Vertrauen als entscheidender Faktor für die Digitalisierung der philippinischen Zollabwicklung
Wichtige Erkenntnisse
- •Das Bureau of Customs plant, seine bestehenden digitalen Plattformen im vorgeschlagenen Customs Processing System zusammenzuführen – einer einzigen Plattform für die elektronische Einreichung von Anmeldungen, Zollbescheiden, Zahlungen und automatisierte Frachtfreigabe.
- •Zollkommissar Ariel F. Nepomuceno hat erklärt, dass ein vollständig digitalisiertes System – kein nur teilweise automatisiertes – erforderlich ist, um die Handelsabwicklung zu stärken, die Staatseinnahmen zu verbessern, Schmuggel zu bekämpfen und die Transparenz zu erhöhen.
- •Stand August befindet sich das CPS noch in der Beschaffungs- und Entwicklungsvorbereitungsphase und wird im Rahmen einer Öffentlich-Privaten-nerschaft verfolgt, die Privatsektor-Expertise nutzen und den staatlichen Mitteleinsatz begrenzen soll.
- •Zu den Umsetzungsherausforderungen zählen schlechte Datenqualität, die bestehende Fehler digitalisieren könnte, Cybersicherheitsrisiken, Infrastrukturbeschränkungen sowie der Widerstand von Interessengruppen gegen die Reduzierung menschlicher Beurteilung bei komplexen Zollfragen wie Tarifeinreihung und Warenbewertung.
- •Fortschrittliche digitale Zollsysteme laufen bereits in Ländern wie Singapur, Südkorea, Malaysia, Thailand und Indonesien, weshalb die vollständige Digitalisierung für die Philippinen unerlässlich ist, um mit den Anforderungen des Welthandels Schritt zu halten.

Vertrauen ist der entscheidende Faktor für den Erfolg jedes Regierungsprogramms, da es Organisationen und Interessengruppen ermöglicht, ihre Anstrengungen zu bündeln, Partnerschaften zu stärken und Visionen in aussagekräftige und nachhaltige Ergebnisse umzusetzen. Selbst die durchdachtesten Reformen können ihre Ziele verfehlen, wenn es an dem Vertrauen und der Unterstützung wichtiger Interessengruppen mangelt – eine Realität, die sich in der philippinischen Zollverwaltung besonders deutlich zeigt, wo der Erfolg von Reforminitiativen in hohem Maße von der aktiven Mitwirkung und Unterstützung des privaten Sektors und anderer zentraler Akteure abhängt.
Das Bureau of Customs (BoC), die Behörde, die Zölle und Steuern auf eingeführte Waren erhebt und den Warenverkehr über Häfen und Grenzen reguliert, hat nun eine ihrer anspruchsvollsten Reforminitiativen begonnen: den Übergang zu einer vollständig digitalisierten Zollumgebung durch das vorgeschlagene Customs Processing System (CPS), das als zentrale Strategie der Modernisierungsagenda des BoC eingeführt wurde. Nach Angaben von Zollkommissar Ariel F. Nepomuceno wird ein vollständig digitalisiertes System – kein nur teilweise automatisiertes – die Handelsabwicklung stärken, die Staatseinnahmen verbessern, Schmuggel bekämpfen und die Transparenz in der gesamten Zollarbeit erhöhen.
Die Tragweite reicht weit über die Zollbürokratie selbst hinaus: Jede Sendung, die das Land erreicht oder verlässt, erfordert Zollanmeldungen, Genehmigungen, Zollzahlungen und die Freigabe der Fracht, bevor die Waren bewegt werden können. Effizienz und Integrität der Grenzabwicklung bestimmen somit direkt Kosten, Tempo und Vorhersehbarkeit des Handels für Importeure, Exporteure und die regulierenden Behörden.
In einem am 18. Oktober von BusinessWorld veröffentlichten Kommentar schreibt Stephanie Vicente Nava, Tax Principal bei SGV & Co., dass die Initiative dem BoC eine strategische Chance biete, dasuen der Interessengruppen aufzubauen, indem ein transparentes, vorhersehbares und weniger korruptionsanfälliges Zollsystem geschaffen werde. Durch die Reduzierung persönlicher Kontakte und den Ersatz manueller Prozesse durch automatisierte Workflows und elektronische Prüftrails könne Digitalisierung Integrität, Rechenschaftspflicht und öffentliches Vertrauen in die Zollarbeit fördern.
Der nächste Test der Zollmodernisierung liegt jedoch darin, ob Unternehmen, Behörden und andere Interessengruppen den verwendeten Daten, den Systemen, die ihre Transaktionen verarbeiten, und den Entscheidungen in einer zunehmend automatisierten Zollumgebung vertrauen können.
