Coldcard-Folgen zeigen sich on-chain, da 210.000 Bitcoin (BTC) alte Wallets verlassen
Wichtige Erkenntnisse
- •Rund 210.000 BTC verließen in der vergangenen Woche Wallets von Langzeithaltern und senkten das Angebot von knapp 15 Millionen auf etwa 14,7 Millionen BTC, den größten Rückgang seit Dezember 2024.
- •Der Coldcard-Verstoß entstand durch schwache Zufallszahlen in der Firmware und ermöglichte Angreifern, Wallet-Wiederherstellungsphrasen zu rekonstruieren und Mittel zu stehlen; die Verluste werden auf bis zu 114 Millionen US-Dollar geschätzt.
- •Die Abflüsse erfolgen nahe den Markttiefs, während Bitcoin bei rund 64.000 US-Dollar handelt, was eher auf eine Veränderung der Verwahrung als auf Gewinnmitnahmen erfahrener Halter hindeutet.
- •Coldcard-Hersteller Coinkite riet betroffenen Nutzern, neue Wallets zu erstellen und ihre Bitcoin zu bewegen, und warnte, dass Firmware-Updates allein bereits kompromittierte Schlüssel nicht absichern können.
- •US-Spot-Bitcoin-ETFs verzeichneten in der vergangenen Woche Zuflüsse von rund 754 Millionen US-Dollar, was auf eine breitere Verlagerung zu regulierten Verwahrungslösungen hindeuten könnte.

Coldcard-Folgen zeigen sich on-chain, da 210.000 Bitcoin alte Wallets verlassen
Rund 210.000 BTC sind in der vergangenen Woche aus Wallets von Langzeithaltern (LTH) abgezogen worden, was den größten derartigen Rückgang seit Dezember 2024 markiert, als Bitcoin sich erstmals 100.000 US-Dollar näherte. Die Bewegung fällt zeitlich mit der Coldcard-Sicherheitsverletzung zusammen und scheint eher einen breiten Wechsel bei Verwahrungspraktiken als konventionelle Verkäufe widerzuspiegeln.
Coldcard, hergestellt vom in Kanada ansässigen Unternehmen Coinkite, ist eine der am weitesten verbreiteten Hardware-Wallets nur für Bitcoin und wird von Befürwortern der Selbstverwahrung wegen ihres Air-Gap-Designs und der Open-Source-Firmware geschätzt. Der Vorfall ist daher über die direkten Verluste hinaus von Bedeutung, da er das Vertrauen in Hardware-Wallets als Kategorie testet — ein Grundpfeiler der Bitcoin-Selbstverwahrungsphilosophie.
Laut Glassnode-Daten ist das Angebot der Langzeithalter von knapp unter 15 Millionen BTC — nahe einem Allzeithoch — auf etwa 14,7 Millionen BTC gefallen. Glassnode definiert Langzeithalter als Entitäten, deren Coins seit rund 155 Tagen oder etwas mehr als fünf Monaten nicht bewegt wurden. Diese Gruppe wird häufig als das „smarte Geld“ des Marktes beschrieben, da ihre Mitglieder kurzfristige Volatilität in der Regel aussitzen.
Historisch ging starkes Ausgeben durch Langzeithalter mit Phasen von Markstärke oder Kurshochs einher. Ähnliche Verteilungswellen traten um die Markthochs im März 2021, März 2024 und Dezember 2024 auf, als erfahrene Halter bei steigender Nachfrage Gewinne mitnahmen.
Diesmal jedoch findet die Bewegung nahe den Tiefs statt. Bitcoin notiert bei rund 64.000 US-Dollar, etwa 50% unter seinem Allzeithoch vom Oktober. Dies legt nahe, dass es sich bei den Abflüssen nicht um Gewinnmitnahmen handelt, sondern um eine Verlagerung der Art und Weise, wie Bitcoin nach dem Coldcard-Vorfall verwahrt wird. Bemerkenswert ist zudem, dass Bitcoin nach dem Hack keine neuen Tiefststände markierte.
Der Coldcard-Verstoß
Die Sicherheitsverletzung ging auf schwache Zufallszahlen in der betroffenen Coldcard-Firmware zurück, wodurch Angreifer einige Wallet-Wiederherstellungsphrasen von Nutzern rekonstruieren und deren Bitcoin abziehen konnten. Tausende Adressen waren betroffen, die geschätzten Verluste belaufen sich auf bis zu 114 Millionen US-Dollar.
Coldcard forderte die betroffenen Nutzer anschließend auf, neue Wallets zu erstellen und ihre Mittel zu übertragen, und wies laut CoinDesk darauf hin, dass ein Firmware-Update allein Schlüssel, die möglicherweise bereits kompromittiert sind, nicht absichern kann.
Verlagerung der Verwahrung im Gange
Ein Teil des Rückgangs beim Angebot der Langzeithalter dürfte daher darauf zurückzuführen sein, dass Nutzer Bitcoin in neu erzeugte Wallets mit stärkeren Sicherheitsvorkehrungen transferieren. Andere Halter könnten Vermögenswerte zu regulierten Verwahrern oder Spot-Bitcoin-ETFs verlagern, da sie die Risiken der Selbstverwahrung neu bewerten. Analysten hatten bereits darauf hingewiesen, dass der Coldcard-Exploit die Nachfrage nach reguliertem Bitcoin-Exposure beschleunigen könnte.
Auch ETF-Ströme scheinen etwas Unterstützung zu bieten. US-Spot-Bitcoin-ETFs zogen in der vergangenen Woche rund 754 Millionen US-Dollar an, wobei BlackRocks iShares Bitcoin Trust (IBIT) den Großteil dieser Zuflüsse auf sich vereinte, wie CoinDesk berichtete.
Wichtige Unterscheidung
Die entscheidende Erkenntnis ist, dass eine On-Chain-Bewegung nicht zwangsläufig Verkäufe bedeutet. In diesem Fall könnte der Rückgang des Angebots bei Langzeithaltern eher eine breitere Verlagerung der Bitcoin-Verwahrung abbilden als einen direkten Vertrauensverlust erfahrener Halter. Ob sich diese Verlagerung als vorübergehend erweist oder eine dauerhafte Umschichtung hin zu institutionellen Verwahrungslösungen signalisiert, wird sich in den kommenden Wochen anhand der weiteren Entwicklung des LTH-Angebots und der ETF-Flussdaten zeigen.