Nigerias IKT-Sektor wächst laut PwC um 10,98 % – Breitband- und KI-Investitionen steigen
Wichtige Erkenntnisse
- •Nigerias IKT-Sektor wuchs im ersten Quartal 2026 im Jahresvergleich um 10,98 % und übertraf damit sowohl das Wachstum der Gesamtwirtschaft von 3,89 % als auch Finanz- und Versicherungsdienstleistungen (8,54 %), das Bauwesen (6,38 %) und die Landwirtschaft (3,15 %).
- •PwC prognostiziert für Nigeria ein BIP-Wachstum von 4,2 % im Jahr 2026, weist jedoch darauf hin, dass die Zuwächse weiterhin auf wenige Sektoren konzentriert sind.
- •Die Breitbanddurchdringung stieg im Mai 2026 auf 56,11 % bei 121,64 Millionen Anschlüssen und verfehlt damit weiterhin das 70-%-Ziel des Nationalen Breitbandplans der Regierung für 2025.
- •Das Projekt BRIDGE, eine von Nigerias Regierung und der Europäischen Union getragene Initiative über 800 Millionen US-Dollar, plant die Verlegung von 90.000 Kilometern Glasfaserkabel, um den Internetzugang in unterversorgten Gebieten günstiger und zuverlässiger zu machen.
- •Airtel errichtet in Lagos ein großes Rechenzentrum für Cloud Computing und KI, während neue Vorschriften der Zentralbank von Nigeria ab Januar 2027 die lokale Speicherung von Zahlungsdaten vorschreiben.

Nigerias Sektor für Informations- und Kommunikationstechnologie (IKT) wuchs im ersten Quartal 2026 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 10,98 % und übertraf damit das Wachstum der Gesamtwirtschaft von 3,89 %, wie aus PwCs Strategy& H2 2026 Nigeria Economic Outlook hervorgeht.
Das Wachstum des Sektors übertraf mehrere andere große Bereiche der Wirtschaft, darunter Finanz- und Versicherungsdienstleistungen mit einem Plus von 8,54 %, das Bauwesen mit 6,38 % und die Landwirtschaft mit 3,15 %. Im Gegensatz dazu schrumpfte der Stromsektor um 15,30 %, was auf anhaltende Infrastrukturprobleme hindeutet, während Nigerias digitale Wirtschaft weiter expandiert.
Laut PwC wurde das Wachstum vor allem durch den verbesserten Zugang zu mobilen Daten und eine höhere Zahl an Breitbandanschlüssen angetrieben. Je mehr Nigerianer ins Internet gehen, desto stärker wächst auch die wirtschaftliche Aktivität in den Bereichen digitale Zahlungen, Onlinedienste, E-Commerce, Streaming und Cloud Computing. Die Bedeutung dieses Wandels wird durch Nigerias Größe verstärkt: Das Land mit mehr als 200 Millionen Einwohnern ist das bevölkerungsreichste Land Afrikas und eine der größten Volkswirtschaften des Kontinents und beherbergt bereits einige der bekanntesten Fintech-Unternehmen Afrikas, darunter Flutterwave und Paystack.
Das Unternehmen prognostiziert, dass Nigerias BIP-Wachstum im Jahr 2026 4,2 % erreichen wird, wobei der IKT-Sektor, Dienstleistungen und Fintech eine Schlüsselrolle spielen sollen. Der Bericht stellt jedoch fest, dass die Zuwächse weiterhin auf eine begrenzte Anzahl von Sektoren konzentriert sind, sodass die Vorteile nicht im gesamten Land gleichermaßen ankommen.
Der Bericht zeigt, dass das Wachstum des IKT-Sektors nicht nur von der Zahl der Menschen online abhängt, sondern auch von der physischen Infrastruktur, die digitale Dienste trägt. Im Mai 2026 stieg die Breitbanddurchdringung in Nigeria auf 56,11 %, nach 55,67 % im April, bei insgesamt 121,64 Millionen Anschlüssen. Damit liegt die Durchdringung weiterhin unter dem Ziel von 70 %, das die Regierung für 2025 in ihrem Nationalen Breitbandplan festgelegt hat – ein Hinweis darauf, wie groß der Anteil der Bevölkerung ist, der weiterhin offline ist.
Eine wichtige Infrastrukturinitiative ist das Projekt BRIDGE, das die Verlegung von 90.000 Kilometern Glasfaserkabeln in ganz Nigeria vorsieht. Das Projekt mit einem Volumen von 800 Millionen US-Dollar wird von der Regierung und der Europäischen Union getragen und soll den Internetzugang in Regionen mit begrenzter Konnektivität günstiger und zuverlässiger machen. Es soll Schulen, Unternehmen und Einzelpersonen in unterversorgten Gemeinden unterstützen, in denen schlechter Internetzugang die Nutzung von Onlinediensten bisher eingeschränkt hat.
In Lagos errichtet Airtel ein großes Rechenzentrum zur Unterstützung von Cloud Computing und künstlicher Intelligenz (KI). Viele nigerianische Unternehmen sind derzeit auf Rechenzentren außerhalb des Landes angewiesen, was die Leistung beeinträchtigen und die Kosten erhöhen kann. Lokale Rechenzentren dürften die Geschwindigkeit verbessern und die Ausgaben möglicherweise senken. Große Rechenzentrumskapazitäten in Afrika konzentrieren sich stark auf Südafrika; neue Einrichtungen dieser Art in Nigeria würden daher den noch vergleichsweise kleinen heimischen Bestand erweitern.
Der Ausbau der heimischen Dateninfrastruktur könnte zudem durch neue Vorschriften der Zentralbank von Nigeria zusätzliche Unterstützung erfahren, die ab Januar 2027 die lokale Speicherung von Zahlungsdaten vorschreiben. Nach Angaben von PwC sollte dies die Nachfrage nach lokaler Dateninfrastruktur erhöhen und weitere Investitionen in nigerianische Rechenzentren anregen. Das Tempo der Glasfaserverlegung im Rahmen des Projekts BRIDGE, die Inbetriebnahme von Airtels Anlage in Lagos sowie die Schritte, die Banken und Zahlungsanbieter vor der Frist im Januar 2027 unternehmen, gehören zu den konkreten Anzeichen dafür, wie der Ausbau voranschreitet.
Insgesamt zeigt sich laut PwC, dass Nigerias digitale Wirtschaft sowohl in messbarer Aktivität als auch in der Infrastruktur wächst, die zu ihrer Aufrechterhaltung erforderlich ist. Der Bericht fügt hinzu, dass die Herausforderung darin besteht, sicherzustellen, dass dieses Wachstum mehr Menschen, Branchen und Regionen im gesamten Land erreicht.