NachrichtenRohstoffe & ForexFrank E. Holmes: Warum der Gold-Bullenmarkt noch lange nicht vorbei ist

Frank E. Holmes: Warum der Gold-Bullenmarkt noch lange nicht vorbei ist

Autor: GoldSeek·

Wichtige Erkenntnisse

  • Zentralbanken sind seit mehr als einem Jahrzehnt Nettokäufer von Gold und kauften laut Daten des World Gold Council allein 2022 einen Rekordwert von 1.082 Tonnen.
  • Holmes' quantitative Modelle deuten auf eine Wahrscheinlichkeit von rund 85% hin, dass die Goldpreise in den nächsten 60 Handelstagen steigen werden, gestützt auf statistische Mean-Reversion-Muster.
  • Japans Abkehr von nahezu null Prozent Zinsen zwingt zur Auflösung des Yen-Carry-Trades und erzeugt Verkaufsdruck an den globalen Märkten, auch bei Gold, ausgelöst durch Margin Calls und nicht durch schwächere Fundamentaldaten.
  • Chinas Belt-and-Road-Initiative hat finanzielle Verbindungen zu etwa 75% der UN-Mitgliedstaaten aufgebaut, fördert Handel außerhalb des US-Dollars und erhöht das Interesse an Gold als alternative Reserveanlage.
  • Große institutionelle Zusagen für KI-Infrastruktur — darunter Metas geplantes 14-Milliarden-Dollar-Rechenzentrum und BlackRocks Investition von rund 10 Milliarden Dollar — sprechen dafür, dass der Technologie-Superzyklus intakt bleibt, gestützt durch anhaltend starke Kupferpreise.
Frank E. Holmes: Warum der Gold-Bullenmarkt noch lange nicht vorbei ist

Frank E. Holmes: Warum der Gold-Bullenmarkt noch lange nicht vorbei ist

Trotz monatelanger Seitwärtsbewegung ist Frank E. Holmes der Ansicht, dass der Gold-Bullenmarkt intakt bleibt. In einem breiten Gespräch mit Mike Maharrey von Money Metals argumentierte der Executive Chairman von HIVE Digital Technologies sowie CEO und Chief Investment Officer von U.S. Global Investors, dass starke globale Trends die Goldpreise weiterhin stützen.

Holmes verwies auf eine Reihe von Faktoren — von der asiatischen Verbrauchernachfrage und den Käufen der Zentralbanken über Japans verändertes Zinsumfeld und Investitionen in KI-Infrastruktur bis hin zu steigenden Staatsschulden — als Beleg dafür, dass die aktuelle Korrektur eher eine Kaufgelegenheit als das Ende des Bullenmarkts darstellt. Gold erreichte im Jahresverlauf nacheinander neue Rekordstände, bevor es zurücksetzte, und laut Daten des World Gold Council waren Zentralbanken seit mehr als einem Jahrzehnt Nettokäufer von Gold, wobei sie allein 2022 einen Rekordwert von 1.082 Tonnen erwarben.

Der "Love Trade" versus der "Fear Trade"

Holmes beschrieb die Goldnachfrage als von zwei unterschiedlichen Kräften getrieben: dem "Fear Trade" und dem "Love Trade". Westliche Anleger konzentrieren sich seiner Darstellung nach typischerweise auf von Angst getriebene Käufe, die durch Inflation, geopolitische Konflikte, Geldmengenexpansion und finanzielle Instabilität ausgelöst werden. Er argumentierte jedoch, dass der größere und nachhaltigere Treiber der Love Trade sei.

Nach Holmes entfallen rund 60% der weltweiten Goldnachfrage auf Menschen, die das Metall als transportierbares Familienvermögen erwerben, insbesondere in Asien und im Nahen Osten. Steigende Pro-Kopf-BIP-Werte in Ländern wie China und Indien haben den Goldbesitz in den vergangenen zwei Jahrzehnten deutlich ausgeweitet. In vielen Schwellenländern dient physisches Gold faktisch als finanzielle Absicherung in Regionen, in denen klassische Versicherungsmärkte unterentwickelt sind.

Diese kulturellen Dynamiken führen laut Holmes dazu, dass jede bedeutende Goldkorrektur von kräftigen physischen Käufen asiatischer Verbraucher begleitet wird und so einen wichtigen Boden unter dem Markt bildet.

China, BRICS und die Erosion des Dollars

Holmes betonte außerdem, dass globale geldpolitische Verschiebungen weiterhin zugunsten von Edelmetallen wirken. Er verwies auf mehr als 350 Billionen Dollar an globalen Schulden sowie auf anhaltende Fiskalpolitik im Stil der Modern Monetary Theory (MMT) — also Rahmenwerke, die Staatsausgaben gegenüber Defizitreduzierung priorisieren — als langfristige Treiber.

