UEFA, AFC und CONCACAF beraten über Misstrauensvotum gegen FIFA-Präsident Infantino
Wichtige Erkenntnisse
- •UEFA, AFC und CONCACAF beraten aktiv über ein Misstrauensvotum, um Gianni Infantino als FIFA-Präsidenten zu entmachten.
- •Infantino zog seinen Plan „FIFA Forward Enterprise“ zurück, der eine 20-Milliarden-Dollar-Tochtergesellschaft und den Verkauf von Minderheitsanteilen von bis zu 20% an externe Investoren vorsah, nachdem Bedenken zu Governance und Transparenz aufgekommen waren.
- •FIFA-Vizepräsident Sándor Csányi entzog Infantino am 19. August öffentlich sein Vertrauen; die Verbände von Wales und Finnland zogen ihre Unterstützung für dessen Wiederwahl zurück.
- •Für einen außerordentlichen FIFA-Kongress sind die Unterstützung von mindestens 20% der Mitgliedsverbände, also rund 43 von 211 Mitgliedern, sowie drei Monate Vorlauf erforderlich; frühester Termin wäre etwa November 2026.
- •Infantino will weiterhin im März 2027 kandidieren; die Nominierungsfrist endet am 18. November 2026, ein offizieller Gegenkandidat ist bisher nicht bekannt.

Drei der mächtigsten regionalen Fußballkonföderationen arbeiten im Stillen daran, Gianni Infantino als FIFA-Präsidenten zu entmachten.
UEFA, die Asiatische Fußballkonföderation (AFC) und CONCACAF befinden sich in aktiven Gesprächen darüber, ein Misstrauensvotum gegen Infantino auszulösen, nachdem sich über Wochen hinweg eine kontroverse kommerzielle Initiative entwickelt hatte, die Kritiker über Kontinente hinweg vereinte.
Der 20-Milliarden-Dollar-Plan, der nach hinten losging
Die Wurzeln dieser Rebellion reichen bis Ende Juli 2026 zurück, als Infantino den Mitgliedsverbänden einen Plan mit dem Namen „FIFA Forward Enterprise“ vorstellte. Der Vorschlag war ehrgeizig: eine neue kommerzielle Tochtergesellschaft mit einer erwarteten Bewertung von 20 Milliarden US-Dollar zu schaffen und anschließend Minderheitsanteile von bis zu 20% an externe Investoren zu verkaufen.
Bedenken hinsichtlich Governance und Transparenz lösten bei den Mitgliedsverbänden nahezu sofort heftige Reaktionen aus. Der Plan wurde am 28.-29. Juli vorgestellt, und bis zum 31. Juli hatte Infantino ihn unter Verweis auf die entstandenen Spaltungen vollständig zurückgezogen.
Risse in der Koalition
Das sichtbarste Zeichen für den schwindenden Rückhalt für Infantino zeigte sich am 19. August, als Sándor Csányi, FIFA-Vizepräsident Nummer fünf, öffentlich sein Vertrauen in den Präsidenten zurückzog.
Mehrere nationale Verbände sind diesem Beispiel gefolgt. Wales und Finnland haben ihre Unterstützung für Infantinos Wiederwahlkampagne zurückgezogen, während der Verband von Mexiko seine Unterstützung öffentlich beibehalten hat.
Infantino plant weiterhin, im März 2027 erneut zu kandidieren; die Frist für Nominierungen endet am 18. November 2026. Bislang ist kein offizieller Gegenkandidat hervorgetreten.
Die Einberufung eines außerordentlichen FIFA-Kongresses — jenes Gremiums, das eine Absetzung Infantinos formell prüfen könnte — erfordert die Unterstützung von mindestens 20% der Mitgliedsverbände. Das entspricht rund 43 der 211 FIFA-Mitglieder. Diese Schwelle ist wichtig, weil sie hier der einzige formelle Weg ist, der genannt wird, um die Angelegenheit vor dem nächsten Wahlzyklus voranzutreiben, und weil sie den Gesprächen der regionalen Konföderationen über bloße öffentliche Kritik hinaus konkretes Gewicht verleiht.
Ein außerordentlicher Kongress erfordert eine Vorankündigung von drei Monaten. Selbst wenn die nötigen Unterschriften also bald zusammenkommen, könnte eine solche Versammlung frühestens etwa im November 2026 stattfinden. Dieser Zeitpunkt würde sich nahezu exakt mit der Nominierungsfrist für die Wahl im März 2027 überschneiden.
Wie es so weit kam
Infantino führt die FIFA seit 2016 und gewann das Präsidentenamt im Zuge der Korruptionsskandale, die seinen Vorgänger Sepp Blatter zu Fall brachten.
Der Vorschlag „FIFA Forward Enterprise“ hätte grundlegend verändert, wie das meistgesehene Sportereignis der Welt Einnahmen erzielt und verteilt. Kritiker befürchteten, er würde die finanzielle Macht am FIFA-Sitz konzentrieren und gleichzeitig den Einfluss der Mitgliedsverbände schwächen. Die Tatsache, dass Infantino den Vorschlag innerhalb von 72 Stunden zurückzog, unterstreicht die politische Fehleinschätzung und erklärt mit, warum aus einem kommerziellen Plan rasch ein Governance-Test wurde.
Der Weg bis November
Die Schwelle von 43 Stimmen für einen außerordentlichen Kongress ist der erste echte Härtetest. UEFA allein verfügt nicht über genügend Mitgliedsverbände, um die Angelegenheit durchzusetzen, weshalb die Beteiligung von AFC und CONCACAF so bedeutsam ist.
Das Fehlen eines benannten Gegenkandidaten erschwert die Lage für die Opposition. Ein Misstrauensvotum ohne klare Alternative birgt das Risiko, wie Chaos um des Chaos willen zu wirken.