Von der Digitalisierung zur vertrauenswürdigen Umsetzung
Das BoC betreibt bereits mehrere digitale Plattformen und Datenbanken, darunter das Electronic Payment Portal, das Electronic Certificate of Payment, den Online Tax Estimator, das Enhanced e-Travel System, das Customs Auction Monitoring System sowie Erweiterungen des National Single Window. Dennoch erfordern manche Transaktionen weiterhin Papierdokumente und separate Kontakte mit anderen Behörden und Ämtern.
Auf diesen bestehenden Initiativen aufbauend soll das CPS die derzeitige Vielzahl von Systemen in einer einzigen digitalen Plattform zusammenführen. Importeure, Exporteure und Zollagenten könnten Anmeldungen und Begleitdokumente elektronisch einreichen, Zoll- und Steuerbescheide erhalten, Zahlungen leisten und von einer automatisierten Frachtfreigabe profitieren – ergänzt um integrierte Funktionen für Risikomanagement und Compliance-Überwachung.
Für Importeure würde ein durchgängig digitales Zollsystem schnellere Zollabfertigung, geringere Verwaltungslasten, mehr Vorhersehbarkeit und ein reibungsloseres Handelserlebnis bedeuten – Unternehmen könnten sich auf das Wachstum ihrer Geschäftstätigkeit konzentrieren statt auf das Management von Zollrisiken. Für den Staat stärkt Digitalisierung die Compliance durch bessere Transaktionssichtbarkeit, verbessert die Einnahmesicherung durch datengestütztes Monitoring und ermöglicht es Zollbeamten, sich auf Hochrisikosendungen, ausgeklügelte Schmuggelmethoden und nicht konforme Akteure zu konzentrieren.
Internationale Maßstäbe
Mehrere Zollverwaltungen weltweit setzen bereits digitale Zollsysteme ein. Singapurs TradeNet gilt weithin als eine der erfolgreichsten National-Single-Window-Plattformen und ermöglicht die elektronische Einreichung von Einfuhr-, Ausfuhr- und Umladeanmeldungen über ein einziges Gateway. Es integriert mehrere Behörden, unterstützt elektronische Genehmigungen, Zulassungen und Zahlungen und ermöglicht eine effiziente Frachtabfertigung mit minimalem Papierbedarf.
Südkoreas UNI-PASS gilt als eines der fortschrittlichsten Zollsysteme der Welt, während Malaysia, Thailand und Indonesien bereits über moderne Zollplattformen verfügen. Andere große Volkswirtschaften wie die USA, Japan und China haben hochdigitalisierte Systeme und bauen diese kontinuierlich aus. Vor diesem Hintergrund erscheint die vollständige Digitalisierung des BoC nicht optional, sondern unerlässlich, damit die Philippinen mit den Anforderungen einer zunehmend vernetzten weltweiten Handelsumgebung Schritt halten.
Stand August befindet sich das CPS noch in der Beschaffungs- und Entwicklungsvorbereitungsphase und wurde noch nicht vollständig umgesetzt. Das Projekt wird im Rahmen einer Öffentlich-Privaten-Partnerschaft (PPP) verfolgt – einer Konstellation, bei der der Staat mit privaten Unternehmen zur Finanzierung, zum Bau und zum Betrieb öffentlicher Projekte zusammenarbeitet – und nutzt Privatsektor-Expertise und -Investitionen, um den erheblichen staatlichen Mitteleinsatz zu minimieren. Solange das System noch nicht umgesetzt ist, sind die kurzfristigen Indikatoren der Fortschritt des Beschaffungsprozesses selbst und wie die Bedenken hinsichtlich Datenqualität, Cybersicherheit und Infrastrukturbereitschaft vor einem Rollout addressiert werden.
Vertrauen in Daten und Systeme aufbauen
Trotz dieser erwarteten Vorteile steht das CPS vor erheblichen Umsetzungsherausforderungen. Schlechte Datenqualität könnte zur Digitalisierung bestehender Fehler führen, etwa falscher Importeurdaten oder fehlerhafter Tarifeinreihungen. Während Automatisierung die Effizienz verbessern kann, kann sie ungenaue oder unvollständige Informationen nicht von sich aus korrigieren; daher kommen Staat und Privatsektor gleichermaßen die Aufgabe zu, sicherzustellen, dass die in eine integrierte Zollumgebung einfließenden Informationen zuverlässig und konsistent sind.
