EUR/USD: Alle Augen auf die Fed, da die Handelsspanne an ihren Wendepunkt gelangt
Wichtige Erkenntnisse
- •Die Märkte rechnen derzeit eher mit einer unveränderten Zinspolitik der Federal Reserve, wobei die CME-FedWatch-Wahrscheinlichkeit für keine Änderung bei rund 68,5% liegt.
- •Die Erwartungen an eine Zinserhöhung sind nach hawkishen Aussagen und wachsender interner Unterstützung im FOMC auf über 30% gestiegen.
- •Die Europäische Zentralbank ließ die Zinsen bei 2,25% unverändert und bestätigte ihr 2%-Inflationsziel.
- •EUR/USD notiert nahe 1,1408 und konsolidiert seit Ende Juni in einer engen Spanne.
- •Eine dovishe Fed-Entscheidung könnte EUR/USD über den Widerstand treiben, während eine hawkishe Überraschung den Kurs unter die Unterstützung bei 1,1360 drücken könnte.

Die nächste Bewegung des Dollars hängt von der heutigen Entscheidung der Federal Reserve ab, und der Markt ist beim Ausgang ungewöhnlich unsicher. Volkswirte tendieren weiterhin zu einem unveränderten Zinssatz, wobei die CME-FedWatch-Wahrscheinlichkeit für keine Änderung bei rund 68,5% liegt. Kevin Warshs hawkishe Äußerungen über eine "keine Toleranz" gegenüber Inflation haben jedoch zusammen mit zunehmender interner Unterstützung im FOMC für eine Zinserhöhung die Erwartungen an einen Zinsschritt deutlich von nur 18% vor zwei Wochen auf heute mehr als 30% steigen lassen. Erschwerend kommt hinzu, dass Warsh die Forward Guidance bewusst zurückgefahren hat, sodass die heutige Pressekonferenz möglicherweise weniger Hinweise als üblich liefert.
Der Euro hat seinerseits bereits einen geldpolitischen Test hinter sich. Die Europäische Zentralbank beließ die Zinsen am vergangenen Donnerstag wie erwartet unverändert bei 2,25%, während Christine Lagarde das 2%-Inflationsziel bekräftigte und darauf hinwies, dass sich die inflationsfördernden Risiken durch den Konflikt im Nahen Osten bislang noch nicht vollständig entfaltet haben. Die Inflation im Euroraum ging im Juni auf 2,8% zurück, doch die hartnäckige Dienstleistungsinflation, die weiterhin bei etwa 3,5% bis 4% liegt, lässt für die September-Sitzung nur vorsichtig Spielraum in beide Richtungen. Damit handelt der Euro mit einer bereits eingepreisten geldpolitischen Entscheidung und einer weiteren, die noch bevorsteht — ein Umfeld, das erklärt, warum das Paar trotz der jüngsten Volatilität bei den Zinserwartungen in einer Handelsspanne geblieben ist.
Da EUR/USD nahe 1,1408 gehandelt wird, dürfte heute Abend nicht die EZB, sondern die Fed-Entscheidung die nächste größere Richtung des Paares bestimmen.
EUR/USD Technische Analyse
Wie der EUR/USD-Chart zeigt, konsolidiert das Paar seit Ende Juni in einer klar definierten Spanne, eingeklemmt zwischen einer aufwärtsgerichteten und einer abwärtsgerichteten Trendlinie, die beide um den aktuellen Preis nahe 1,1400 zusammenlaufen. Der 200-Perioden-EMA verläuft weiterhin oberhalb des Kurses abwärts und unterstreicht damit das vorsichtige technische Umfeld vor der Fed-Entscheidung. Mit anderen Worten: Der Markt nähert sich einem Punkt, an dem geldpolitische Schlagzeilen und die Chartstruktur auf denselben engen Bereich zulaufen, wodurch diese aktuelle Zone wichtiger wird als die jüngsten täglichen Schwankungen.
Bullisches Szenario
Falls der Dollar auf eine dovishe Fed-Entscheidung hin schwächer wird, müsste EUR/USD über die zusammenlaufenden Trendlinien ausbrechen und das 0,382-Fibonacci-Retracement nahe 1,1420 zurückerobern, wobei der 200-Perioden-EMA knapp darüber als nächste zentrale Hürde fungieren würde. Ein bestätigter Ausbruch über diesen Durchschnitt könnte den Weg in Richtung der 0,5- und 0,618-Retracements nahe 1,1480 bis 1,1500 öffnen, wo stärkerer Widerstand die Anstiege seit Ende Juni begrenzt hat.
Bärisches Szenario
Umgekehrt könnte eine hawkishe Überraschung oder sogar eine Zinserhöhung den Euro deutlich tiefer schicken und sowohl die aufwärtsgerichtete Trendlinie als auch die psychologisch wichtige Unterstützung bei 1,1360 brechen. Ein bestätigter Rückfall unter diesen Bereich würde die Zone um 1,1320 freilegen, das 0,0-Fibonacci-Niveau, das den Beginn der gesamten Erholungsbewegung markiert, mit weiterem Abwärtsrisiko in Richtung neuer Mehrwochentiefs, falls sich der Verkaufsdruck beschleunigt.
Da der Kurs genau am Schnittpunkt beider Trendlinien liegt und die Fed-Entscheidung nur noch Stunden entfernt ist, scheint EUR/USD für eine deutliche Bewegung bereit zu sein. Wird der Dollar seine Dominanz erneut behaupten, oder kann sich der Euro endlich aus dieser Spanne lösen?