BOJ-Zinserhöhung steht bevor – doch kann der japanische Yen seine Gewinne halten?
Wichtige Erkenntnisse
- •Die Märkte schreiben einer BOJ-Zinserhöhung um 25 Basispunkte auf der Sitzung am 17.–18. September eine Wahrscheinlichkeit von rund 79 % zu.
- •Der USD/JPY ist von 160,00 auf nahe 153,00 gefallen; die Tiefs von Januar und Februar um 152,00–152,25 gelten als nächste wichtige Unterstützungszone.
- •BOJ-Direktoriumsmitglied Hajime Takata hat ausdrücklich zu zeitgerechteren Zinserhöhungen aufgerufen; die Debatte verschob sich nach der gemeinsamen Intervention der USA und Japans zur Verteidigung des Yen.
- •Händler preisen bis Juni nächsten Jahres rund 81 Basispunkte an BOJ-Zinserhöhungen ein und erwarten in diesem Zeitraum mindestens drei Schritte.
- •Da eine September-Erhöhung bereits Konsens ist, dürften Uedas Pressekonferenz und die Abstimmungsverteilung im Direktorium die stärksten Signale zum Tempo der weiteren Schritte liefern.

Da sich der japanische Yen diese Woche stark bewegt, richtet sich die Aufmerksamkeit vollständig auf die Bank of Japan, bevor diese kommende Woche ihre nächste geldpolitische Entscheidung trifft.
Die Erwartungen an eine weitere Zinserhöhung steigen deutlich im Vorfeld der Sitzung am 17.–18. September; die Märkte schreiben einer Erhöhung um 25 Basispunkte mittlerweile eine Wahrscheinlichkeit von rund 79 % zu. Das ist gegenüber dem Ende der Vorwoche kaum verändert, als die Quote bei etwa 75 % lag.
Dennoch hat der Yen diese Woche eine starke Rallye gezeigt und auf dem Weg nach unten wichtige Verteidigungslinien im USD/JPY durchbrochen. Die Frage lautet nun, ob die Währung ihre Gewinne über die Zentralbankentscheidung hinaus halten kann.
Der Hintergrund spielt hier eine Rolle: Die BOJ beendete im März 2024 acht Jahre negativer Zinsen und hat seitdem nur schrittweise erhöht – in kleinen Schritten, während sie nach Jahrzehnten ultralockerer Geldpolitik vorsichtig normalisiert. Eine Erhöhung auf 1,25 % kommende Woche würde diesen inkrementellen Kurs fortsetzen, weshalb der Markt weniger auf die Entscheidung selbst als auf die begleitende Kommunikation achtet.
BOJ-Entscheidungsträger geben die Richtung vor
Der Gouverneur der japanischen Notenbank hat die Tür für einen Schritt im September bereits geöffnet und erklärt, dass die Entscheidungsträger prüfen werden, ob sich Inflation und Konjunktur im Einklang mit ihren Prognosen entwickeln. Direktoriumsmitglied Hajime Takata trat noch deutlicher auf und plädierte für zeitgerechtere Zinserhöhungen.
Wie letzte Woche angemerkt, hat sich das Gespräch innerhalb der Zentralbank im vergangenen Monat spürbar verlagert, insbesondere nach der gemeinsamen Intervention der USA und Japans zur Verteidigung des Yen.
„Vor all dem war es noch der übliche vorsichtige und kuratierte Ansatz, bei dem alle Optionen offengehalten werden sollten. Man sagte stets, man könne weder bestätigen noch dementieren, ob die Zinsen erhöht werden. Nach der gemeinsamen Intervention geht es nun nicht mehr darum, ob wir die Zinsen erhöhen. Plötzlich geht es darum, dass womöglich mehr nötig ist und man nicht einfach bei der bisherigen Konvention bleiben darf."
Wie weit kann der Yen von hier aus noch steigen?
An dieser Stelle wird es komplizierter.
Eine Zinserhöhung im September entwickelt sich rasch vom möglichen Überraschungsmoment zum Konsens. Da die Erwartungen in den Zinsmarkt und den Yen selbst bereits weitgehend eingepreist sind, könnte eine bloße Zinserhöhungsentscheidung die klassische „buy the rumour, sell the fact"-Reaktion auslösen.
In diesem Fall dürfte wichtiger sein, was Ueda zur nächsten Zinserhöhung sagt. Bleibt er bei seiner bisherigen Botschaft, dass künftige Schritte langsam und datenabhängig bleiben, wird dies kaum Vertrauen schaffen, dass die BOJ im kommenden Jahr das Tempo erhöht.
Stand jetzt preisen Händler eine weitere Zinserhöhung um 25 Basispunkte für Januar nächsten Jahres ein, mit einer Wahrscheinlichkeit von rund 61 %, dass diese schon im Dezember dieses Jahres kommt. Bis Juni nächsten Jahres preisen Händler rund 81 Basispunkte an Zinserhöhungen ein – einschließlich derjenigen kommende Woche.
Statt einer Zinserhöhung alle sechs Monate erwarten Händler somit, dass die BOJ zwischen jetzt und Mitte nächsten Jahres mindestens dreimal handelt.
Während eine September-Erhöhung die Geschichte der BOJ-Politiknormalisierung untermauern würde, könnte die Entscheidung allein nicht ausreichen, um eine weitere Aufwärtsphase des Yen zu tragen. Für den USD/JPY wäre der größere und entscheidendere Auslöser, ob die BOJ die Märkte davon überzeugt, dass der Schritt auf 1,25 % kommende Woche ein weiterer Schritt in einem fortlaufenden Straffungszyklus ist – oder lediglich der nächste vorsichtige Pausepunkt.
Für Leser, die das Gesamtbild im Blick behalten: Diese Sitzung speist auch die Erzählung des globalen Zinszyklus. Während andere große Notenbanken über Zinssenkungen nachdenken, würde ein BOJ-Straffungspfad die Zinsdifferenz des Yen zum Dollar und Euro weiter schrumpfen lassen – ein wesentlicher Treiber der Carry-Trade-Ströme, die die Währung in den vergangenen Jahren belastet haben. Zu beobachten sind über die Erklärung hinaus Uedas Pressekonferenz und die Abstimmungsverteilung im Direktorium, die historisch die stärksten Signale zum Tempo der folgenden Schritte geliefert haben.
Die technische Perspektive
Der USD/JPY ist seit letzter Woche bereits deutlich gefallen – von 160,00 auf nunmehr nahe 153,00. Nach dem Bruch wichtiger technischer Unterstützungsniveaus richten sich alle Augen auf die Tiefs von Januar und Februar nahe 152,00–25. Diese Marke wird die entscheidende Linie für alle sein, die eine weitere Abwärtsbewegung Richtung 150,00 anpeilen.
Für Käufer auf Rücksetzern wird es dagegen einer Rückkehr über 155,00 bedürfen, um irgendeine Form technischer Kontrolle zurückzugewinnen, bevor weiteres Aufwärtspotenzial ins Visier genommen werden kann.
Quelle: ForexLive