaften zu sprechen.
„Was wir in diesen vier Tagen gesehen haben, ist eine Branche mit einem starken Willen, ihre Zukunft selbst zu gestalten. Trotz geopolitischer und regulatorischer Unsicherheit investieren die Unternehmen, suchen nach Lösungen und bauen neue Partnerschaften auf. Bei allen Themen war deutlich spürbar, dass verfügbare Technologien schneller eingesetzt werden müssen“, sagt Claus Ulrich Selbach, Vice President Exhibitions Maritime & Energy bei Hamburg Messe und Congress.
Sicherheit und Resilienz rücken ins Zentrum
Die wachsende Bedeutung der maritimen Sicherheit zeigte sich besonders in der neuen Halle B8 für Maritime Verteidigung. Die MS&D Conference & Expo – MS&D steht für Maritime Security & Defence – und die Naval Stage brachten internationale Marinen, Rüstungsunternehmen, maritime Zulieferer und Anbieter von Dual-Use-Technologien zusammen, mit Schwerpunkt auf unbemannten Systemen, Sensoren, Cybersicherheit und dem Schutz kritischer maritimer Infrastruktur. Die gestiegene Aufmerksamkeit spiegelt einen breiteren Wandel in Europa wider, wo Regierungen als Reaktion auf die veränderte Sicherheitslage ihre Ausgaben für Marine und maritime Verteidigung erhöhen.
„Dekarbonisierung bleibt wichtig, aber die Sicherheit auf See und der Schutz der Seewege haben derzeit oberste Priorität. Wir müssen Schiffe schnell zu Wasser bringen und Beschaffungsprozesse deutlich verkürzen. Die Industrie ist bereit: Viele der Produkte und Technologien, die wir brauchen, existieren bereits und müssen nicht von Grund auf neu entwickelt werden“, sagt Klaus Deleroi, Geschäftsführer von REINTJES.
Die Resonanz auf die neue Naval Hall fiel entsprechend positiv aus. „Die SMM ist für uns eine wichtige Plattform, um uns persönlich mit Partnern und Zulieferern auszutauschen. Die neue Naval Hall ist eine hervorragende Ergänzung und wurde von den Besuchern sehr gut angenommen“, sagt Oliver Grün, Sprecher der Division Naval Systems der Rheinmetall AG.
Auf der MS&D-Konferenz war eine zentrale Frage, wie Marinen als Reaktion auf die veränderte Sicherheitsumgebung die benötigten Fähigkeiten erwerben können. Hochrangige Marinevertreter mehrerer Länder diskutierten über neue Technologien, Beschaffung und eine engere Zusammenarbeit mit Vertretern aus Industrie und Forschung.
Vizeadmiral Jan Christian Kaack hinterließ bei seinem letzten öffentlichen Auftritt als Inspekteur der Marine einen besonderen Eindruck. Im Mittelpunkt standen eine höhere Einsatzbereitschaft, kürzere Beschaffungsprozesse und der verstärkte Einsatz unbemannter Systeme. Kaack betonte, dass angesichts der aktuellen Sicherheitslage verfügbare und bewährte Lösungen schneller beschafft werden müssen. In der anschließenden Diskussion sprach er sich zudem für eine engere Interaktion zwischen bemannten und unbemannten Systemen aus. Konteradmiral Christian Bock, Leiter des Bundeswehr Innovationszentrums, unterstrich den Handlungsbedarf: „Die SMM und die MS&D sind wichtige Plattformen, um neue Technologien frühzeitig zu erkennen und Innovationen schneller in den operativen Einsatz zu bringen.“
Auch beim Offshore Dialogue war der Schutz kritischer maritimer Infrastruktur ein zentrales Thema. Moderator Dr. Walter L. Kuehnlein hob insbesondere die offene und lebhaft geführte Diskussion mit dem Publikum über technologische und operative Lösungen hervor.