Cybersicherheit ist ebenfalls ein wesentliches Thema für Interessengruppen, die sich über Datenlecks, unbefugten Zugriff, Cyberangriffe und die mögliche Manipulation von Einfuhranmeldungen und anderen sensiblen Handelsdaten Sorgen machen. Das Vertrauen in das CPS wird unter anderem davon abhängen, ob die Interessengruppen darauf vertrauen, dass ihre Informationen ausreichend geschützt sind und Transaktionen sicher und zuverlässig verarbeitet werden können.
Infrastrukturelle Beschränkungen könnten die Umsetzung zusätzlich erschweren. Begrenzte Netz- und Serverkapazitäten, veraltete Hardware, Zuverlässigkeitsprobleme der Systeme und eingeschränkte Internetverbindungen können Herausforderungen darstellen, insbesondere in Ämtern und Regionen mit weniger entwickelter technologischer Infrastruktur. Unterschiede im Digitalisierungsgrad und in den technologischen Fähigkeiten der Partnerbehörden und anderer Interessengruppen könnten zudem die vollständige Verwirklichung einer papierlosen, integrierten Zollumgebung behindern.
Eine weitere erhebliche Herausforderung liegt möglicherweise nicht in der Technologie selbst, sondern im Widerstand der Interessengruppen gegen die Reduzierung oder Beseitigung menschlicher Eingriffe in Zollprozesse. Ein häufiges Bedenken ist, dass Bereiche wie Tarifeinreihung, Zollwertbemessung, Ursprungsregeln, Ausnahmen, besondere Zollregime und andere Sonderfälle häufig die Auslegung komplexer Gesetze, Vorschriften, vertraglicher Regelungen und wirtschaftlicher Realitäten erfordern, die weiterhin fachliches Urteilsvermögen und Expertise verlangen Andere Interessengruppen sind schlicht an langjährig etablierte Abläufe gewöhnt und sehen den Übergang als kostspielig und störend an.
Die Herausforderung, so der Kommentar, besteht darin, die Effizienzvorteile der Automatisierung mit dem fachlichen Urteilsvermögen in Einklang zu bringen, das komplexe Zollfragen erfordern. Das Vertrauen in das CPS hängt zudem davon ab, dass urteilsintensive Entscheidungen transparent, konsistent und angemessen fachlich gestützt bleiben.
Vertrauen als Motor für die Beteiligung der Interessengruppen
Der Erfolg der philippinischen Initiative zur Zolldigitalisierung wird von einer umfassenderen kulturellen Transformation sowohl in staatlichen Institutionen als auch in der Handelscommunity abhängen und erfordert einen grundlegenden Mentalitätswandel bei Behörden, Privatsektor und der gesamten Handelscommunity. Die Regierung muss eng mit den Interessengruppen zusammenarbeiten, um ein gemeinsames Verständnis dafür zu schaffen, dass Digitalisierung nicht bloß ein technologisches Upgrade ist, sondern ein strategischer Wegbereiter für Handelswettbewerbsfähigkeit, Geschäftseffizienz, Transparenz und institutionelle Integrität – mit langfristigen Vorteilen für den öffentlichen und den privaten Sektor. Strategien, Vorschriften und Technologien liefern zwar den Rahmen für den Wandel, doch das Vertrauen ist es, was die Interessengruppen zur Annahme motiviert.
Die Reforminitiative ist ehrgeizig und komplex zugleich, und ihre vollständige Umsetzung wird zweifellos Zeit benötigen. Dass die Zollführung diesen digitalen Weg jedoch eingeschlagen und die Initiative zur strategischen Priorität gemacht hat, zeugt von einem echten Bekenntnis zu einer sinnvollen und nachhaltigen Reform.
Nachdem das Fundament für den Wandel gelegt ist, liegt die Verantwortung nun beim privaten Sektor, die Vision anzunehmen, für neue Arbeitsweisen offen zu bleiben und aktiv mit der Regierung zusammenzuarbeiten. Durch anhaltende Kooperation und gemeinsames Engagement können die Interessengruppen dazu beitragen, dass diese wichtige Initiative Fahrt aufnimmt, ihre Ziele erreicht und dem Land dauerhafte Vorteile bringt.
Der Kommentar dient ausschließlich allgemeinen Informationszwecken und ersetzt keine professionelle Beratung, wo Sachverhalt und Umstände dies erfordern. Die geäußerten Ansichten und Meinungen sind die des Autors und geben nicht notwendigerweise die Ansichten von SGV & Co. wieder. Stephanie Vicente Nava ist Tax Principal bei SGV & Co.
Quelle: BusinessWorld — Building trust: The customs digitalization initiative