Zentralbanken halten erstmals seit 1996 mehr Gold als US-Staatsanleihen
Wichtige Erkenntnisse
- •Die Goldbestände der Zentralbanken haben erstmals seit 1996 die Bestände an US-Staatsanleihen übertroffen.
- •Die Einfrierung von 300 Milliarden Dollar an russischen Reserven im Jahr 2022 hat die Sorge über geopolitische Risiken im Ausland gehaltener Dollar-Vermögenswerte verschärft.
- •Zentralbanken sind seit mehr als einem Jahrzehnt Netto-Käufer von Gold, wobei sich die Käufe auf Institutionen aus Schwellenländern konzentrieren.
- •Fast drei Viertel der Reserve-Manager erwarten, dass der Anteil des US-Dollars an den globalen Reserven innerhalb von fünf Jahren sinken wird.
- •Der Dollar-Anteil an den zugeteilten globalen Reserven ist seit über 70 Prozent in den frühen 2000er Jahren allmählich gesunken, bleibt aber die größte einzelne Reservewährung.

Zentralbanken halten inzwischen mehr Gold als US-Staatsanleihen als Reserveanlage – das erste Mal seit 1996, dass Gold die Staatsanleihen in den Beständen der Zentralbanken übertrifft. Dies geht aus Informationen hervor, die auf X von CoinBureau geteilt wurden.
Die Verschiebung erfolgt vor dem Hintergrund wachsender Prüfung der Risiken, die mit dem Halten von auf US-Dollar lautenden Vermögenswerten verbunden sind. Die Einfrierung von 300 Milliarden Dollar an russischen Reserven nach der Invasion der Ukraine 2022 wird weithin als Wendepunkt angeführt, der zeigte, wie im Ausland gehaltene Dollar-Vermögenswerte Finanzbeschränkungen unterliegen können.
Die veränderte Zusammensetzung der offiziellen Reserven verdeutlicht eine umfassendere Neubewertung des Managements internationaler Vermögenswerte durch Zentralbanken, wobei Gold eine zunehmend wichtige Rolle spielt.
Gold überholt US-Staatsanleihen in den Zentralbankreserven
Historisch gesehen haben Zentralbanken beträchtliche Mengen an US-Staatsanleihen als Teil ihrer Devisenreserven gehalten. Staatsanleihen sind bei Reserve-Managern wegen der Größe und Liquidität des US-Staatsanleihemarkts beliebt.
Gold hingegen erregt zunehmend Aufmerksamkeit bei Zentralbanken, die ihre Reserven diversifizieren möchten. Laut Berichten des World Gold Council sind Zentralbanken seit mehr als einem Jahrzehnt Netto-Käufer von Gold, wobei die jährlichen Käufe in den letzten Jahren auf historisch hohem Niveau liegen und der Kauf sich auf Institutionen aus Schwellenländern konzentriert.
Den in dem X-Post zitierten Informationen zufolge halten Zentralbanken nun mehr Gold als US-Staatsanleihen. Diese Veränderung markiert einen bemerkenswerten Meilenstein: Gold hatte seit 1996 die Staatsanleihen in den Zentralbankbeständen nicht mehr übertroffen.
Diese Entwicklung bedeutet nicht, dass US-Staatsanleihen keine wichtige Rolle mehr in den globalen Reserven spielen. Vielmehr spiegelt sie eine Veränderung im relativen Gleichgewicht zwischen beiden Anlageklassen wider, da Zentralbanken ihre Gold-Quote erhöhen.
Russlands Einfrierung von 300 Milliarden Dollar an Reserven veränderte die Debatte
Die Einfrierung von 300 Milliarden Dollar an russischen Reserven im Jahr 2022 ist zu einem wichtigen Bezugspunkt in Diskussionen über die Sicherheit von Devisenreserven geworden.
