ICE verbietet Mitarbeitern die Nutzung von Meta Smart Glasses im Dienst
Wichtige Erkenntnisse
- •Die Richtlinie der ICE verlangt von den Beamten, ausschließlich behördlich ausgegebene Aufzeichnungsgeräte zu verwenden; persönliche Geräte sind im Dienst nicht erlaubt.
- •Berichten zufolge wurden im März 2026 Mitarbeiter von ICE und Border Patrol bei Vollzugsmaßnahmen und Protesten mit Ray-Ban Meta Smart Glasses gesehen.
- •Die Brillen können Video aufnehmen und sind so gestaltet, dass sie wie gewöhnliche Brillen wirken – das wirft Bedenken hinsichtlich verdeckter Filmaufnahmen und des Einsatzes von Gesichtserkennung auf.
- •Das DHS forderte im April 2026 7,5 Millionen US-Dollar für die Erforschung von Smart Glasses, die speziell für den Einsatz bei der Strafverfolgung entwickelt werden sollen.
- •Auch andere Branchen, darunter das Gesundheitswesen und die Luftfahrt, haben aus Gründen des Datenschutzes und der Sicherheit Einschränkungen für persönliche Aufzeichnungsgeräte eingeführt.

Die US-Einwanderungs- und Zollbehörde (ICE) hat ihre Belegschaft angewiesen, die Meta Ray-Ban Smart Glasses zu Hause zu lassen. Die Richtlinie der Behörde untersagt Mitarbeitern die Nutzung persönlicher Aufzeichnungsgeräte im Dienst – und mit KI ausgestattete Sonnenbrillen, die unauffällig Fotos aufnehmen und Video streamen können, fallen eindeutig in diese Kategorie.
Die Einschränkung selbst ist nicht neu. Die Richtlinien der ICE zu am Körper getragenen Kameras verlangen von den Beamten seit Langem, ausschließlich dienstlich ausgegebene Ausrüstung zu verwenden – ein Standard, der Beweisketten sauber halten und unbefugte Überwachung verhindern soll. Diese Regeln gehen auf eine abteilungsweite Bodycam-Richtlinie zurück, die das DHS 2021 erließ und die die ICE in den folgenden Jahren schrittweise umsetzte, während sie ihre Beamten mit den Geräten ausstattete.
Die Lücke zwischen Richtlinie und Praxis
Trotz des offiziellen Verbots dokumentierten Berichte aus dem März 2026, dass Mitarbeiter der ICE und der US Border Patrol bei Einwanderungsvollzugsmaßnahmen und bei Protesten Ray-Ban Meta Smart Glasses trugen. Diese Sichtungen erzeugten einen peinlichen Widerspruch: Die Behörde erklärt, dass Beamte im Dienst nur nicht aufzeichnende Sonnenbrillen tragen dürfen – doch das eigene Personal wurde mit Brillen gesehen, die über eine eingebaute Kamera, KI-Funktionen und ein kleines Kontrolllicht verfügen, das anzeigt, wenn das Gerät aufzeichnet.
Meta und sein Fertigungspartner EssilorLuxottica haben die Brillen so gestaltet, dass sie von gewöhnlichen Ray-Bans kaum zu unterscheiden sind. Das Aufzeichnungslicht ist winzig. Wer nicht direkt danebensteht und weiß, worauf zu achten ist, bemerkt nicht, dass die Person gefilmt wird. Diese Designentscheidung wurde bereits auf die Probe gestellt: Im Jahr 2024 demonstrierten Studierende ein System, das die Brillen mit Gesichtserkennungsdiensten kombinierte, um fremde Personen in Echtzeit zu identifizieren – ein Beleg dafür, wie leicht sich das Gerät in ein verdecktes Identifikationswerkzeug verwandeln lässt.
Der Verstoß gegen die Richtlinie wirft zudem die Frage auf, wo die aufgenommenen Daten landen. Dienstlich ausgegebene Bodycams speisen Daten in kontrollierte Beweisverwaltungssysteme mit Prüfprotokollen ein. Ein privates Paar Meta-Brillen leitet Daten über die Server von Meta, die von Verbraucher-Datenschutzbestimmungen geregelt werden, die für Menschen geschrieben wurden, die ihre Hunde filmen – nicht für behördliche Vollzugsmaßnahmen.
Das DHS will eine eigene Version
Während die ICE ihre Beamten anweist, auf konsumorientierte Smart Glasses zu verzichten, zeigt das Ministerium für Innere Sicherheit (DHS) deutliches Interesse an der zugrunde liegenden Technologie. Das DHS forderte im April 2026 7,5 Millionen US-Dollar für Forschung und Entwicklung von Smart Glasses an, die speziell auf den Einsatz bei der Strafverfolgung zugeschnitten sind.
Ein eigens entwickeltes Gerät könnte theoretisch die Bedenken hinsichtlich Beweiskette und Datenspeicherung ausräumen, die konsumorientierte Brillen problematisch machen. Es ließe sich zudem mit Zugriffssteuerungen, Verschlüsselungsstandards und Prüfprotokollierung gestalten, die den behördlichen Beweisanforderungen entsprechen. Offen bleibt, ob dieser Finanzierungsantrag den Haushaltsprozess übersteht, ob daraus ein Gerät entsteht, das Bundesbehörden tatsächlich einführen, und ob andere DHS-Abteilungen der ICE darin folgen, explizite Regeln für persönliche Smart Glasses zu erlassen.
Ein breiter Trend bei Technologieeinschränkungen am Arbeitsplatz
Die ICE ist nicht die einzige Behörde, die mit diesem Thema ringt. Organisationen im Gesundheitswesen haben ähnliche Verbote persönlicher Aufzeichnungsgeräte umgesetzt, angetrieben von Vorschriften zum Patientendatenschutz wie HIPAA. Auch Unternehmen der Luftfahrtbranche haben die Geräte eingeschränkt – mit Verweis auf Vertraulichkeitsbedenken im Zusammenhang mit geschützten Abläufen und Sicherheitsprotokollen.
Metas Ray-Ban Smart Glasses, die als Konsumentenprodukt in Partnerschaft mit EssilorLuxottica entwickelt wurden und auf den Markt kamen, sind für den Alltag konzipiert: freihändige Fotos, KI-gestützte Antworten auf visuelle Fragen und Live-Übertragungen in sozialen Medien. Sie waren zudem ein kommerzieller Erfolg – Führungskräfte sprechen von Millionen verkaufter Exemplare –, und EssilorLuxottica hat Pläne skizziert, die Produktionskapazität bis Ende des Jahrzehnts auf Zehnmillionen Einheiten jährlich auszubauen. Genau diese Entwicklung zwingt Arbeitgeber in allen Branchen, Richtlinien für ein Gerät zu formulieren, das wie eine gewöhnliche Brille aussieht.
Das Verbot ist keine Ablehnung von Smart Glasses als Konzept. Es ist eine Ablehnung ihres unkontrollierten Einsatzes ohne Rechenschaftspflicht.