Gleichzeitig argumentierte er, dass China die internationale Dominanz des US-Dollars mit seiner Belt-and-Road-Initiative und seinem wachsenden Einfluss innerhalb der BRICS-Staaten stetig aushöhlt, einem Bündnis, das Anfang 2024 um Iran, die Vereinigten Arabischen Emirate, Ägypten und Äthiopien erweitert wurde. Nach Holmes haben etwa 75% der UN-Mitgliedstaaten inzwischen über Belt-and-Road-Kredite finanzielle Verbindungen zu China. Dieser wachsende Einfluss habe dazu geführt, dass mehr internationaler Handel am traditionellen Dollar-System vorbeiläuft, was die langfristige Nachfrage nach US-Dollar verringert und das Interesse an alternativen Reservewerten wie Gold erhöht.

Japans Zinswende könnte mehr auslösen, als Anleger erwarten

Zu Holmes' zentralen Sorgen zählt Japans verändertes Zinsumfeld. Über rund drei Jahrzehnte hielt Japan die Kreditkosten nahe null, sodass Hedgefonds, Institutionen, Pensionskassen und Versicherer günstig in Yen Kredit aufnehmen und anschließend in höher verzinste Anlagen weltweit investieren konnten. Dieser sogenannte "Carry Trade" wurde zu einer wichtigen Quelle globaler Liquidität.

Da Japan nach der Inflation nach COVID und den Störungen in den Lieferketten mit Zinserhöhungen begonnen hat, glaubt Holmes, dass Kapital wieder ins Land zurückfließt. Wenn Anleger gehebelte Positionen abbauen, geraten Märkte von Technologiewerten bis Gold unter Verkaufsdruck, der eher durch Margin Calls als durch sich verschlechternde Fundamentaldaten ausgelöst wird. Die Folgen waren im August 2024 sichtbar, als die Zinserhöhung der Bank of Japan zu einem scharfen globalen Ausverkauf an den Märkten beitrug, bevor sich die Lage stabilisierte.

Er wies darauf hin, dass Japan zu den Ländern mit der höchsten Schuldenquote im Verhältnis zum BIP unter den G7 gehört, doch fast die Hälfte dieser Schulden im Inland von der Bank of Japan gehalten wird. Wenn japanisches Kapital heimkehrt, erwartet Holmes, dass der Abbauprozess die globalen Märkte weiterhin spürbar beeinflusst.

KI-Ausgaben deuten auf wirtschaftliche Widerstandsfähigkeit hin

Trotz der Volatilität bei Technologiewerten ist Holmes der Ansicht, dass der KI-Boom noch lange nicht vorbei ist. Er hob Metas Pläne hervor, in El Paso, Texas, ein 14-Milliarden-Dollar-KI-Rechenzentrum zu bauen, das rund 50.000 Tonnen Kupfer erfordert. Starke Kupferpreise widersprächen der These, dass KI-Investitionen einbrechen, sagte er.

Holmes verwies außerdem auf BlackRocks Zusage, rund 10 Milliarden Dollar in KI-Infrastruktur zu investieren, unterstützt durch Staatsfonds aus Ländern wie Norwegen, Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten. Diese umfangreichen Kapitalzusagen deuten seiner Ansicht nach darauf hin, dass Institutionen KI weiterhin als langfristigen Superzyklus und nicht als spekulative Blase betrachten. Für Holmes stützt die anhaltende Stärke von Kupfer diese Einschätzung, da steigende industrielle Nachfrage nicht mit der Sorge vor einem bevorstehenden Einbruch der KI vereinbar sei.

Quantitative Modelle sprechen für ein günstiges Gold-Setup

Statt sich ausschließlich auf makroökonomische Prognosen zu stützen, nutzt Holmes quantitative Modelle zur Bewertung der Marktbedingungen. Frank Holmes erklärte, dass Gold und Silber bereits früher im Jahr historisch überkaufte Niveaus erreicht hätten, wobei Silber vor der Anhebung der Margin-Anforderungen durch die Terminbörsen rund sechs Standardabweichungen über seinen längerfristigen Trend gestiegen sei. Auch Gold habe unter dem Druck steigender Zinsen eine deutliche Korrektur erlebt.

Nachdem Gold von etwa drei Standardabweichungen über dem Trend auf ungefähr 1,6 Standardabweichungen darunter gefallen war, deuten seine Modelle nun laut Holmes auf eine Wahrscheinlichkeit von rund 85% hin, dass die Goldpreise in den kommenden 60 Handelstagen höher liegen werden. Er betonte, dass dieser Ausblick auf statistischem Marktverhalten und nicht auf geopolitischen Vorhersagen beruhe, und verwies darauf, dass Märkte naturgemäß zwischen Phasen übermäßigen Optimismus und übermäßigen Pessimismus schwanken.

Warum höhere Zinsen Gold nicht zwangsläufig schaden

Mike Maharrey stellte Holmes eine verbreitete Annahme in Frage: Wenn die Zinsen hoch bleiben und Anleihen in einem langfristigen Bärenmarkt verharren, sollte das dann nicht negativ für Gold sein?