Nach Russlands Invasion der Ukraine verhängten westliche Regierungen umfangreiche Finanzsanktionen, darunter Beschränkungen, die die in den betroffenen Rechtsräumen gehaltenen Reserven der russischen Zentralbank betrafen.
Das Ereignis zeigte, dass in ausländischen Finanzsystemen gehaltene staatliche Reserven unter bestimmten Umständen staatlichen Beschränkungen unterliegen können. Für Reserve-Manager warf die Entwicklung Fragen zu den geopolitischen Risiken von Vermögenswerten auf, die innerhalb der Finanzinfrastruktur eines anderen Landes gehalten werden.
Gold unterscheidet sich von Staatsanleihen dadurch, dass physisches Bullion keinen Anspruch gegenüber einer anderen Regierung darstellt. Zentralbanken können Gold direkt als Teil ihrer Reserven halten, obwohl Lagerung, Transport und Verwaltung von physischem Gold mit operativen Herausforderungen verbunden sind. In den Jahren seit der Einfrierung haben einige Zentralbanken auch im Ausland gelagertes Gold zurückgeführt und alternative Lagervereinbarungen gesucht, was auf erhöhte Aufmerksamkeit für Verwahrrisiken hindeutet.
Reserve-Manager erwarten einen Rückgang des Dollar-Anteils
Die Verschiebung hin zu Gold geht mit Erwartungen einher, dass der US-Dollar in den kommenden Jahren einen kleineren Anteil an den globalen Reserven ausmachen könnte.
Laut den von CoinBureau zitierten Daten des World Gold Council erwarten nun fast drei Viertel der Reserve-Manager, dass der Dollar-Anteil an den globalen Reserven innerhalb von fünf Jahren sinken wird.
Diese Erwartung zeigt, dass ein erheblicher Anteil der Reserve-Manager von einer weiteren Diversifizierung weg vom Dollar ausgeht. Solche Veränderungen können mehrere Reservenanlageklassen umfassen und beschränken sich nicht zwingend auf eine Verschiebung von US-Staatsanleihen in Gold. IMF-Daten zu Devisenreserven zeigen, dass der Dollar-Anteil an den zugeteilten globalen Reserven seit dem Niveau der frühen 2000er Jahre, als er über 70 Prozent lag, allmählich gesunken ist – auch wenn er weiterhin die größte einzelne Reservewährung ist.
Der US-Dollar bleibt gleichwohl ein wesentlicher Bestandteil des internationalen Finanzsystems und spielt nach wie vor eine zentrale Rolle im globalen Handel, bei Investitionen und auf den Finanzmärkten.
Golds wachsende Rolle im globalen Reservemanagement
Die gestiegene Bedeutung von Gold bei Zentralbanken spiegelt seine langjährige Funktion als Reserveanlage und Wertspeicher wider. Anders als ausländische Staatsanleihen ist Gold nicht von der Kreditwürdigkeit eines Emittenten abhängig.
Die Nachfrage der Zentralbanken ist daher zu einem bedeutenden Faktor am globalen Goldmarkt geworden. Die wachsende Betonung der Reserve-Diversifizierung spiegelt auch die breitere Berücksichtigung geopolitischer und finanzieller Risiken im offiziellen Vermögensmanagement wider. Anhaltende Käufe des offiziellen Sektors zählen zu den Nachfragequellen, die in den regelmäßigen Nachfrageberichten des World Gold Council erfasst werden. deren Fortsetzung – zusammen mit den oben genannten Erwartungen der Reserve-Manager – bietet Beobachtern einen konkreten Indikator zur Einschätzung, ob der Trend zu Gold anhält.
Die jüngste Verschiebung markiert einen bedeutenden Punkt im Verhältnis zwischen Gold und US-Staatsanleihen. Da Zentralbanken nun erstmals seit 1996 mehr Gold als Staatsanleihen halten, tritt die Zusammensetzung der globalen Reserven in eine Phase bemerkenswerter Veränderung ein.