CoreWeave-Aktie riskiert Rückgang auf 64 USD trotz KI-Auftragsbestand von 104 Milliarden USD
Wichtige Erkenntnisse
- •CoreWeave meldete einen Umsatz von 2,57 Milliarden USD im zweiten Quartal, nach 1,2 Milliarden USD im Vorjahresquartal, und prognostiziert für das dritte Quartal einen Umsatz von 3,45 bis 3,60 Milliarden USD.
- •Der Auftragsbestand des Unternehmens stieg auf über 104 Milliarden USD, gestützt auf Aufträge von OpenAI, Nvidia, Anthropic, Microsoft und Meta Platforms.
- •CoreWeave erhöhte seine Kapitalausgabenprognose für 2026 auf 35 bis 39 Milliarden USD, was die Kosten seiner Expansionsstrategie verdeutlicht.
- •Das Unternehmen beendete das letzte Quartal mit Schulden von mehr als 27 Milliarden USD und erwartet Zinsaufwendungen von 860 bis 940 Millionen USD im dritten Quartal.
- •Ein TradingView-Chart zeigt eine mögliche Kopf-Schulter-Formation, wobei 64 USD als bedingtes Kursziel nach unten genannt wird, falls die Unterstützung bricht.

CoreWeave (CRWV) hat einen Großteil seiner Kurssteigerung nach den Quartalszahlen wieder abgegeben; die Aktie fiel zurück in Richtung 91 USD, obwohl das Unternehmen einen Rekordumsatz im Quartal erzielte. Die Papiere notieren weiterhin deutlich unter den bisherigen Höchstständen, obwohl das Umsatzwachstum im vergangenen Quartal erneut rasch zulegte – ein Hinweis darauf, wie schnell Anleger die Aktie angesichts der Kosten neu gewichten, die für die Aufrechterhaltung dieses Wachstums erforderlich sind.
Der Rückgang spiegelt einen Zielkonflikt im Kern von CoreWeaves Geschäftsmodell wider. Die Nachfrage nach KI-Infrastruktur steigt weiter, doch das Geschäft erfordert hohe Kapitalausgaben und ist mit hohen Finanzierungskosten verbunden. CoreWeave hat zudem seine Prognose für die Kapitalausgaben im Jahr 2026 auf eine Spanne von 35 Milliarden bis 39 Milliarden USD angehoben. Auch der technische Druck hat zugenommen: Das Tageschart zeigt eine mögliche Kopf-Schulter-Formation, wobei 64 USD als Kursziel nach unten in den Fokus rückt, sollte die aktuelle Unterstützung brechen.
Aktien geben trotz beschleunigtem Wachstum nach
Die CRWV-Aktie befindet sich im freien Fall, obwohl Umsatz und Auftragsbestand auf Rekordhochs geklettert sind. Der jüngste Geschäftsbericht zeigte, dass der Auftragsbestand auf über 104 Milliarden USD gestiegen ist, getragen von Großaufträgen von Unternehmen wie OpenAI, Nvidia, Anthropic, Microsoft und Meta Platforms.
Unter den Neocloud-Unternehmen verfügt CoreWeave über die diversifizierteste Kundenbasis. Neben den großen KI-Firmen zählt Jane Street sowohl zu den Investoren als auch zu den Kunden von CoreWeave; zudem bedient das Unternehmen kleinere KI-Labore wie Corehere, Mistral AI und Decart.
Der Umsatz im zweiten Quartal stieg auf 2,57 Milliarden USD gegenüber 1,2 Milliarden USD im Vorjahreszeitraum. Das Management erwartet, dass dieses Wachstum anhält, und prognostiziert für das dritte Quartal einen Umsatz von 3,45 Milliarden bis 3,60 Milliarden USD sowie ein bereinigtes Betriebsergebnis von 200 Millionen bis 260 Millionen USD.
Analysten erwarten, dass die Expansion in absehbarer Zukunft anhalten wird. Daten von Yahoo Finance zeigen, dass der Konsens für den Jahresumsatz in diesem Jahr einen Anstieg um 151 % auf 12,90 Milliarden USD und im kommenden Jahr 26,3 Milliarden USD vorsieht.
