NachrichtenMakroTim Whitmarshs „Roms Zeitalter der Revolution“ verknüpft Augustus mit dem Aufstieg des Christentums

Tim Whitmarshs „Roms Zeitalter der Revolution“ verknüpft Augustus mit dem Aufstieg des Christentums

Autor: Marginal Revolution·

Wichtige Erkenntnisse

  • Tim Whitmarsh argumentiert, dass das Christentum ohne die politischen Umwälzungen unter Kaiser Augustus nicht in seiner bekannten Form hätte entstehen können.
  • Augustus' Reformen gestalteten Verwaltung, Handel und kulturelles Leben im Mittelmeerraum neu und schufen Bedingungen, die eine abtrünnige jüdische Sekte zur Verbreitung ihrer Botschaft nutzte.
  • Whitmarsh stellt den anhaltenden Mythos infrage, frühe Christen seien von den römischen Behörden unaufhörlich verfolgt worden, und führt diese Erzählung auf die Antike sowie ihre Verstärkung in der westlichen Kultur seit dem 19. Jahrhundert zurück.
  • Das Buch betont, dass die meisten frühen Christen in die römische Gesellschaft integriert waren und nicht stärker schikaniert wurden als andere Bewohner des Reiches.
  • Der Rezensent bezeichnet das Werk als das wichtigste Buch zur Geschichte des Christentums seit Langem und hebt seine Relevanz über Fachkreise für Christentum oder antikes Rom hinaus hervor.
Tim Whitmarshs „Roms Zeitalter der Revolution“ verknüpft Augustus mit dem Aufstieg des Christentums

In Rome's Age of Revolution legt der Autor Tim Whitmarsh — der A.G. Leventis Professor für griechische Kultur an der University of Cambridge — eine umfassende Analyse vor, wie die politischen Umwälzungen unter Kaiser Augustus das Entstehen des Christentums prägten. Das Buch mit dem Untertitel Augustus, Empire and the Making of Christianity wird vom Rezensenten als das wichtigste Werk zur Geschichte des Christentums beschrieben, das er seit langer Zeit gelesen habe, und zugleich als bedeutender Beitrag zur römischen Geschichte — dabei sei es zudem unterhaltsam und äußerst gut lesbar.

Im Zentrum von Whitmarshs Argument steht die These, dass das Christentum in keiner annähernd bekannten Form entstanden wäre, ohne die revolutionäre Wirkung von Augustus' politischen Reformen. Augustus, der von 27 v. Chr. bis 14 n. Chr. herrschte, verwandelte die Römische Republik in ein autokratisches Imperium und gestaltete Verwaltung, Handelsnetzwerke und kulturelles Leben im gesamten Mittelmeerraum neu. Der Autor beschreibt diese Reformen als einen seismischen Wandel, der das Denken im Mittelmeerraum grundlegend veränderte und die Voraussetzungen dafür schuf, dass eine abtrünnige jüdische Sekte — angeführt von dem, was er als „brilliant entrepreneurs“ bezeichnet — die Möglichkeiten der neuen politischen Ordnung erkannte und nutzte, um ihre Vorstellungen rasch an neue Zielgruppen anzupassen.

Whitmarsh stellt zudem eine tief verwurzelte Erzählung über das frühe Römische Reich infrage. Er argumentiert, dass eine der verbreitetsten Fehlannahmen die Vorstellung sei, die Epoche sei durch die unerbittliche und zwangsläufige Unterdrückung tugendhafter Christen durch eine brutale Staatsmaschine geprägt gewesen. Diese Legende, so führt er aus, habe ihre Wurzeln bereits in der Antike und sei seit dem 19. Jahrhundert systematisch in die westliche Populärkultur eingespeist worden. Sie halte sich bis heute, schreibt er, weil sie „both emotionally seductive and ideologically powerful“ sei.

Die Wirklichkeit sei nach Whitmarsh unspektakulärer: Die meisten Christen seien vollständig in die römische Gesellschaft integriert gewesen und nicht mehr oder weniger schikaniert worden als andere. Er schreibt:

The story I have told so far has emphasised the fit between Christianity and the Greek world of the early Roman Empire; I have given relatively little space to conflict. That has been quite deliberate.

Anstatt den Schwerpunkt auf Verfolgung zu legen, betont das Buch die Vereinbarkeit des frühen Christentums mit dem griechisch geprägten kulturellen Umfeld des frühen Römischen Reiches und legt nahe, dass Integration — nicht Konflikt — das prägende Merkmal dieser Beziehung war. Diese Perspektive ordnet das Buch in eine breitere wissenschaftliche Neubewertung der frühen Christentumsgeschichte ein, die zunehmend untersucht, wie sich die Bewegung innerhalb bestehender imperialer Strukturen ausbreitete und nicht in Opposition zu ihnen.

Das Buch ist über Amazon erhältlich. Der Rezensent spricht eine klare Empfehlung aus und weist darauf hin, dass die Bedeutung des Buches weit über Leser hinausgeht, die sich speziell für das Christentum oder das antike Rom interessieren.