NachrichtenRohstoffe & ForexGold strebt danach, seine Dynamik von Wochenbeginn vor der Jackson-Hole-Rede von Fed-Chef Warsh auszubauen

Gold strebt danach, seine Dynamik von Wochenbeginn vor der Jackson-Hole-Rede von Fed-Chef Warsh auszubauen

Autor: Investinglive·

Wichtige Erkenntnisse

  • Gold hat seine Rallye nach dem Ausbruch über $4,200 und dem anschließenden Überschreiten des 200-Tage-Durchschnitts ausgebaut.
  • Käufer halten weiterhin über dem 38,2%-Fibonacci-Retracement bei $4,576, was das übergeordnete bullische Bild stützt.
  • Das kurzfristige Handelsgeschehen ist gemischt; Gold muss über dem 100-Stunden-Durchschnitt bleiben, um die konstruktivere Kurzfristperspektive zu wahren.
  • Die Märkte blicken auf die Jackson-Hole-Rede von Fed-Chef Warsh morgen; bis dahin wird ein ruhiger Handel erwartet.
  • Die Trader haben ihre Erwartungen an eine Zinserhöhung im September gesenkt; die anstehenden US-Inflations- und Beschäftigungsdaten werden die nächsten wichtigen Indikatoren für das makroökonomische Umfeld von Gold sein.
Gold strebt danach, seine Dynamik von Wochenbeginn vor der Jackson-Hole-Rede von Fed-Chef Warsh auszubauen

Der Goldpreis zeigt sich seit Monatsbeginn stabil; ein technischer Ausbruch über $4,200 verschaffte den Käufern etwas Spielraum. Seither hat die hoffnungsvolle Zuversicht im Zusammenhang mit den Spannungen zwischen den USA und dem Iran – auch in dieser Woche – dem Metall weiteren Freiraum auf seinem Weg nach oben gegeben. Die traditionsreiche Rolle von Gold als Absicherung in Phasen geopolitischer Unsicherheit hält es empfindlich gegenüber dem Auf und Ab derartiger Schlagzeilen. Diese Zuversicht sorgte vergangene Woche sogar für einen weiteren technischen Aufwärtsschub, als Gold über seinen 200-Tage-Durchschnitt (blaue Linie) ausbrach.

Dieser Anstieg versetzt Gold in eine gute Ausgangsposition, auch wenn ein Teil der Dynamik in dieser Woche nachgelassen hat – die Trader bereiten sich inzwischen auf das morgige Aufeinandertreffen mit Fed-Chef Warsh vor.

Das übergeordnete Bild ist ordentlich: Käufer halten weiterhin über dem 200-Tage-Durchschnitt (blaue Linie) sowie über dem 38,2%-Fibonacci-Retracement bei $4,576. Das gibt Anlass zu der Zuversicht, dass die Aufwärtsdynamik anhalten kann – zumal der Dollar weithin im Ungewissen verharrt. Das ist ein relevanter Hintergrund, da Gold in Dollar notiert und ein Greenback ohne klare Richtung dem Metall häufig einen erheblichen Gegenwind nimmt.

Die Deckelung der Renditen durch das US-Finanzministerium bleibt ein wichtiger Rückenwind für Gold. Der Anleihenmarkt dürfte somit zahlreiche Hinweise darauf liefern, ob die Preiserholung beim Edelmetall noch weiteres Potenzial hat. Die Mechanik ist einfach: Gold zahlt keine Zinsen, gedeckelte oder fallende Renditen senken daher die Opportunitätskosten der Haltung eines zinslosen Vermögenswerts gegenüber Anleihen.

Das kurzfristige Chartbild ist uneinheitlicher: Käufer und Verkäufer liefern sich derzeit ein Gefecht um den 100-Stunden-Durchschnitt (rote Linie). Ein Halten über diesem Niveau ist erforderlich, um die eher bullische Kurzfristperspektive zu bewahren. Vorerst besteht Rücksetzer-Potenzial bis etwa $4,580, wobei in der vergangenen Nacht Dip-Käufer eingestiegen sind.

Ein erneuter Bruch unter $4,575 würde jedoch erheblichen Spielraum für weitere Kursverluste eröffnen; der 200-Stunden-Durchschnitt (blaue Linie) liegt ein gutes Stück entfernt, näher an $4,525. Dieses Niveau liegt zudem nahe dem 200-Tage-Durchschnitt, der aktuell bei $4,524 verortet wird – Niveaus, die genau beobachtet werden sollten.

Mit dem Handel wird heute ein ruhiger Verlauf erwartet, da sich alle Blicke auf die Grundsatzrede von Fed-Chef Warsh morgen in Jackson Hole richten. Das alljährliche Symposium der Federal Reserve Bank of Kansas City in Wyoming diente in der Vergangenheit mehrfach als Bühne für wichtige geldpolitische Signale – Ben Bernanke kündigte in seiner Rede 2010 eine zweite Runde der quantitativen Lockerung an, und Jerome Powell warnte 2022, dass die Inflationsbekämpfung „pain“ mit sich bringen werde. Die Veranstaltung mag den hohen Erwartungen nicht gerecht werden, doch sie bleibt ein Ereignis, das die Märkte vorsichtshalber genau im Blick behalten müssen – zumal die Grenzen inzwischen durch die Aktivierung des „Bessent Put“ verwischt sind. Diese Bezeichnung ist dem seit langem gebräuchlichen Kürzel „Fed Put“ entlehnt, das für vermeintliche Rückhalteraktionen der Notenbank steht; hier spiegelt es die Erwartung wider, dass das Finanzministerium unter Minister Scott Bessent steigenden Renditen entgegenwirken wird.

Nach der aktuellen Lage werden sich die Trader zunehmend sicherer, dass es im September keine Zinserhöhung geben wird. Die Wahrscheinlichkeit eines solchen Schritts ist inzwischen auf rund 35% gesunken. Bis Jahresende sind nur noch etwa 27 Basispunkte an Zinserhöhungen eingepreist, bis Juni nächsten Jahres derzeit nur etwa 43 Basispunkte.

Weitere geldpolitisch milde Signale würden diese Neubewertung weiter vorantreiben und das Umfeld für Gold stärken – sofern sie von Warsh kommen. Über Jackson Hole hinaus werden die anstehenden US-Inflations- und Beschäftigungsdaten die nächsten Prüfsteine dafür liefern, wie sich diese Zinserwartungen und damit das breitere makroökonomische Umfeld von Gold entwickeln.

Quelle: Investinglive