Polen fordert EU auf, Meta wegen Betrugsanzeigen auf Facebook und Instagram mit 250 Millionen Euro zu bestrafen
Wichtige Erkenntnisse
- •Polens stellvertretender Ministerpräsident Krzysztof Gawkowski hat die Europäische Kommission formell aufgefordert, Meta wegen mutmaßlich unzureichender Entfernung von Betrugsinhalten und Scam-Anzeigen auf Facebook und Instagram mit 250 Millionen Euro (291 Millionen US-Dollar) zu bestrafen.
- •Eine CERT-Polska-Studie aus dem Jahr 2026 ergab, dass Meta nur 16 von 122 gemeldeten betrügerischen Anzeigen entfernte und damit 86,8% der bekannten Scam-Inhalte online ließ.
- •Die Beschwerde vom 26. August 2026 wirft Verstöße gegen sechs Artikel des Digital Services Act vor, darunter Pflichten zur Risikobewertung und zur Meldung von Inhalten.
- •Ein Warschauer Berufungsgericht entschied Anfang 2026, dass Meta als aktiver Teilnehmer seines Werbeökosystems und nicht als passiver Vermittler gilt, was den Haftungsschutz in Polen einschränkt.
- •Meta erklärte, zwischen Juli 2025 und Juni 2026 etwa 137.000 Scam-Anzeigen mit Ursprung in Polen proaktiv entfernt zu haben; polnische Behörden begegneten dieser Darstellung angesichts der gemeldeten Anzeigen mit Skepsis.

Polens stellvertretender Ministerpräsident Krzysztof Gawkowski, der auch als Minister für digitale Angelegenheiten des Landes fungiert, hat die Europäische Kommission formell aufgefordert, Meta Platforms mit einer Geldbuße von 250 Millionen Euro (291 Millionen US-Dollar) zu belegen. Der Vorwurf lautet, das Unternehmen habe es versäumt, betrügerische Inhalte und Scam-Anzeigen auf Facebook und Instagram ausreichend zu überwachen.
Der Antrag, der in einem Schreiben vom 26. August 2026 formuliert wurde, behauptet, Meta habe gegen mehrere Bestimmungen des Digital Services Act (DSA) verstoßen, und fordert eine vollständige Untersuchung der Content-Moderationspraktiken des Unternehmens.
CERT-Polska-Ergebnisse im Zentrum der Beschwerde
Im Mittelpunkt der Beschwerde steht eine Studie von CERT Polska aus dem Jahr 2026, der nationalen Cybersecurity-Einsatzgruppe des Landes. Die Studie prüfte 122 betrügerische Anzeigen, die an Meta gemeldet worden waren; das Unternehmen entfernte nur 16 davon, sodass 86,8% des bekannten Scam-Inhalts auf seinen Plattformen online blieben.
Jahre des wachsenden Drucks
Gawkowskis Schreiben richtet sich gegen angebliche Verstöße gegen sechs Artikel des DSA, des umfassenden EU-Gesetzes zur Inhaltsmoderation, das 2024 vollständig in Kraft trat. Die fraglichen Bestimmungen betreffen Pflichten zur Risikobewertung und Anforderungen an die Meldung von Inhalten.
Der stellvertretende Ministerpräsident bezeichnete das Werbeumfeld auf Metas Plattformen als „Wild West“.
Polens Frustration über das Unternehmen entstand nicht über Nacht. Das Land erhöht seit Jahren den Druck auf Meta, auch wegen eines viel beachteten Rechtsstreits mit dem polnischen Milliardär Rafał Brzoska, Gründer des Paketfach-Anbieters InPost. Seit 2024 führt Brzoska Verfahren gegen Meta wegen gefälschter Anzeigen, die sein Konterfei missbrauchten, um Scam-Kampagnen zu bewerben.
Ein entscheidender Moment kam Anfang 2026, als ein Warschauer Berufungsgericht entschied, dass Meta als aktiver Teilnehmer in seinem Werbeökosystem und nicht als passiver Vermittler agiert. Dieser Unterschied ist nach EU-Recht von großer Bedeutung: Plattformen, die lediglich Inhalte Dritter hosten, genießen umfassenden Haftungsschutz, aktive Teilnehmer hingegen nicht. Das Urteil schränkte Metas rechtlichen Schutz in Polen damit erheblich ein.
Metas Verteidigung trifft auf Skepsis
Meta weist die Darstellung zurück, es ignoriere Betrug auf seinen Plattformen. Das Unternehmen teilte mit, zwischen Juli 2025 und Juni 2026 proaktiv rund 137.000 Scam-Anzeigen mit Ursprung in Polen entfernt zu haben.
Polnische Behörden verweisen jedoch auf die CERT-Polska-Ergebnisse, wonach fast neun von zehn ausdrücklich gemeldeten Anzeigen online blieben.
Der Antrag zielt auf das, was Gawkowski als systemisches Versagen und nicht als Einzelfälle beschreibt. Nach dem DSA müssen sehr große Online-Plattformen, definiert als solche mit mehr als 45 Millionen monatlich aktiven Nutzern in der EU, regelmäßige Risikobewertungen ihrer Dienste durchführen und wirksame Maßnahmen zur Minderung identifizierter Risiken ergreifen.
Was das für Meta und die Big-Tech-Regulierung in Europa bedeutet
Die Summe von 250 Millionen Euro wäre zwar beträchtlich, entspräche jedoch nur einem Bruchteil von Metas Jahresumsatz. Nach dem DSA kann die Europäische Kommission bei Verstößen Geldbußen von bis zu 6% des weltweiten Jahresumsatzes eines Unternehmens verhängen. Für Meta, dessen Mutterkonzern in den vergangenen Geschäftsjahren mehr als 160 Milliarden US-Dollar Umsatz meldete, läge die theoretische Höchststrafe deutlich höher.
Polen fordert die Kommission damit faktisch auf, die Feststellungen eines Mitgliedstaats zu bestätigen und ein formelles DSA-Durchsetzungsverfahren gegen das weltweit größte soziale Netzwerk einzuleiten. Die Einstufung Metas als aktiver Werbetreibender durch das Warschauer Gericht verleiht der Angelegenheit eine zusätzliche rechtliche Komplexität, die weit über Polens Grenzen hinausreicht und die Art und Weise beeinflussen könnte, wie Plattformen Werbung in der gesamten EU monetarisieren.