NachrichtenKryptoKasachstan gewährt Krypto-Steuerbefreiung per Präsidialdekret im Bestreben, sich zum Digital-Asset-Standort zu entwickeln

Kasachstan gewährt Krypto-Steuerbefreiung per Präsidialdekret im Bestreben, sich zum Digital-Asset-Standort zu entwickeln

Autor: Crypto Valley Journal·

Wichtige Erkenntnisse

  • Krypto-Handelserträge sind nur dann von der Einkommensteuer befreit, wenn die Transaktionen auf lizenzierten und regulierten Plattformen in Kasachstan stattfinden.
  • Investoren können digitalen Vermögenswerte, die auf unregulierten ausländischen Plattformen gehalten werden, freiwillig offenlegen und auf lizenzierte inländische Handelsplätze übertragen.
  • Das Dekret fordert Stablecoin-Mechanismen zur Unterstützung grenzüberschreitender Zahlungsabwicklungen für Im- und Exportgeschäfte, obwohl die technischen Regeln noch nicht festgelegt sind.
  • Mining-Betriebe dürfen Begleitgas und Erdgas aus Öl- und Gasfeldern nutzen, sofern der Staat dieses Gas nicht für eigene Bedürfnisse benötigt.
  • Kasachstan entwickelt zudem einen staatlichen Digital-Asset-Fonds und einen geplanten Krypto-Reservefonds mit einem Zielvolumen von 500 Millionen bis 1 Milliarde USD.
Kasachstan gewährt Krypto-Steuerbefreiung per Präsidialdekret im Bestreben, sich zum Digital-Asset-Standort zu entwickeln

Präsident Kassym-Jomart Tokajew hat ein Dekret zur Förderung der Kryptowährungsbranche Kasachstans unterzeichnet, das im Kern eine Krypto-Steuerbefreiung vorsieht, welche Handelseinkünfte auf lizenzierten, regulierten Plattformen von der Einkommensteuer befreit.

Das Dekret ist kein eigenständiges Gesetz, sondern eine gemeinsame Maßnahme dreier Institutionen: dem Ministerium für Künstliche Intelligenz und Digitale Entwicklung (MAIDD), der Nationalbank von Kasachstan und dem Astana International Financial Centre (AIFC). Tokajew unterzeichnete das Dekret am 7. Juli 2026; das MAIDD gab es am folgenden Tag öffentlich bekannt. Rechtlich baut die Maßnahme auf dem Digital-Asset-Gesetz von 2023 und der Lizenzierungspflicht für ungedeckte Kryptobörsen auf, die seit dem 1. Mai 2026 gilt. Inhaltlich bündelt das Dekret drei politische Hebel: eine Steuerbefreiung für Handelserträge, Stablecoin-Mechanismen für grenzüberschreitende Zahlungen und eine neue Energieregelung für Mining-Betriebe.

Steuerbefreiung gebunden an lizenzierte Plattformen

Die zentrale Maßnahme des Dekrets priorisiert reguliertes Kapital. Einkünfte aus dem Handel mit digitalen Vermögenswerten bleiben auch künftig steuerfrei, sofern die Transaktionen auf Plattformen stattfinden, die in Kasachstan lizenziert und reguliert sind. Die Regierung bindet die Steuervergünstigung somit unmittelbar an die Nutzung genehmigter Infrastruktur. Wer über unregulierte Kanäle handelt, erhält keine solche Vergünstigung. Der Anreiz zieht Nutzer effektiv zu lizenzierten Börsen, die sich bei der Nationalbank registrieren müssen.

Dieses Design macht die Steuerpolitik zu einem Teil der Aufsichtsrahmens. Anstatt Krypto-Handelserträge pauschal zu befreien, bindet Kasachstan die Vergünstigung an Registrierung, Aufsicht und die Nutzung inländischer Plattformen. Für Nutzer und Börsen ist die praktische Trennlinie daher nicht allein, ob ein Vermögenswert digital ist, sondern ob die Handelsstätte innerhalb des lizenzierten Systems liegt.

Darüber hinaus führt das Dekret einen Mechanismus zur freiwilligen Offenlegung ein. Investoren können digitale Vermögenswerte, die zuvor auf unregulierten ausländischen Plattformen gehalten wurden, deklarieren und anschließend auf lizenzierte inländische Plattformen übertragen. Im Ausland geparkte Bestände können so in das regulierte System zurückfließen. Der steuerliche Anreiz und der Offenlegungsmechanismus greifen ineinander, da beide Kapital in dieselbe kontrollierte Struktur lenken.

Das MAIDD, die Nationalbank und das AIFC leiteten die Ausarbeitung des Dekrets. Schaslan Madijew, Minister für Künstliche Intelligenz und Digitale Entwicklung, verknüpfte die Maßnahme mit einem klaren standortpolitischen Ziel. Die Regierung will dadurch ausländisches Kapital und Fachkräfte in ein transparentes, staatlich kontrolliertes System lenken.

„Unser Ziel ist es, Kasachstan zu einem Magneten für globales Kapital und Fachwissen zu machen und gleichzeitig maximale Transparenz zu gewährleisten.“

— Schaslan Madijew, Minister für Künstliche Intelligenz und Digitale Entwicklung

Stablecoins für grenzüberschreitende Zahlungen

Über den Handel hinaus befasst sich das Dekret mit der Zahlungsinfrastruktur. Stablecoins – digitale Token, deren Wert an eine Referenzwährung wie den US-Dollar gekoppelt ist – bieten im Vergleich zu volatileren Kryptowährungen eine größere Vorhersehbarkeit für Zahlungen. Das Dekret sieht die Entwicklung von Mechanismen vor, um solche Token bei der Abwicklung grenzüberschreitender Zahlungen einzusetzen, mit Schwerpunkt auf dem Im- und Exportgeschäft.

