NachrichtenMakroBurnham sollte auf eine „Tour zu den Kosten des Geschäftslebens“ gehen

Burnham sollte auf eine „Tour zu den Kosten des Geschäftslebens“ gehen

Autor: City AM Markets·

Wichtige Erkenntnisse

  • Ruth Gregory von Capital Economics erwartet für das Oktober-Budget mögliche Steuererhöhungen von bis zu 0.8% des BIP, also ungefähr in der Größenordnung des £26bn-Pakets des vergangenen Jahres.
  • Labours Wahlprogramm schließt Erhöhungen von Einkommensteuer, employee National Insurance, corporation tax und VAT aus; zusammen stehen diese für 54 per cent aller Staatseinnahmen.
  • Neue Steuermaßnahmen dürften eher Individuen über Änderungen bei Rentenbesteuerung, Erbschaftsteuer, Kapitalertragsteuer oder Vermögenssteuern treffen.
  • Die British Chambers of Commerce meldet, dass die jährlichen policy-driven costs für ein typisches mittelgroßes Unternehmen von £1.16m im Jahr 2016 auf £1.98m gestiegen sind, ein Plus von mehr als 70 per cent.
  • Rund ein Viertel der kumulativen, von der Politik verursachten Kostenlast für Unternehmen im vergangenen Jahrzehnt entstand erst in den letzten zwei Jahren.
Burnham sollte auf eine „Tour zu den Kosten des Geschäftslebens“ gehen

Eine alarmierende Einschätzung eines der führenden Ökonomen der City warnt, dass der kommende Oktober-Budgetplan Steuererhöhungen in nahezu derselben Größenordnung bringen könnte wie im vergangenen Jahr, als Rachel Reeves neue Abgaben im Umfang von £26bn einführte. Die Prognose steht vor dem Hintergrund einer britischen Steuerlast, die bereits auf dem höchsten Stand seit Jahrzehnten liegt, wodurch der finanzpolitische Spielraum für weitere Einnahmeerhöhungen ohne politische Folgen begrenzt ist.

Ruth Gregory, Deputy Chief UK Economist bei Capital Economics, meint, dass höhere Steuern „perhaps worth up to 0.8 per cent of GDP may do the heavy lifting in funding Prime Minister Burnham's policy ambitions.“ Bei den derzeitigen britischen BIP-Niveaus entspricht 0.8 per cent einem Betrag in derselben Größenordnung wie das £26bn-Paket des vergangenen Jahres und unterstreicht damit das von Gregory erwartete Ausmaß.

Wahlprogramm-Beschränkungen engen die Optionen ein

Burnham hat sich zu den Steuerzusagen aus dem Labour-Wahlprogramm verpflichtet und damit Erhöhungen von Einkommensteuer, employee National Insurance, corporation tax oder VAT faktisch ausgeschlossen. Zusammen machen diese vier Abgaben 54 per cent aller erhobenen Staatseinnahmen aus.

Damit bleibt der Regierung nur ein enger Handlungskorridor: Steuern zu erhöhen, die im Wahlprogramm nicht ausdrücklich genannt werden, ganz neue Steuern einzuführen oder die bestehende Steuerbasis zu verbreitern. Der erste Ansatz könnte Unternehmen besonders hart treffen, wobei die bank surcharge und branchenspezifische Abgaben auf Energiegewinne oder digitale Dienstleistungen offenbar zur Debatte stehen. Unabhängig davon berichtete ein City AM report, dass bereits eine führende Bankmanagerin beziehungsweise ein führender Bankmanager die Regierung vor den möglichen Auswirkungen solcher Maßnahmen gewarnt hat.

Könnten Haushalte die Hauptlast tragen?

Gregory geht davon aus, dass Steuererhöhungen im Herbst, falls sie kommen, eher Individuen und Haushalte treffen dürften. Mögliche Instrumente sind Anpassungen bei der Besteuerung von Renten, Erbschaftsteuer, Kapitalertragsteuer und einer breiteren Vermögensbesteuerung. Solche Maßnahmen sind politisch weniger sichtbar als direkte Änderungen bei der Einkommensteuer, stoßen aber traditionell auf Widerstand der betroffenen Gruppen und brauchen mitunter Jahre, um die erwarteten Einnahmen zu erzielen.

Unternehmenskosten steigen in einem Jahrzehnt um 70 Per Cent

Ob Unternehmen einem weiteren Budgettreffer entgehen, bleibt ungewiss. Laut einer Untersuchung der British Chambers of Commerce sind die staatlich verursachten „policy-driven costs“ in den vergangenen zehn Jahren um mehr als 70 per cent gestiegen.

Die Untersuchung zeigt, dass ein typisches mittelgroßes Unternehmen — definiert als Betrieb mit 50 Beschäftigten und einem Umsatz von £5m — inzwischen rund £1.98m pro Jahr an binnenpolitisch bedingten Kosten trägt, nach £1.16m im Jahr 2016. In dieser Summe enthalten sind Erhöhungen des Mindestlohns, Arbeitgeber-NI, Abgaben auf Energierechnungen, Rentenkosten, business rates und Kosten zur Einhaltung von Vorschriften. Nicht enthalten sind corporation tax oder allgemeine Inflationseffekte etwa bei Mieten und Inputkosten.

Auch wenn aufeinanderfolgende Regierungen die Verantwortung für den kumulativen Anstieg teilen, wurde rund ein Viertel der Unternehmen in den vergangenen zehn Jahren aufgebürdeten Kostensteigerungen allein in den letzten zwei Jahren hinzugefügt.

Aufruf zum Dialog mit Unternehmern

Vor diesem Hintergrund eskalierender Kosten stoßen verbrauchernahe Maßnahmen wie die Erleichterung von Kündigungen bei Abonnements auf Kritik, weil sie angesichts der Herausforderungen für Unternehmen als unzureichend gelten.

Der Premierminister befindet sich derzeit auf einer sogenannten „cost of living tour“. Wirtschaftsverbände werden genau beobachten, ob sich dieser Austausch auch auf die Sorgen von Arbeitgebern mit steigenden Betriebskosten erstreckt und ob die Steuerentscheidungen im Oktober-Budget von Maßnahmen begleitet werden, die die von der BCC dokumentierte kumulative Belastung mindern.