Öl-Ausblick: Spannungen im Nahen Osten halten die Rohölmärkte in Atem
Wichtige Erkenntnisse
- •Brent-Rohöl notierte am 4. September bei rund 96 US-Dollar pro Barrel und legte im Wochenverlauf um 7,6 % zu, da sich die Spannungen zwischen den USA und dem Iran verschärften.
- •Die Straße von Hormus wickelt rund ein Fünftel des weltweiten Verbrauchs an flüssigen Erdölprodukten ab, sodass jede Störung den gesamten Weltmarkt betrifft.
- •Citi prognostiziert Brent bei 110 US-Dollar für das Q2, 95 US-Dollar für das Q3 und 80 US-Dollar für das Q4 2026 und hält unter einem anhaltenden Hormus-Störungsszenario Preise von bis zu 150 US-Dollar für möglich.
- •ANZ erwartet, dass der globale Ölverbrauch im Jahr 2026 um 1,7 Millionen Barrel pro Tag sinkt und durchschnittlich 102,5 Millionen Barrel pro Tag betragen wird.
- •Laut der August-Umfrage von Reuters unter 31 Analysten liegt der Durchschnittspreis für Brent 2026 bei 85,08 US-Dollar pro Barrel – deutlich unter Citis Störungsszenario.

Die Ölmärkte gehen mit einem vertrauten Problem in den September: knapes Angebot, aufgebrauchte Lagerbestände und ein ungelöster Konflikt im Nahen Osten halten den Aufwärtsdruck auf die Rohölpreise aufrecht.
Brent-Rohöl ist diese Woche deutlich gestiegen, da sich die Spannungen zwischen den Vereinigten Staaten und dem Iran verschärft haben. Am 4. September notierte Brent bei rund 96 US-Dollar pro Barrel, nachdem es im Wochenverlauf um 7,6 % zugelegt hatte.
Das Kernproblem besteht darin, dass die globalen Lagerbestände aufgebraucht sind, während die Lieferungen durch den Nahen Osten weiterhin gestört sind. ANZ erwartet, dass die Produktion aus dem Iran und Saudi-Arabien bis August und September unter Druck bleibt und sich die Versorgung aus dem Persischen Golf erst gegen Ende 2026 zu erholen beginnt. Das macht den Markt anfällig für einen weiteren Angebotsschock, zumal die saisonale Nachfrage der Nordhalbkugel näher rückt.
Die Geografie der Region verstärkt das Risiko. Die Straße von Hormus, die enge Meerenge zwischen dem Iran und Oman, wickelt nach Angaben der US Energy Information Administration rund ein Fünftel des weltweiten Verbrauchs an flüssigen Erdölprodukten ab. Das bedeutet: Selbst eine teilweise Störung der Flüsse betrifft den gesamten Weltmarkt und nicht nur die Region. Auch die Ersatzkapazitäten, die einen Schock ausgleichen könnten, konzentrieren sich weitgehend auf den Nahen Osten selbst, was den Puffer von Produzenten außerhalb der Region begrenzt.
Citi hat seine Brent-Prognosen auf 110 US-Dollar pro Barrel für das zweite Quartal, 95 US-Dollar für das dritte Quartal und 80 US-Dollar für das vierte Quartal 2026 angehoben und diesem Szenario eine Wahrscheinlichkeit von 50 % zugewiesen. Der bullischere Fall des Hauses geht von anhaltenden Störungen der Ölflüsse durch die Straße von Hormus aus. In diesem Szenario könnte Brent 150 US-Dollar pro Barrel erreichen, mit Durchschnittspreisen von rund 130 US-Dollar im zweiten und dritten Quartal, bevor sie im Jahresverlauf nachgeben. Das extremere Szenario wäre eine längere Schließung der Meerenge, die die Ölpreise erneut erheblich nach oben treiben könnte.
Auf der Nachfrageseite erwartet ANZ, dass der globale Ölverbrauch im Jahr 2026 um 1,7 Millionen Barrel pro Tag sinkt und durchschnittlich 102,5 Millionen Barrel pro Tag betragen wird. China bleibt ein wichtiger Teil des Nachfragebildes. Laut der August-Umfrage von Reuters unter 31 Analysten liegt der Durchschnittspreis für Brent 2026 bei 85,08 US-Dollar pro Barrel, US-Rohöl bei 80,20 US-Dollar. Die Analysten erwarten zudem einen Rückgang der globalen Ölnachfrage um 1 Million bis 1,6 Millionen Barrel pro Tag.
Das erzeugt eine ungewöhnliche Spannung für den Markt: Das Angebot wird gleichzeitig verknapppt, während hohe Preise die Nachfrage zerstören. Die große Lücke zwischen der Konsensprognose nahe 85 US-Dollar und Citis Störungsszenario von 150 US-Dollar zeigt, wie sehr der Ausblick davon abhängt, ob sich die Versorgung aus dem Nahen Osten normalisiert – und nicht allein von der Nachfrage.
Für australische Anleger bleibt der Ölpreis eine wichtige Variable für den Energiesektor. Anhaltende Rohölpreise auf dem aktuellen Niveau könnten die Cashflows und Investitionen australischer Öl- und Gasproduzenten stützen, während höhere Treibstoffkosten für Transport, Fluggesellschaften und andere energieintensive Unternehmen ein ganz anderes Bild zeichnen. Die Bandbreite der von Prognostikern diskutierten Ergebnisse bedeutet zudem, dass Unternehmensprognosen und anstehende Quartalsproduktionsberichte als Indikator dafür im Blick behalten werden sollten, wie die Produzenten selbst das Preisumfeld einschätzen.
Die in diesem Artikel bereitgestellten Informationen dienen ausschließlich der Information und sollten nicht als Anlageberatung verstanden werden. Leser werden ermutigt, eigene Recherchen anzustellen und vor Anlageentscheidungen einen zertifizierten Finanzberater zu konsultieren.