Effizienz wird zum Geschäftsfall
Während Sicherheit und Resilienz auf der Agenda an Gewicht gewinnen, bleiben Dekarbonisierung und Energieeffizienz zentrale Herausforderungen für die Branche. Die Schifffahrt verursacht rund drei Prozent der globalen Treibhausgasemissionen, und die Internationale Seeschifffahrtsorganisation (IMO) hat sich das Ziel gesetzt, die Nettotreibhausgasemissionen der internationalen Schifffahrt bis oder um 2050 auf null zu reduzieren. Vor dem Hintergrund unsicherer regulatorischer Bedingungen und anhaltender Unklarheit über die Brennstoffe der Zukunft richtet sich die Aufmerksamkeit zunehmend auf Technologien, die heute eingesetzt werden können, um Treibstoffverbrauch und Emissionen zu senken. Im neuen Energy Efficiency Hub präsentierten 24 Unternehmen auf 300 Quadratmetern Lösungen – von Windantrieb und alternativen Antriebstechnologien bis hin zu Maßnahmen zur Optimierung bestehender Flotten.
„Der Energy Efficiency Hub ist eine wertvolle Bereicherung der SMM. Uns ist besonders aufgefallen, wie konkret die Gespräche geworden sind: Reedereien suchen aktiv nach Lösungen zur Verbesserung der Flotteneffizienz und erkunden zunehmend Technologien wie Windantrieb, die heute bereits eingesetzt werden können“, sagt Ada Ak, Sales Engineer bei BAR Technologies.
Der Global Maritime Environmental Congress (gmec) auf der Energy Efficiency Stage zeigte, dass Dekarbonisierung weiterhin ein großes Anliegen der Branche ist. Vor ausverkauftem Publikum diskutierten Branchenvertreter über den Weg zur klimaneutralen Schifffahrt. Im Mittelpunkt standen die Zusammenarbeit entlang der maritimen Wertschöpfungskette und Green Shipping Corridors als potenzielles Modell, um die Dekarbonisierung des gesamten maritimen Sektors voranzutreiben.
KI erreicht die Praxisanwendung
Bei Digitalisierung und künstlicher Intelligenz lag der Fokus auf der Umsetzung. Statt über theoretisches Potenzial zu sprechen, kreisten die Gespräche auf der SMM zunehmend um konkrete Anwendungen – von Flottenoptimierung und vorausschauender Wartung bis hin zu autonomen Systemen und KI-gestützter Lagebewusstsein.
„Auf der SMM 2026 sehen wir deutlich, dass die Gespräche konkreter werden: Kunden fragen weniger nach dem Potenzial von KI, sondern mehr nach einsatzbereiten Lösungen zur Kollisionsvermeidung an Bord. Die Qualität der Diskussionen war in diesem Jahr spürbar höher“, sagt Patrick Haebig, Senior Sales Manager EMEA North bei SEA.AI.
Anschütz meldete eine wachsende Nachfrage nach KI-gestützten Anwendungen. Die Gespräche drehten sich unter anderem darum, Daten aus verschiedenen Quellen zusammenzuführen, um Navigation und Entscheidungsfindung an Bord zu unterstützen.
Der Maritime Future Summit griff diese Entwicklung auf. Diskutiert wurde, wo KI in operativen Abläufen Mehrwert schaffen kann und wo ihre Grenzen liegen – etwa bei sicherheitskritischen Anwendungen, Zertifizierung, Haftung und der Nachvollziehbarkeit KI-gestützter Entscheidungen. „Das Zusammenspiel von künstlicher und menschlicher Intelligenz ist einer der Schlüsselfaktoren für den Fortschritt der Branche. Es geht nicht darum, KI überall an Bord oder in jeden Prozess zu integrieren, sondern die ‚Sweet Spots‘ zu finden“, sagt Michael Meyer, Moderator des Maritime Future Summit.
Neben technologischen und sicherheitsrelevanten Themen blieb die Gewinnung des maritimen Nachwuchses ein wichtiger Schwerpunkt. Während des zweitägigen Maritime Career Market standen Unternehmen, Hochschulen und Verbände im Austausch mit Studierenden, jungen Fachkräften und Maritim-Spezialisten.
Internationales Geschäft entsteht von Angesicht zu Angesicht
Die internationale Reichweite der SMM zeigte sich auch 2026: 26 nationale Pavillons und Delegationen aus rund 30 Ländern unterstrichen die globale Dimension der Veranstaltung. Erstmals waren Indien, Zypern und Brasilien mit eigenen nationalen Pavillons vertreten. Aussteller aus vielen Ländern berichteten von hochwertigen Gesprächen, neuen Kontakten und Geschäftschancen.
