NachrichtenMakroÖkonomen: Menschheit erstmals wahrscheinlich unter dem Bestanderhaltungsniveau der Fertilität

Ökonomen: Menschheit erstmals wahrscheinlich unter dem Bestanderhaltungsniveau der Fertilität

Autor: Marginal Revolution·

Wichtige Erkenntnisse

  • Eine neue Studie der Ökonomen Jesus Fernandez-Villaverde und Patrick Norrick kommt zu dem Schluss, dass die Menschheit seit 2026 wahrscheinlich unter das Bestanderhaltungsniveau der Fertilität gefallen ist – das erste Mal in der Geschichte.
  • Der Fertilitätsrückgang konzentriert sich inzwischen auf Länder mit niedrigem und mittlerem Einkommen sowie auf ärmere und weniger gebildete Frauen, und nicht mehr nur auf Nationen mit hohem Einkommen.
  • Ein Single-Faktor-Modell mit Daten aus 236 Ländern seit 1950 zeigt, dass die gemeinsame globale Fertilitätskomponente 1978 ihren Höhepunkt erreichte; 219 länderspezifische Trends sind negativ, und keiner flacht ab.
  • Die Autoren führen das Muster auf die Moderne zurück, die ein drittes Kind teuer und Kinderlosigkeit günstig macht, und identifizieren langsameres Wirtschaftswachstum als wichtigste Folge.
  • Japan veranschaulicht diesen Wandel bereits: Fast jeder dritte Einwohner ist 65 Jahre oder älter, und die Bevölkerung schrumpft seit etwa 2011, während die UN projizieren, dass die Weltbevölkerung Mitte der 2080er Jahre nahe 10,3 Milliarden ihren Höchststand erreicht.
Ökonomen: Menschheit erstmals wahrscheinlich unter dem Bestanderhaltungsniveau der Fertilität

Die Menschheit liegt seit 2026 wahrscheinlich unter dem Bestanderhaltungsniveau der Fertilität, so die Ökonomen Jesus Fernandez-Villaverde und Patrick Norrick – eine Schwelle, die die Autoren als beispiellos bezeichnen. Sie weisen darauf hin, dass die weltweite Fertilität noch nie unter das Bestanderhaltungsniveau gefallen ist, weder während Kriegen noch während Pandemien. In einer neuen Studie zur globalen Demografie untersuchen die beiden Ökonomen sowohl die Treiber als auch die wirtschaftlichen Folgen des weltweiten Rückgangs der Geburtenraten.

Länder mit hohem Einkommen liegen seit Jahrzehnten unter dieser Marke – Japans Fertilität befindet sich seit Mitte der 1970er Jahre unter dem Bestanderhaltungsniveau, und Südkoreas Rate sank 2023 auf einen Rekordtiefstand von 0,72 Kindern pro Frau. Die Überraschung liegt laut den Autoren jedoch darin, worauf sich der Rückgang inzwischen konzentriert: auf Länder mit niedrigem und mittlerem Einkommen sowie auf ärmere und weniger gebildete Frauen. Mit einem Single-Faktor-Modell, angepasst an Fertilitätsdaten aus 236 Ländern seit 1950, stellen die Autoren fest, dass die gemeinsame globale Komponente der Fertilität 1978 ihren Höhepunkt erreichte. Was die Fertilität heute nach unten drückt, sind laut den Autoren länderspezifische Trends – 219 davon sind negativ, und keiner von ihnen flacht ab.

Keiner der üblicherweise angeführten Mechanismen kann dieses Muster erklären, so die Autoren. Ihre Vermutung richtet sich stattdessen auf die Moderne selbst, die „makes a third child expensive and childlessness cheap“ – ein drittes Kind teuer und Kinderlosigkeit günstig macht. Da Kinder nur in ganzen Zahlen vorkommen, genügt laut den Autoren sehr wenig, um die Fertilitätsrate eines Jahrgangs von 1,8 auf 1,3 zu verschieben – und nichts in einer Wirtschaft drückt die Fertilität zurück auf 2,1, ungefähr das Niveau, auf dem sich eine Bevölkerung ohne Migration von einer Generation zur nächsten erhält. Die Studie schließt mit den wichtigsten wirtschaftlichen Folgen dieses Wandels, insbesondere langsamem Wachstum. Die Arithmetik hinter dieser Sorge zeigt sich bereits in den am weitesten fortgeschrittenen Ländern: In Japan ist mittlerweile fast jeder dritte Einwohner 65 Jahre oder älter, und die Bevölkerung schrumpft seit etwa 2011. Für die Welt als Ganzes projizieren die Weltbevölkerungsperspektiven der Vereinten Nationen (World Population Prospects), dass die Bevölkerung Mitte der 2080er Jahre mit rund 10,3 Milliarden ihren Höchststand erreicht, bevor sie sinkt.

In einem Kommentar zu der Studie auf Marginal Revolution schreibt der Autor des Beitrags, dass der Befund „The estimated common factor peaks in 1978 and has been declining since“ – der geschätzte gemeinsame Faktor erreicht 1978 seinen Höchststand und sinkt seitdem – an Verhütung denken lässt, wenn auch mit Verzögerungen. Der Beitrag fügt hinzu, dass die tatsächliche Verfügbarkeit von Verhütung, wenn man alle wirtschaftlichen und sozialen Zwänge berücksichtigt, deutlich schwieriger und problembehafteter ist, als manche oberflächlicheren Darstellungen nahelegen.

Der Beitrag „The Economics of a Shrinking World“ wurde am 14. August 2026 von Marginal Revolution veröffentlicht (Quelle).