NachrichtenAktienEuropa verzeichnet die beste Berichtssaison seit Jahren – Wachstum im Stoxx 600 weitet sich über KI- und Bankaktien aus

Europa verzeichnet die beste Berichtssaison seit Jahren – Wachstum im Stoxx 600 weitet sich über KI- und Bankaktien aus

Autor: Marginal Revolution·

Wichtige Erkenntnisse

  • Die Unternehmen im Stoxx Europe 600 steigerten ihr Ergebnis je Aktie im zweiten Quartal im Jahresvergleich um durchschnittlich 18 % – die beste Berichtssaison Europas seit Jahren, nachdem die Gewinne 2024 und 2025 nahezu stagniert hatten.
  • Nach Angaben von Gerry Fowler, Stratege für europäische Aktien bei der UBS, verbreitert sich das Gewinnwachstum über die enge Gruppe von KI- und Bankaktien hinaus, die den Markt zuvor angetrieben hatte.
  • Die Regierungspolitik stützt den Aufschwung: Deutschland nahm Verteidigungsausgaben oberhalb von 1 % des BIP von seinen Schuldenregeln aus und schuf einen Infrastrukturfonds über 500 Milliarden Euro, die EU startete ein Verteidigungsdarlehensprogramm über 150 Milliarden Euro, und die NATO-Mitglieder einigten sich auf ein Ziel von 5 % des BIP für Verteidigung und verteidigungsnahe Ausgaben bis 2035.
  • Der Stoxx Europe 600 hat in diesem Jahr bisher um 10 % zugelegt und liegt damit leicht hinter dem Anstieg des S&P 500 um 12 % zurück – der Abstand einer seit Mitte der 2000er-Jahre bestehenden Underperformance hat sich verringert.
  • Europäische Aktien wurden in der Regel zu niedrigeren Bewertungskennzahlen gehandelt als US-Pendants, weshalb das Wall Street Journal die Region als übersehene Anlaufstelle für die Suche nach günstigen Gelegenheiten bezeichnete.
Europa verzeichnet die beste Berichtssaison seit Jahren – Wachstum im Stoxx 600 weitet sich über KI- und Bankaktien aus

Europa hat soeben seine beste Berichtssaison seit Jahren verzeichnet – eine bemerkenswerte Wendung für eine Region, in der die Unternehmensgewinne zuvor stagniert hatten.

Die Unternehmen im Leitindex Stoxx Europe 600 steigerten ihr Ergebnis je Aktie im zweiten Quartal gegenüber dem Vorjahreszeitraum im Durchschnitt um 18 %. Dieser Anstieg steht in scharfem Kontrast zur jüngeren Vergangenheit: 2025 und 2024 wuchsen die Gewinne kaum, da die stärksten Unternehmen des Index durch schwächere Akteure aufgewogen wurden. Für Analysten ist die Breite des Wachstums ein zentraler Gradmesser für dessen Tragfähigkeit: Gewinne, die von einem engen Kreis von Unternehmen getragen werden, machen einen Index anfälliger, falls diese führenden Akteure straucheln, während breit verankertes Gewinnwachstum in der Regel auf einen weiter getragenen Unternehmensaufschwung hindeutet.

Die Verbesserung beschränkt sich zudem nicht auf eine kleine Gruppe von Marktführern. Nach Angaben von Gerry Fowler, der das Team für europäische Aktienstrategie bei der UBS leitet, weitet sich das Wachstum inzwischen über die enge Gruppe von KI- und Bankaktien hinaus aus, die es zuvor angetrieben hatte. Staatsausgaben und private Investitionen in Schwerpunkte wie Infrastruktur, Energiesicherheit und Verteidigung schaffen echte Chancen für Unternehmen in der gesamten Region. Der Rahmen für diese Ausgaben hat sich deutlich verschoben: 2025 änderte Deutschland seine verfassungsrechtlichen Schuldenregeln, um Verteidigungsausgaben oberhalb von 1 % des BIP auszunehmen, und richtete einen Infrastrukturfonds über 500 Milliarden Euro ein; die Europäische Union schuf ein Darlehensprogramm über 150 Milliarden Euro für Verteidigungsinvestitionen, und die NATO-Mitglieder einigten sich auf das Ziel, bis 2035 insgesamt 5 % des BIP für Verteidigung und verteidigungsnahe Ausgaben aufzuwenden.

Die Aktienmärkte beginnen, diesen Wandel widerzuspiegeln. Der Stoxx Europe 600 liegt in diesem Jahr bisher um 10 % im Plus – etwas weniger als der Zugewinn von 12 % beim S&P 500. Europäische Aktien schneiden seit Mitte der 2000er-Jahre schlechter ab als ihre US-Pendants, ein Abstand, der häufig mit der Sektorzusammensetzung erklärt wird: Europäische Indizes haben höhere Gewichtungen in Banken, Industrie und Energie und vergleichsweise wenige der großen Technologieunternehmen, die die US-Märkte angetrieben haben. Dieser Abstand hat zuletzt abgenommen – was die Frage aufwirft, ob die europäische Wende endlich eingesetzt hat und ob kommende Berichtssaisons bestätigen werden, dass sich das Gewinnwachstum dauerhaft verbreitert hat. Europäische Aktien wurden zudem in der Regel zu niedrigeren Bewertungskennzahlen gehandelt als vergleichbare US-Werte – ein Grund, warum der Bericht des WSJ die Region als übersehene Stelle für die Suche nach günstigen Gelegenheiten darstellte.

Der Stoxx Europe 600 bündelt Unternehmen mit großer, mittlerer und kleiner Marktkapitalisierung aus den europäischen Aktienmärkten und wird vielfach als Standardmaßstab für die Unternehmensperformance der Region verwendet. Der S&P 500 nimmt für US-Aktien mit großer Marktkapitalisierung eine entsprechende Benchmark-Rolle ein. Die UBS, bei der Fowler das Team für europäische Aktienstrategie leitet, ist eine Schweizer Großbank, deren Forschungsteams die regionalen Märkte begleiten.

Der Originalbericht wurde vom Wall Street Journal veröffentlicht (Mehr vom WSJ). Der Beitrag wurde vom Wirtschaftsblog Marginal Revolution hervorgehoben.