NachrichtenAktienOracle-Aktien stürzen um über 50 % vom Höchststand ab – KI-Ausgaben und Kredit-Downgrade belasten das Anlegervertrauen

Oracle-Aktien stürzen um über 50 % vom Höchststand ab – KI-Ausgaben und Kredit-Downgrade belasten das Anlegervertrauen

Autor: Blockonomi·

Wichtige Erkenntnisse

  • Die Oracle-Aktie fiel auf 119,89 Dollar, was einem Rückgang von mehr als 50 % gegenüber dem 52-Wochen-Hoch von 345,72 Dollar entspricht.
  • S&P Global Ratings stufte Oracles Kreditrating auf BBB- herab, womit sich das Unternehmen nur noch eine Stufe über dem spekulativen Status befindet.
  • Oracles Kapitalausgaben schnellten im Geschäftsjahr 2026 auf 21 Milliarden Dollar in die Höhe – eine Verdreifachung gegenüber rund 7 Milliarden Dollar im Vorjahr. Die Unternehmensführung prognostiziert Ausgaben von über 25 Milliarden Dollar im Geschäftsjahr 2027.
  • Oracles verbleibende Leistungspflichten erreichten am 31. Mai 2026 ein historisches Hoch von 638 Milliarden Dollar und stellen verpflichtete, aber noch nicht realisierte Umsätze dar.
  • CLSA-Analysten schätzen, dass Oracle bis zu 500 Milliarden Dollar an kumuliertem Kapital benötigen könnte, um seine für 2030 gesteckten Ziele zu erreichen.
Oracle-Aktien stürzen um über 50 % vom Höchststand ab – KI-Ausgaben und Kredit-Downgrade belasten das Anlegervertrauen

Die Aktien der Oracle Corporation (ORCL) stürzten am Donnerstag auf 119,89 Dollar – ihren tiefsten Stand seit mehr als zwölf Monaten und ein Rückgang von mehr als 50 % gegenüber dem 52-Wochen-Hoch von 345,72 Dollar. Die Aktie schloss nach einem Rückgang von 4,35 % in der Sitzung nahe 120,24 Dollar. Derart niedrige Handelsniveaus wurden zuletzt im April 2025 verzeichnet.

Der steile Kursverfall hat in den vergangenen zehn Monaten rund 213 Milliarden Dollar vom Vermögen des Mitbegründers Larry Ellison ausgelöscht.

Kapitalausgaben-Explosion im Mittelpunkt des Verkaufsdrucks

Der Verkaufsdruck wird durch Bedenken hinsichtlich Oracles aggressiven Kapitaleinsatzes für KI-fokussierte Rechenzentrumsinfrastruktur angetrieben. Marktteilnehmer stellen infrage, ob die Renditen schnell genug realisiert werden, um die Ausgaben zu rechtfertigen. Oracle ist nicht der einzige Konzern, der Investitionen in KI-Infrastruktur hochfährt – Microsoft, Alphabet, Amazon und Meta haben in den vergangenen zwei Jahren ebenfalls ihre Kapitalausgaben deutlich erhöht –, doch Oracles proportionaler Anstieg von einer niedrigeren Basis hat aufgrund der im Vergleich zu diesen Megacap-Konzernen kleineren Bilanz besondere Aufmerksamkeit auf sich gezogen.

Die Kapitalausgaben schnellten im Geschäftsjahr 2026 auf 21 Milliarden Dollar in die Höhe, ein starker Anstieg gegenüber rund 7 Milliarden Dollar im Vorjahr. Die Unternehmensführung hat prognostiziert, dass die Kapitalausgaben im gesamten Geschäftsjahr 2027 voraussichtlich 25 Milliarden Dollar übersteigen werden.

S&P-Downgrade erhöht den Druck

S&P Global Ratings stufte Oracles Kreditrating auf BBB- herab, wodurch sich das Unternehmen nur noch eine Stufe über dem spekulativen Status – dem sogenannten Junk-Bond-Bereich – befindet. Die BBB--Schwelle ist von Bedeutung: Eine weitere Herabstufung würde Oracles Verschuldung unter das Investment-Grade-Niveau drücken und potenziell den Zugang zu institutionellen Anleihenfonds einschränken sowie die Kreditkosten über die gesamte Kapitalstruktur hinweg erhöhen. Die Herabstufung verschärft die Finanzierungsbelastungen zusätzlich zu einer ohnehin bereits kapitalintensiven Expansionsstrategie.

Das Forschungsunternehmen CLSA nahm die Bewertung mit einem neutralen Hold-Rating und einem Kursziel von 145 Dollar auf und verwies auf Vorbehalte hinsichtlich Oracles schuldenfinanziertem Vorstoß in KI-Cloud-Dienste. CLSA-Analysten prognostizieren, dass Oracle bis zu 500 Milliarden Dollar an kumuliertem Kapital benötigen könnte, um seine für 2030 gesteckten Ziele zu erreichen.

Darüber hinaus droht Oracle möglicherweise die Verpflichtung, über 7 Milliarden Dollar als Sicherheit für ein Rechenzentrum-Projekt in Wisconsin zu stellen. Die Regulierungsbehörde für Versorgungsunternehmen des Bundesstaats hat strenge Kreditstandards beibehalten, die Verbraucher vor steigenden Stromkosten schützen sollen.

Auftragsbestand auf Rekordhoch

Trotz der zunehmenden Gegenwinde bleiben Oracles zugrunde liegende Geschäftskennzahlen stark. Die verbleibenden Leistungspflichten des Unternehmens – im Wesentlichen seine vertraglich gebundene Umsatzpipeline – erreichten am 31. Mai 2026, dem Ende des Geschäftsjahres 2026, ein historisches Hoch von 638 Milliarden Dollar. Diese Zahl stellt verpflichtete, aber noch nicht realisierte Umsätze dar und gibt Anlegern mehrjährige Sichtbarkeit auf das Umsatzwachstum, sofern Oracle seinen Infrastrukturausbau erfolgreich umsetzen kann.

Die Kundennachfrage nach Oracle Cloud Infrastructure bleibt weiterhin robust. Das Unternehmen schließt weiterhin umfangreiche Verträge ab und erweitert seinen Infrastruktur-Fußabdruck.

Oracle hat auf kooperative Partnerschaften statt auf direkten Wettbewerb mit AWS, Azure und Google Cloud gesetzt. Diese Strategie erweitert seinen insgesamt adressierbaren Markt und vermeidet zugleich aggressiven Kopf-an-Kopf-Wettbewerb mit den dominierenden Hyperscalern.

Analystenstimmung gespalten

Guggenheim bestätigte seine Buy-Empfehlung und sein Kursziel von 400 Dollar nach Gesprächen mit dem Oracle-Management über die Zeitpläne für die Bereitstellung von KI-Infrastruktur und den Rollout von Rechenzentren.

Laut einer Analyse von InvestingPro wird die Aktie bei einem KGV von 21,18 und einem PEG-Ratio von 0,62 gehandelt. Der RSI-Indikator signalisiert zusätzlich überverkaufte Bedingungen.

Insgesamt zwanzig Wall-Street-Analysten haben ihre Gewinnprognosen für die kommende Berichtsperiode angehoben. Die Divergenz zwischen bärischen Bedenken hinsichtlich der Verschuldung und bullischer Überzeugung in Bezug auf die vertraglich gebundene Umsatzpipeline unterstreicht die zentrale Frage, vor der Anleger stehen: ob Oracle seinen Rekordauftragsbestand schnell genug in realisierte Umsätze umwandeln kann, um die für den Aufbau aufgenommenen Schulden zu bedienen.

Quelle: Blockonomi