Kasachstan positioniert Stablecoins nicht als spekulatives Instrument, sondern als Infrastruktur für den Außenhandel. Für ein rohstoffexportierendes Land, dessen Handel stark von internationalen Zahlungsrouten abhängt, zielt der Ansatz auf schnellere und günstigere Abwicklung ab. Traditionelle Auslandsüberweisungen laufen über mehrere Korrespondenzbanken und verursachen sowohl Zeit- als auch Gebührenkosten. Stablecoin-Überweisungen versprechen eine direktere Abwicklung. Allerdings nennt das Dekret noch keine konkreten technischen Anforderungen.

Das macht die Implementierungsphase entscheidend. Das Dekret legt die politische Richtung fest, doch die operativen Regeln werden bestimmen, wie die Stablecoin-Abwicklung mit lizenzierten Plattformen, Bankenaufsicht und Im- und Exportdokumentation verknüpft wird. Bis diese Details veröffentlicht sind, bleibt die Zahlungskomponente ein Rahmenwerk und keine fertige kommerzielle Schiene.

Mining-Betriebe erhalten Zugang zu Begleitgas-Strom

Der dritte politische Hebel betrifft die Energieversorgung für das Mining. Das Dekret erlaubt die Nutzung von Begleitgas und Erdgas aus Öl- und Gasfeldern zur Stromerzeugung für Mining-Betriebe, unter der Bedingung, dass der Staat das Gas nicht für eigene Zwecke benötigt. Begleitgas entsteht bei der Ölförderung und wird andernfalls oft abgefackelt – von den Betreibern ungenutzt verbrannt.

Kasachstan zählt seit Jahren zu den weltweit führenden Standorten für Bitcoin-Mining. Laut Daten des Cambridge Centre for Alternative Finance belegte das Land 2022 den dritten Platz in der globalen Hashrate-Rangliste, eine Position, die ursprünglich auf günstigem Strom beruhte. Nach einer Regulierungswelle und wiederholten Netzengpässen geriet der Sektor jedoch unter Druck, und einige Miner verließen das Land.

Durch die Freigabe von Begleitgas erschließt die Regierung eine zusätzliche Energiequelle für die Branche. Für Mining-Betreiber senkt andernfalls ungenutztes Gas die Stromkosten, ohne das öffentliche Netz weiter zu belasten. Gleichzeitig verknüpft das Dekret die Kryptoindustrie enger mit dem dominierenden Öl- und Gassektor des Landes und baut eine bestehende Stärke gezielt aus.

Die Bedingung, dass die staatlichen Bedürfnisse Vorrang haben, ist wichtig, da sie die Maßnahme auf Überschuss- oder anderweitig verfügbares Gas beschränkt. regulatorisch gesehen wird dem Mining ein kontrollierter Energiekanal geboten, kein uneingeschränkter Zugang zu öffentlichen Stromressourcen.

Vom Gesetz von 2023 bis zur geplanten Staatsreserve

Das Julidekret markiert den vorläufigen Endpunkt einer mehrjährigen Regulierungsbemühung. Die rechtliche Grundlage bildet das Digital-Asset-Gesetz von 2023, ergänzt durch die Lizenzierungspflicht für ungedeckte Kryptobörsen, die seit dem 1. Mai 2026 gilt. Diese Börsen müssen sich bei der Nationalbank registrieren. Zuvor hatte Tokajew den Aufsichtsbehörden eine Frist bis 2026 für ein umfassendes Digital-Asset-Gesetz gesetzt. Das neue Dekret erweitert den bestehenden Rahmen, statt ihn zu ersetzen.

Gleichzeitig treibt Kasachstans Führung ein Staatsreserve-Projekt voran. In seiner Rede zur Lage der Nation im September 2025 kündigte Tokajew einen staatlichen Digital-Asset-Fonds an, der von der Investmentgesellschaft der Nationalbank verwaltet werden soll. Im November 2025 stellte die Nationalbank Pläne für einen Krypto-Reservefonds mit einem Zielvolumen von 500 Millionen bis 1 Milliarde USD vor. Der Fonds soll sich aus einer Mischung von beschlagnahmten Vermögenswerten, repatriierten Auslandsbeständen und Mining-Erträgen speisen. Zentralbankchef Timur Suleimenow betonte, dass der Fonds vorwiegend in ETFs und Aktien von Digital-Finance-Unternehmen investieren und bei direkter Krypto-Exposition zurückhaltend vorgehen werde.

Insgesamt deuten die Steuerbefreiung, der Offenlegungsweg, die Stablecoin-Arbeiten, die Mining-Energieregel und die geplante Reserve auf dieselbe politische Präferenz: Kryptoaktivitäten in Kanäle zu lenken, die der Staat lizenzieren, überwachen und an bestehende Finanz- und Energieinstitutionen anbinden kann. Insgesamt zeichnet sich ein staatlich orchestrierter Ansatz ab. Während der Schweizer Crypto Valley sich von unten nach oben entwickelt hat, steuert Kasachstan seinen Kryptosektor gezielt von oben, wobei Regulierung als standortpolitisches Instrument而非 als Defensivmechanismus dient.