Wachstum hat seinen Preis
Mehrere Faktoren erklären, warum die CRWV-Aktie trotz anhaltenden Umsatz- und Auftragwachstums fällt. Zum einen hat die Expansion ihren Preis: Die jährlichen Kapitalausgaben werden voraussichtlich zwischen 35 Milliarden und 39 Milliarden USD liegen.
Die Herausforderung: CoreWeaves Schuldenlast wächst weiter. Das Unternehmen beendete das letzte Quartal mit Gesamtschulden von mehr als 27 Milliarden USD, was wiederum zu einem deutlichen Anstieg der Zinsaufwendungen geführt hat. CoreWeave erwartet, im dritten Quartal Zinsen von zwischen 860 Millionen und 940 Millionen USD zu zahlen, nach einem Anstieg um 640 Millionen USD im zweiten Quartal – Werte, die in absehbarer Zukunft voraussichtlich weiter steigen werden.
Gleichzeitig erhöhen Sorgen über eine KI-Blase, deren Platzen manche Analysten langfristig erwarten, den Druck zusätzlich. Michael Burry, der die globale Finanzkrise (GFC) korrekt vorhergesagt hatte, hat gegen das Unternehmen und andere KI-Werte Leerverkäufe eröffnet. Auch andere Anleger haben ähnliche Positionen aufgebaut, wodurch die Short-Quote auf über 14 % gestiegen ist.
Leerverkäufer verweisen zudem auf den erheblichen Geldmittelverbrauch von CoreWeave. Der Nettoverlust des Unternehmens weitete sich im zweiten Quartal auf 626 Millionen USD aus, gegenüber 290 Millionen USD im Vorjahreszeitraum. Einer der wesentlichen Treiber dieser Verluste sind die Abschreibungen, die im letzten Quartal sprunghaft auf 1,3 Milliarden USD anstiegen.
Kopf-Schulter-Formation hält 64 USD im Blick
Die technische Analyse fügt der Aktie einen weiteren Druckfaktor hinzu. Das TradingView-Tageschart zeigt, wie CRWV nach einem erneuten Test des Widerstands bei rund 117,30 USD nachgab – eine Zone, die dem Bereich des linken Schulterpunkts einer möglichen Kopf-Schulter-Formation entspricht. Anschließend kehrte die Aktie in den Bereich knapp über 90 USD zurück.
CRWV hat sich zudem seinem 61,8-%-Fibonacci-Retracement-Niveau genähert. Ein nachhaltiger Bruch unterhalb dieses Bereichs würde die bärische technische Struktur verstärken.
Die Kopf-Schulter-Formation bleibt unvollständig, bis der Kurs einen Bruch der Nackenlinie bestätigt – eine Unterscheidung, die von Bedeutung ist, da die Formation scheitern kann, wenn Käufer vor der Bestätigung wieder die Kontrolle übernehmen. Das Chart verortet die nächste größere Unterstützungszone bei rund 64 USD. Ein Rückgang von 91 USD auf 64 USD entspräche einem Kursverlust von rund 30 %. Dennoch bleibt 64 USD ein bedingtes technisches Ziel und keine bestätigte Prognose: CRWV müsste zunächst die nahegelegene Unterstützung durchbrechen und die bärische Umkehrformation vollenden.
Das Aufwärtsszenario beginnt mit einer Erholung über den jüngsten Konsolidierungsbereich hinaus. Ein nachhaltiger Anstieg zurück über 117,30 USD würde die Kopf-Schulter-Konstellation schwächen und den Blick wieder auf die bisherigen Höchststände lenken.
Vorerst deuten Fundamentaldaten und technische Indikatoren in unterschiedliche Richtungen. CoreWeaves Auftragsbestand von 104 Milliarden USD stützt ein anhaltendes Umsatzwachstum, doch die geplanten Kapitalausgaben von 35 bis 39 Milliarden USD und die steigenden Zinskosten lassen die Aktie empfindlich auf Finanzierungsbedingungen reagieren. Die nächste Kursbewegung wird davon abhängen, ob eine Verbesserung der operativen Hebelwirkung die Kosten ausgleichen kann, die zur Finanzierung dieses Wachstums erforderlich sind.
Dieser Artikel dient ausschließlich Informationszwecken und stellt keine Anlageberatung dar. Aktienmärkte können starke Kursschwankungen aufweisen.
Quelle: The Market Periodical