Wie stark werden die Cybersicherheitskosten steigen? Schätzungen und Perspektiven
Wichtige Erkenntnisse
- •Vielzitierte Projektionen wie die Schätzung von Cybersecurity Ventures über 10,5 Billionen Dollar jährliche globale Cyberschäden für 2025 haben den öffentlichen Diskurs geprägt, fehlen jedoch häufig eine detaillierte methodische Untermauerung.
- •Eine aktuelle Schätzung projiziert zusätzliche 100 Milliarden Dollar an jährlichen Cybersicherheitskosten für das Vereinigte Königreich – dies entspricht etwa einer zwanzigprozentigen Steigerung und rund drei Prozent des britischen BIP.
- •Superforecaster-Schätzungen und die KI-gestützte Kostenmodellierung von Brad Carson stellen strukturierte alternative Ansätze zur Vorhersage cyberkriminalitätsbedingter finanzieller Verluste dar.
- •Der Autor argumentiert, dass die Angabe von Cyberkriminalitätskosten als Prozentsatz des BIP mehr Perspektive schaffen und emotionalen Überschuss in Diskussionen über KI- und Cybersicherheitsrisiken reduzieren würde.
- •Der Autor weist das Argument zurück, dass die Forderung nach rigoroser Quantifizierung von KI-Sicherheitsbefürwortern einen unfair isolierten Standard darstellt, und behauptet, dass ernsthaft Besorgte solche Rigorosität begrüßen sollten.

Während Cybersicherheitsbedrohungen weltweit weiter zunehmen, arbeiten Analysten und Forscher daran, die finanziellen Auswirkungen steigender Cyberkriminalitätskosten zu quantifizieren. Die Dimensionen sind erheblich: Vielzitierte Branchenprojektionen, wie die Schätzung von Cybersecurity Ventures, wonach die globalen Schäden durch Cyberkriminalität bis 2025 jährlich 10,5 Billionen Dollar erreichen könnten, haben weite Teile der öffentlichen und politischen Debatte geprägt – doch solche Schlagzahlen fehlen häufig eine detaillierte Methodik. Vor diesem Hintergrund liefern mehrere aktuelle Schätzungen zwar partielle, aber konkrete Zahlen, während der breitere öffentliche Diskurs weiterhin stark von Alarmismus und wenig von Spezifika geprägt ist.
Eine partielle Schätzung höherer Cyberkosten stammt aus Forschung, die darauf abzielt, den globalen jährlichen Schaden durch Cyberkriminalität in Zahlen zu fassen. zwar ist die Anzahl der zugrunde liegenden Vorfälle nicht vollständig klar, erscheinen die Zahlen jedoch realistisch – und angesichts der in der öffentlichen Diskussion verbreiteten Besorgnis sogar eher bescheiden. Wie der Autor anmerkt, mag dies zwar nicht das Niveau eines Gilda-Radner-„Never-Mind"-Moments erreichen, doch es zeigt den Wert des Versuchs, konkret zu werden.
Eine weitere Schätzung projiziert für das Vereinigte Königreich allein zusätzlich 100 Milliarden Dollar an jährlichen Cybersicherheitskosten, was etwa einer zwanzigprozentigen Steigerung der gesamten britischen Cyberkosten entspricht. Umgesetzt in den vom Autor befürworteten BIP-Anteils-Rahmen entsprechen 100 Milliarden Dollar rund drei Prozent des britischen BIP – eine bedeutsame, aber nicht katastrophale Größenordnung. Diese Zahl erscheint dem Author ebenfalls plausibel.
Brad Carson hat KI-Agenten zur Erstellung von Kostenschätzungen eingesetzt. Während Carson glaubt, der Autor stimme seinem Ansatz nicht zu, stellt dieser klar, dass dem nicht so ist – er wünscht sich lediglich exakte Zahlen, ausgewiesen als Anteil am BIP, was zu mehr Perspektive und Gelassenheit in der Debatte beitragen könnte.
Auch Superforecaster-Schätzungen liegen vor und bieten einen weiteren strukturierten Ansatz zur Vorhersage cyberkriminalitätsbedingter finanzieller Verluste. Diese Aggregationsmethoden greifen auf dieselbe Disziplin zurück, die auch in Prognosemärkten und staatlichen Früherkennungsprogrammen eingesetzt wird, und wenden strukturierte Erhebungsmethoden an, um Verzerrungen in vorausschauenden Risikobewertungen zu reduzieren.
Über die Zahlen hinaus beobachtet der Autor ein Muster von Fehlern in der Finanzökonomie in den Social-Media-Diskussionen über Cybersicherheit und KI-Risiken. Insbesondere stellt er fest, dass sehr intelligente Menschen bei diesem Thema dazu neigen, fehlerhafte Argumente vorzubringen – besonders wenn es um das Thema „Short Selling" geht, vermutlich in Bezug auf Strategien zur Absicherung oder zum Profit von erwarteten cyberbedingten Marktstörungen.
Der Autor geht zudem auf die manchmal als „Vorsicht vor isolierten Rigorositätsforderungen" bezeichnete Reaktion ein – das Argument, es sei unfair, von einer Seite rigorose Quantifizierung zu verlangen, von anderen jedoch nicht. Er weist diese Perspektive zurück und argumentiert, dass diejenigen, die ernsthaft besorgt über KI sind, Rigorosität eigeninitiativ bieten sollten, unabhängig davon, ob anderswo ähnliche Standards angelegt werden.
In etwas provokativerer Weise schlägt der Autor eine halb ernsthafte Regel vor: Alle Äußerungen von Verzweiflung, Trauer, Panik oder Wut im Zusammenhang mit KI-Sicherheit – mit oder ohne animierte GIFs – sollten mit einer Fußnote einhergehen, die die jeweiligen Kosten als Prozentsatz des BIP schätzt. Eine solche Anforderung, so seine Überzeugung, würde Vernunft in die Diskussion bringen und einen Teil der emotionalen Überschüsse herausfiltern, die derzeit die Debatte prägen.
Quelle: Marginal Revolution