Frank Holmes widersprach. Er argumentierte, dass Käufe von Gold durch Zentralbanken — insbesondere von Ländern, die sich vom US-Dollar diversifizieren wollen — weiterhin erhebliche Unterstützung liefern. Gleichzeitig griffen Regierungen, die mit wachsenden fiskalischen Problemen konfrontiert sind, wiederholt zu geldpolitischer Expansion.

Holmes vertrat die Ansicht, dass Anleger mindestens 10% ihrer Portfolios in Gold und Silber als finanzielle Absicherung halten sollten. Auch wenn er einräumte, dass manche lautstarke Goldbefürworter selbst kaum oder kein physisches Metall besitzen, hält er die zugrunde liegenden Angebots- und Nachfragedaten weiterhin für klar positiv.

Werden Zentralbanken jemals aufhören, Geld zu drucken?

Das Gespräch wandte sich Spekulationen um Kevin Warsh und die Frage zu, ob eine künftige Führung der Federal Reserve eine härtere Haltung gegenüber Inflation einnehmen könnte. Holmes räumte ein, dass Warsh einen disziplinierteren, faktenbasierten Kommunikationsstil als frühere Fed-Vertreter verkörpere. Letztlich sei er jedoch überzeugt, dass jede schwere Rezession oder Finanzkrise die Entscheidungsträger wieder in Richtung geldpolitischer Unterstützung drängen würde.

Er argumentierte, dass die institutionelle Kultur im Zentralbankwesen nahezu durchgehend darauf ausgerichtet sei, das Wirtschaftswachstum durch zusätzliche Liquidität zu stützen, wodurch fortgesetzte Geldschöpfung wahrscheinlicher sei als ein längerer geldpolitischer Entzug. Diese Erwartung stützt aus seiner Sicht den langfristig bullischen Ausblick für Gold, zumal die Regierungen ihre Defizite weiter ausweiten.

Könnte Gold irgendwann 40.000 Dollar erreichen?

Holmes' kühnste Prognose betraf den theoretischen Wert der US-Goldreserven. Auf Basis eines Mark-to-Market-Ansatzes, der Amerikas offizielle Goldbestände mit der gesamten Bundesverschuldung vergleicht, deutete Holmes an, Gold könnte sich 40.000 Dollar je Unze nähern, wenn die Politik das Verhältnis von Schulden zu Gold deutlich verbessern wollte.

Er merkte außerdem an, dass China zunehmend physischen Goldbesitz betone und die Abhängigkeit von Papiergold-Produkten reduziere. Holmes ist der Ansicht, dass diese Politik die Nachfrage nach physischem Bullion stärkt und zugleich der chinesischen Regierung eine größere Kontrolle über den inländischen Wohlstand ermöglicht.

Smart-Beta-Investing und das Lesen der Weltwirtschaft

Holmes sprach auch über seinen Smart-Beta-2.0-Investmentprozess, der Umsatzwachstum, Cashflow-Dynamik und Portfolio-Konstruktion statt einer bloßen Titelauswahl in den Vordergrund stellt. Bei Goldminenanlagen bevorzugt er Royalty-Unternehmen und bewertet die vierteljährliche Produktion und das Umsatzwachstum im Verhältnis zu den Goldpreisbewegungen.

Außerhalb der Edelmetalle beobachtet Holmes Frachtvolumen im Seeverkehr und den Flugverkehr als Echtzeitindikatoren der globalen Wirtschaftstätigkeit. Er wies darauf hin, dass rund 80% der Rohstoffe per Frachtschiff transportiert werden, während die täglichen TSA-Kontrollen im Flugverkehr von etwa 85.000 im Jahr 2020 auf rund 3 Millionen Reisende pro Tag gestiegen sind. Trotz negativer Schlagzeilen zeigten diese Indikatoren nach Holmes, dass die Weltwirtschaft widerstandsfähig bleibt.

Militärausgaben, KI und dem Geldmengenwachstum voraus sein

Holmes schloss mit der These, dass sich die Staatsausgaben zunehmend auf Verteidigungstechnologie, Cybersicherheit und künstliche Intelligenz statt auf traditionelle Sozialprogramme verlagern. Er schätzte, dass im Laufe der Zeit rund 2,5 Billionen Dollar in militärische Modernisierung und KI-bezogene Investitionen fließen könnten. Zusammen mit fortgesetzter geldpolitischer Expansion werde dies seiner Meinung nach weiterhin Chancen in Sektoren schaffen, die mit Technologie, Rohstoffen und Edelmetallen verbunden sind.

Anstatt sich über Geldschöpfung zu beklagen, riet Holmes Anlegern, ihre Portfolios ihr voraus auszurichten. Aus seiner Sicht bleibt der Besitz von Vermögenswerten, die von inflationären Politiken profitieren — einschließlich physischem Gold —, die praktikabelste langfristige Strategie.

Über den Autor

Money Metals Exchange ist ein Online-Bullionhändler, der seit 2010 im Geschäft ist und von Investopedia zum Best Overall Precious Metals Dealer gewählt wurde. Die Website lautet MoneyMetals.com .

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