NachrichtenMakroEZB belässt die Leitzinsen unverändert amid anhaltender Unsicherheit durch den Energieschock

EZB belässt die Leitzinsen unverändert amid anhaltender Unsicherheit durch den Energieschock

Autor: ForexLive·

Wichtige Erkenntnisse

  • Der EZB-Rat beließ am 23. Juli 2026 alle drei Leitzinsen unverändert – die Einlagefazilität bei 2,25 %, die Hauptrefinanzierungsgeschäfte bei 2,40 % und die Spitzenrefinanzierungsfazilität bei 2,65 %.
  • Der Rat betonte, dass die Unsicherheit weiterhin hoch ist und dass sich die vollständige inflationäre Wirkung des Energieschocks noch nicht vollständig entfaltet hat, was eine genaue Beobachtung von Zweitrundeneffekten wie dem Lohnwachstum erforderlich macht.
  • Die EZB wird einen datenabhängigen, von Sitzung zu Sitzung festgelegten Ansatz für künftige Zinsentscheidungen verfolgen und ausdrücklich erklärt, dass sie sich nicht im Voraus auf eine bestimmte Zinstrajektorie festlegt.
  • Sowohl das Portfolio des Anleihekaufprogramms als auch des Pandemie-Notfallkaufprogramms schrumpfen weiter, da das Eurosystem die Tilgungszahlungen aus fälligen Wertpapieren nicht mehr reinvestiert.
  • Das Transmission Protection Instrument bleibt verfügbar, um unbegründete und ungeordnete Marktdynamiken abzuwehren, die eine reibungslose Transmission der Geldpolitik in den Ländern des Euroraums gefährden könnten.
EZB belässt die Leitzinsen unverändert amid anhaltender Unsicherheit durch den Energieschock

Am 23. Juli 2026 beschloss der Rat der Europäischen Zentralbank, alle drei EZB-Leitzinsen auf dem aktuellen Niveau zu belassen, nachdem in einer Phase aktiver geldpolitischer Anpassungen eine Pause eingelegt wird, um zu beurteilen, ob sich die Inflation auf einem nachhaltigen Rückweg zum Ziel befindet.

Energiepreise und Inflationsaussichten

Die Aussichten für die Energiepreise bleiben zwar hochgradig volatil, liegen derzeit jedoch nahe an der Grundlinie der Eurosystem-Prognosen des Personals vom Juni und deutlich über den Werten, die vor dem Konflikt im Nahen Osten verzeichnet wurden. Der EZB-Rat betonte, dass die Unsicherheit weiterhin hoch bleibt und dass sich die vollständige inflationäre Wirkung des Energieschocks noch nicht entfaltet hat. Dementsprechend überwacht der Rat die Intensität und Dauer des Schocks sowie dessen indirekte und Zweitrundeneffekte – wie Lohnwachstum und das Preisverhalten der Unternehmen –, die die Inflation selbst dann hoch halten können, wenn sich die Energiekosten auf einem Plateau einpendeln.

Der Rat bekräftigte erneut sein Engagement, die Geldpolitik so auszurichten, dass die Inflation mittelfristig an seinem Ziel von 2 % stabilisiert wird – dem Maßstab, den er zur Aufrechterhaltung der Preisstabilität im 20 Länder umfassenden Euroraum verwendet.

Datenabhängiger Ansatz

Mit dieser Entscheidung erklärte der Rat, dass er weiterhin gut positioniert ist, um die durch den Konflikt verursachte Unsicherheit zu bewältigen. Der Rat wird einen datenabhängigen, von Sitzung zu Sitzung festgelegten Ansatz zur Bestimmung der angemessenen geldpolitischen Ausrichtung verfolgen. Zinsentscheidungen werden auf der Bewertung der Inflationsaussichten und der damit verbundenen Risiken durch den Rat basieren, wobei eingehende wirtschaftliche und finanzielle Daten, die Dynamik der Kerninflation und die Stärke der geldpolitischen Transmission berücksichtigt werden. Der EZB-Rat erklärte ausdrücklich, dass er sich nicht im Voraus auf einen bestimmten Zinspfad festlegt.

EZB-Leitzinsen

Die Zinssätze bleiben wie folgt unverändert:

  • Einlagefazilität: 2,25 %
  • Hauptrefinanzierungsgeschäfte: 2,40 %
  • Spitzenrefinanzierungsfazilität: 2,65 %

Der Zinssatz für die Einlagefazilität, bei dem Banken Zinsen auf überschüssige Reserven erhalten, die im Eurosystem geparkt werden, ist das wichtigste Instrument der EZB zur Steuerung der kurzfristigen Geldmarktzinsen und damit der Kreditkosten im gesamten Euroraum.

Anleihekaufprogramme

Die Portfolios des Anleihekaufprogramms (APP) und des Pandemie-Notfallkaufprogramms (PEPP) schrumpfen in einem moderaten und vorhersehbaren Tempo weiter, da das Eurosystem die Tilgungszahlungen aus fälligen Wertpapieren nicht mehr reinvestiert. Dieser allmähliche Abbau, manchmal als passive quantitative Straffung bezeichnet, reduziert die Größe der Bilanz der EZB, die durch Anleihekäufe, die zunächst nach der Schuldenkrise im Euroraum (APP) und dann während der COVID-19-Pandemie (PEPP) aufgelegt wurden, erheblich expandiert war.

Bereitschaft zum Handeln

Der Rat steht bereit, alle seine Instrumente im Rahmen seiner Befugnisse anzupassen, um sicherzustellen, dass die Inflation mittelfristig auf dem 2 %-Ziel stabilisiert wird und das reibungslose Funktionieren der geldpolitischen Transmission erhalten bleibt. Das Transmission Protection Instrument (TPI) bleibt verfügbar, um unbegründete, ungeordnete Marktdynamiken abzuwehren, die eine ernsthafte Bedrohung für die Transmission der Geldpolitik in allen Ländern des Euroraums darstellen, und ermöglicht es dem Rat damit, sein Mandat zur Gewährleistung der Preisstabilität wirksamer zu erfüllen.

Der EZB-Präsident wird heute um 14:45 Uhr MEZ auf einer Pressekonferenz zu den Überlegungen Stellung nehmen, die diesen Entscheidungen zugrunde liegen, wo die Märkte nach Signalen suchen werden, ob weitere Zinsanpassungen geprüft werden.

Quelle: ForexLive / InvestingLive