NachrichtenAktienBioNTech-Aktie fällt um 8 % nach Abbruch der Darmkrebs-Impfstoffstudie

BioNTech-Aktie fällt um 8 % nach Abbruch der Darmkrebs-Impfstoffstudie

Autor: Blockonomi·

Wichtige Erkenntnisse

  • Die beendete Studie testete autogene cevumeran bei Patienten mit Hochrisiko-Darmkrebs im Stadium II oder III, die bereits operiert worden waren.
  • Ein unabhängiges Überwachungskomitee kam nach Feststellung von Unterschieden im Gesamtüberleben zwischen den Behandlungsgruppen zu dem Schluss, dass die Studie erfolglos verlaufen wäre.
  • BioNTech und Genentech hatten im März bereits eine Blasenkrebsstudie mit demselben Impfstoff beendet und dabei auf veränderte Behandlungsstandards verwiesen.
  • BioNTech erklärte, die Ergebnisse lieferten dennoch wissenschaftliche Erkenntnisse über Tumorresistenzmechanismen, die künftige mRNA-Krebstherapien beeinflussen könnten.
  • BioNTechs Phase-2-Studie bei Bauchspeicheldrüsenkrebs mit autogene cevumeran läuft weiter; die Anleger beobachten die anstehenden Datenauswertungen auf dem ESMO-Kongress sowie aus der BNT113-Studie bei Kopf-Hals-Tumoren.
BioNTech-Aktie fällt um 8 % nach Abbruch der Darmkrebs-Impfstoffstudie

Die BioNTech-Aktie fiel am Freitag um rund 8 %, nachdem das Biotechnologieunternehmen und sein Partner Genentech die Beendigung einer Phase-2-Studie bekannt gaben, in der ihr auf mRNA basierender Krebsimpfstoff bei Darmkrebs untersucht wurde.

Vor der Ankündigung notierte die Aktie nahe der Marke von 104 US-Dollar.

In der Studie wurde autogene cevumeran als ergänzende Behandlung für Patienten mit Hochrisiko-Darmkrebs im Stadium II oder III getestet, die bereits operiert worden waren. Ein unabhängiges Komitee zur Überwachung der Datensicherheit stellte Unterschiede im Gesamtüberleben zwischen den Behandlungsgruppen fest. Das Komitee kam zu dem Schluss, dass eine Fortführung der Studie sinnlos wäre und das Endergebnis kaum ändern könnte.

Die Studie hatte ihre Futility-Schwelle bereits im Oktober 2025 erreicht, damals erklärte das Überwachungskomitee jedoch, die Daten seien noch nicht reif genug für belastbare Schlussfolgerungen zur Wirksamkeit.

Dies ist der zweite Rückschlag in diesem Jahr für autogene cevumeran. Im März beendeten BioNTech und Genentech eine Blasenkrebsstudie mit demselben Impfstoff und verwiesen dabei auf veränderte Behandlungsstandards in dieser Indikation.

Gegenläufige Entwicklungen in der mRNA-Onkologie

Der Zeitpunkt der Freitagsankündigung war besonders bemerkenswert. Nur eine Woche zuvor hatte die BioNTech-Aktie ihren stärksten Handelstag seit sechs Jahren verzeichnet, nachdem Moderna und Merck positive Phase-3-Ergebnisse für ihren mRNA-Melanom-Impfstoff in Kombination mit Keytruda veröffentlicht hatten.

Diese Nachricht ließ die Moderna-Aktie um rund 177 % steigen und verbesserte die Stimmung im gesamten mRNA-Sektor. Der Kursrückgang am Freitag zeigte, wie schnell sich die Erwartungen der Anleger verschieben können, wenn klinische Ergebnisse selbst innerhalb derselben Therapieklasse auseinandergehen.

Der Unterschied könnte teilweise mit der Tumorbiologie zusammenhängen. Melanome gelten als immunologisch „heiße“ Krebsarten mit hoher Mutationslast, wodurch sie in der Regel gut auf immunbasierte Therapien ansprechen. Darmkrebs wird hingegen häufig als „kalt“ beschrieben und war historisch resistenter gegenüber Immuntherapien.

Auch das Studiendesign unterschied sich deutlich. In der Studie von Moderna wurde der Impfstoff mit Keytruda kombiniert, einem bereits in der Krebsbehandlung etablierten Checkpoint-Inhibitor. BioNTech untersuchte autogene cevumeran hingegen als Monotherapie, was deutlich strengere Anforderungen an den Nachweis der Wirksamkeit stellte.

Die nächsten Schritte von BioNTech

BioNTechs Medizinische Direktorin, Prof. Özlem Türeci, bezeichnete die Ergebnisse als enttäuschend, betonte jedoch, dass die Studie dennoch wissenschaftliche Erkenntnisse über immunsuppressive Tumorresistenzmechanismen geliefert habe. Diese Erkenntnisse würden die Entwicklung künftiger mRNA-basierter Krebstherapien beeinflussen, so Türeci.

Trotz des Rückschlags verfügt BioNTech weiterhin über eine solide finanzielle Position. Das Unternehmen wies für das zweite Quartal 2026 16,6 Milliarden Euro an Barmitteln und marktfähigen Wertpapieren aus, obwohl es in dem Quartal einen Nettoverlust von 820,8 Millionen Euro verzeichnete.

Ein Programm läuft weiterhin: BioNTechs Phase-2-Studie bei Bauchspeicheldrüsenkrebs, in der autogene cevumeran gemeinsam mit Checkpoint-Inhibition und Chemotherapie getestet wird, wird wie geplant fortgesetzt.

Die Anleger blicken nun auf den ESMO-Kongress im Oktober 2026, auf dem möglicherweise vergleichende Daten der Programme von BioNTech und Moderna präsentiert werden. BioNTech erwartet zudem Zwischendaten aus seiner BNT113-Studie bei Kopf-Hals-Tumoren. Diese Krebsarten gelten in der Regel als empfindlicher gegenüber Immuntherapien, weshalb die anstehenden Datenauswertungen ein wichtiger Test dafür sein könnten, ob das Unternehmen sein frühes wissenschaftliches Potenzial in klar erkennbare klinische Fortschritte umsetzen kann.

Roche, die Muttergesellschaft von Genentech, verzeichnete am Freitag nach der Ankündigung einen Rückgang der in den USA gehandelten Aktien um rund 1,2 %.