Indiens starke Präsenz war in diesem Jahr besonders sichtbar. Laut der Indian Ports Association nutzten Häfen, Werften und maritime Unternehmen die SMM zum Ideenaustausch, um neue Geschäftskontakte zu knüpfen und langfristige Partnerschaften aufzubauen.
Auch dänische Aussteller zogen ein positives Fazit: „Die SMM ist ein einzigartiger Treffpunkt für die Schifffahrtsbranche. Unsere Aussteller führten zahlreiche Gespräche mit internationalen Geschäftspartnern, die zu neuen Kooperationen führen werden. 2028 werden wir mit einer starken dänischen Präsenz zurückkehren“, sagt Mie Jakobsen, Deputy CEO und Head of Marine der Danish Export Association, die den Pavilion of Denmark organisiert.
Junichi Hirata, Managing Director bei CAJS in Japan, brachte es prägnant auf den Punkt: „Die SMM sind die Olympischen Spiele der Schifffahrt!“
Die Stimmung in der Branche war über die vier Tage außergewöhnlich positiv. Aussteller berichteten von hochwertigen Gesprächen, einer starken Präsenz von Entscheidungsträgern und anhaltender Investitionsbereitschaft trotz fortbestehender Unsicherheit.
„Die SMM 2026 war eine ausgezeichnete Woche für Alfa Laval, mit einem hohen Engagement und substanziellen Gesprächen in der gesamten Branche. Besonders hervorstechend war der starke Fokus darauf, Ambitionen in Taten umzusetzen – ob durch Energieeffizienz, alternative Brennstoffe, Digitalisierung oder neue innovative Technologien. Es gibt nach wie vor Unsicherheit im Markt, aber wir sehen auch eine echte Bereitschaft zu investieren, wo Lösungen greifbaren operativen und ökologischen Mehrwert liefern. Wir verlassen Hamburg ermutigt von dem Schwung, gemeinsam entlang der maritimen Wertschöpfungskette die Ozeaninnovation zu beschleunigen“, sagt Helena Sannicolò, Vice President Marketing & Communications, Ocean Division bei Alfa Laval.
Am Kurs festhalten – und das Tempo erhöhen
„Nach vier Tagen SMM ist mir eines besonders deutlich geworden: Diese Branche steht nicht still. Die Unternehmen investieren, suchen Partner und wollen verfügbare Technologien schneller einsetzen. Gerade angesichts geopolitischer und regulatorischer Unsicherheit ist diese Entschlossenheit zum Handeln entscheidend. Die SMM bringt die Akteure zusammen, die Lösungen gemeinsam voranbringen können“, folgert Selbach.
Maritime Sicherheit und Verteidigung bleiben 2027 fest auf der Hamburger Agenda: Die nächste MS&D Conference & Expo findet am 8. und 9. Dezember 2027 statt, gemeinsam mit dem Global Security and Defence Summit (GSIS) im CCH – Congress Center Hamburg.
Die SMM 2026 in Zahlen: Erstmals mehr als 50.000 Teilnehmer
Mit mehr als 50.000 Teilnehmern verzeichnete die SMM 2026 einen Besucherrekord. Menschen aus 134 Nationen kamen an den vier Veranstaltungstagen nach Hamburg. Rund 2.300 ausstellende Unternehmen aus 66 Ländern präsentierten ihre Lösungen auf mehr als 90.000 Quadratmetern in zwölf Messehallen. Mehr als 70 Prozent der Aussteller kamen aus dem Ausland.
Die kommunizierten Zahlen beruhen auf einer Hochrechnung vom letzten Veranstaltungstag zum Zeitpunkt 12 Uhr mittags und sind vorläufig. Aufgrund einer Änderung der Methodik der Befragung qualifizierter Besucher liegen zum Zeitpunkt der Veröffentlichung noch keine endgültigen Zahlen zur Gesamtzufriedenheit vor.
Die nächste SMM findet vom 5. bis 8. September 2028 in Hamburg statt.
Quelle: SMM