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ING erwartet EZB-Zinserhöhung, während der Fokus auf die Kommunikation rückt

Autor: ForexLive·

Wichtige Erkenntnisse

  • Die ING erwartet in allen vier Szenarien eine Anhebung des EZB-Einlagensatzes um 25 Basispunkte von 2.25% auf 2.50%.
  • Der Szenariorahmen der ING reicht beim EUR/USD von 1.150 bis 1.168 und bei den Renditen zehnjähriger Bundesanleihen von 3.30% bis 3.45%; die aktuellen Marktwerte liegen nahe am neutralen Szenario.
  • Die ING bewertet die Inflationsrisiken wegen höherer Energiepreise und möglicher Zweitrundeneffekte als nach oben gerichtet, während die Wachstumsrisiken aufgrund des Kriegs im Nahen Osten nach unten geneigt bleiben.
  • Das Basisszenario der ING ist eine taubenhafte Zinserhöhung mit leicht höheren Inflationsprognosen, verbesserten Wachstumsprognosen und nur begrenztem Widerspruch zu den Markterwartungen.
  • Da die Märkte offenbar bereits auf einen festeren Ton nahe dem neutralen Szenario eingestellt sind, hält die ING größere Reaktionen für möglich, falls die EZB-Kommunikation in Richtung des taubenhaften oder restriktiven Extrems ausschlägt.
ING erwartet EZB-Zinserhöhung, während der Fokus auf die Kommunikation rückt

Die ING erwartet, dass die Europäische Zentralbank (EZB) bei ihrer heutigen Sitzung den Einlagensatz in jedem der vier Szenarien ihres vor der Entscheidung veröffentlichten Rahmens um 25 Basispunkte anhebt. Da die Zinserhöhung als weitgehend feststehend gilt, dürften die begleitenden Formulierungen, aktualisierte Prognosen und der Ton der künftigen geldpolitischen Hinweise im Mittelpunkt stehen.

Der Einlagensatz der EZB liegt derzeit bei 2.25%, sodass eine heutige Erhöhung um 25 Basispunkte ihn auf 2.50% anheben würde. Die Zentralbank verfolgt vor der Bekanntgabe weiterhin einen datenabhängigen Ansatz, bei dem von Sitzung zu Sitzung entschieden wird. Der Rahmen der ING beschreibt mögliche Ergebnisse auf Grundlage der Inflationsrisiken, der Wachstumsaussichten und der Ausrichtung der Zinskommunikation.

Die Spanne zwischen dem sehr taubenhaften und dem sehr restriktiven Szenario der ING deutet auf die Möglichkeit von Marktbewegungen in beide Richtungen rund um die Pressekonferenz hin. Die Bank sieht den EUR/USD in den verschiedenen Szenarien zwischen 1.150 und 1.168, während die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen zwischen 3.30% und 3.45% liegt. Euro und Bund-Rendite befinden sich derzeit mit 1.161 beziehungsweise 3.40% nahe der Mitte dieser Spannen. Da die Zinserhöhung in jedem Szenario vorausgesetzt wird, spiegelt diese Bandbreite die Unsicherheit über die Botschaft und nicht über die Entscheidung selbst wider.

Nach Einschätzung der ING sind die Inflationsrisiken aufgrund höherer Energiepreise und der Möglichkeit von Zweitrundeneffekten nach oben gerichtet. Die Wachstumsrisiken bleiben dagegen kurzfristig wegen des Kriegs im Nahen Osten nach unten geneigt. Die Szenarien basieren auf diesem Spannungsfeld zwischen Aufwärtsdruck bei der Inflation und Abwärtsdruck beim Wachstum.

Das eigene Basisszenario der Bank ist eine taubenhaft ausfallende Zinserhöhung. In diesem Szenario würden die Inflationsprognosen leicht nach oben korrigiert, ohne das allgemeine Gleichgewicht der Risiken wesentlich zu verändern. Die Wachstumsprognosen würden sich verbessern, obwohl die Abwärtsrisiken bestehen blieben. Zugleich würden die Entscheidungsträger den Markterwartungen nur begrenzt widersprechen und sich ihre Optionen offenhalten.

Die ING verbindet dieses Szenario mit einem EUR/USD nahe 1.157 und einer Rendite zehnjähriger Bundesanleihen von etwa 3.35%.

Am taubenhaftesten Ende des Rahmens würde die EZB die erwartete Zinserhöhung vornehmen, zugleich aber eine längere Pause signalisieren und ihre Besorgnis über die Bedingungen am Anleihemarkt äußern. Die ING verbindet dieses Ergebnis mit einem EUR/USD nahe 1.150 und einer Rendite zehnjähriger Bundesanleihen von etwa 3.30%.

Das neutrale Szenario würde voraussetzen, dass die EZB anerkennt, dass die jüngste Eskalation in der Region zusätzlichen Aufwärtsdruck auf die Inflation erzeugt, während sie die Wachstumsrisiken nach verbesserten Prognosen als ausgewogener betrachtet. Die Entscheidungsträger würden zudem signalisieren, dass eine weitere Zinserhöhung in den kommenden Monaten möglich bleibt. Die ING sieht in diesem Szenario den EUR/USD bei etwa 1.163 und die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen nahe 3.40%, also in der Nähe der aktuellen Werte.

Im restriktivsten Szenario würde die EZB anerkennen, dass die Auswirkungen auf die Inflation größer als zunächst erwartet ausfallen könnten und weitere geldpolitische Maßnahmen erforderlich machen würden. Dieses Ergebnis würde außerdem eine stärker als erwartete Aufwärtsrevision der Wachstumsprognosen sowie klare Hinweise auf eine weitere Zinserhöhung im Oktober und möglicherweise darüber hinaus umfassen. Die ING ordnet diesem Szenario einen EUR/USD nahe 1.168 und eine Rendite zehnjähriger Bundesanleihen von etwa 3.45% zu.

Da Euro und Bund-Rendite derzeit am nächsten an den Werten des neutralen Szenarios der ING liegen, deutet der Rahmen der Bank darauf hin, dass die Märkte möglicherweise bereits auf einen festeren Ton zusammen mit der heutigen Zinserhöhung eingestellt sind und nicht auf eine taubenhafte Botschaft. Die ING erklärte, dass dadurch eine stärkere Reaktion möglich sein könnte, falls sich die EZB-Kommunikation einem der beiden Extreme ihrer Spanne nähert. Entscheidend wird sein, welchem der vier Szenarien die Formulierungen der EZB-Erklärung und der Pressekonferenz am stärksten entsprechen.

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Quelle: ForexLive