NachrichtenKryptoTest der Bank von Italien: Stablecoin-Überweisungen können bis zu 9 % kosten

Test der Bank von Italien: Stablecoin-Überweisungen können bis zu 9 % kosten

Autor: NFTENEX·

Wichtige Erkenntnisse

  • Der Mystery-Shopping-Test der Bank von Italien ergab, dass Stablecoin-basierte grenzüberschreitende Transfers bis zu 9 % des gesendeten Betrags kosten können.
  • Die beobachtete Kostengrenze liegt über dem weltweiten Durchschnitt für Überweisungskosten von etwa 6 % (Weltbank) und dem UN-Ziel für nachhaltige Entwicklung von unter 3 % bis 2030.
  • Ausgaben summieren sich über mehrere Konvertierungspunkte, darunter Fiat-zu-Krypto-Käufe, On-Chain-Token-Transfers und Krypto-zu-Fiat-Auszahlungen, die jeweils Wechselkurs-Spreads und Plattformgebühren verursachen.
  • Die Studie ist besonders relevant für europäische Politikdiskussionen im Rahmen der Markets in Crypto-Assets Regulation, die seit Mitte 2024 Anforderungen an Reserven, Transparenz und Betrieb für Stablecoin-Emittenten festlegt.
  • Als Publikation einer Zentralbank statt eines Branchenberichts tragen die Ergebnisse zusätzliche Glaubwürdigkeit in Debatten zur regulatorischen Aufsicht und Zahlungspolitik rund um Stablecoin-Überweisungen bei.
Test der Bank von Italien: Stablecoin-Überweisungen können bis zu 9 % kosten

Ein Mystery-Shopping-Test der Bank von Italien hat ergeben, dass grenzüberschreitende Geldüberweisungen mit Stablecoins bis zu 9 % kosten können — ein Ergebnis, das die vielfach beworbene Auffassung infrage stellt, Stablecoin-basierte Überweisungen seien eine deutlich günstigere Alternative zu herkömmlichen Transferdiensten.

Die Erkenntnis stammt aus einer Untersuchung der Banca d'Italia, bei der Forscher die tatsächlichen Kosten für grenzüberschreitende Geldtransfers über Stablecoins testeten. Stablecoins sind Kryptowährungs-Token, die darauf ausgelegt sind, einen stabilen Wert zu halten, in der Regel an den US-Dollar gekoppelt. Überweisungen (Remittances) bezeichnen die kleinen grenzüberschreitenden Zahlungen, die Wanderarbeiter und ihre Familien nach Hause senden — ein weltweiter Geldfluss in Höhe von Hunderten Milliarden Dollar pro Jahr.

Die 9 %-Zahl im Kontext

Die headline-Zahl aus dem Test lautet, dass diese Transfers bis zu 9 % kosten können. Die Formulierung „bis zu" ist wichtig: Sie beschreibt die Obergrenze dessen, was Forscher während der Untersuchung beobachteten, nicht eine pauschale Gebühr, die auf jede Stablecoin-Überweisung erhoben wird. Zum Vergleich: Die Datenbank Remittance Prices Worldwide der Weltbank hat den globalen Durchschnitt für Überweisungskosten historisch bei etwa 6 % erfasst, während die Ziele für nachhaltige Entwicklung der Vereinten Nationen eine Senkung der Überweisungs-Transaktionskosten auf unter 3 % bis 2030 vorsehen. Eine Obergrenze von 9 % würde die teuersten Stablecoin-Korridore über den Durchschnittskosten vieler konventioneller Kanäle platzieren. Das Ergebnis wurde von einer Zentralbank veröffentlicht, was ihm in Debatten zur Zahlungspolitik besonderes Gewicht verleiht.

Warum eine 9 %-Obergrenze die Niedrigkosten-Erzählung infrage stellt

Stablecoin-Zahlungen werden häufig mit dem Versprechen beworben, sie böten weniger Reibung und günstigere grenzüberschreitende Transfers als Banken oder Geldtransferanbieter. Ein Kostenanteil, der 9 % erreicht, passt schlecht zu dieser Darstellung, da er für eine Produktkategorie, die als schneller und günstiger vermarktet wird, hoch ist.

Für Menschen, die auf Überweisungen angewiesen sind — Wanderarbeiter und ihre Familien, die bescheidene Beträge senden —, verringern Gebühren auf diesem Niveau einen erheblichen Anteil jeder Überweisung. Der Konflikt, den der Test aufdeckt, betrifft die Kosten, nicht die Geschwindigkeit.

Wo sich Kosten ansammeln

Eine Stablecoin-Überweisung ist keine einzelne, reibungslose Transaktion. Ausgaben können sich über mehrere Schritte aufbauen, darunter die Umwandlung lokaler Währung in einen Stablecoin, die On-Chain-Übertragung der Token und die Auszahlung am Empfangsort. Jeder Konvertierungspunkt — Fiat-zu-Krypto auf der Senderseite und Krypto-zu-Fiat auf der Empfängerseite — bringt Wechselkurs-Spreads und Plattformgebühren mit sich, die sich kumulieren können. Die Untersuchung der Bank von Italien maß die kombinierten, realen Kosten der gesamten Kette und nicht nur eine einzelne Netzwerkgebühr.

Implikationen für die Stablecoin-Adoption und die regulatorische Aufsicht

Da die Forschung von einer Zentralbank und nicht von einem Branchenunternehmen stammt, bringt die Untersuchung zusätzliche Glaubwürdigkeit in politik- und aufsichtsbezogenen Diskussionen mit sich. Die Studie ist im europäischen Kontext besonders relevant, wo die EU-Verordnung über Märkte für Krypto-Assets (MiCA) — die Mitte 2024 für Stablecoin-Emittenten in Kraft getreten ist — Anforderungen an Reserven, Transparenz und den Betrieb von Token-Anbietern festlegt. Institutionelle Tests von Verbraucherkosten bieten Regulierungsbehörden und Zahlungsanbietern einen gemeinsamen Bezugspunkt bei der Bewertung, ob das System den Endnutzern spürbare Vorteile liefert.

Für Unternehmen, die Stablecoin-Überweisungsprodukte entwickeln, ist das Ergebnis ein Ansporn, aufzuzeigen, wo ihre Preise tatsächlich liegen — insbesondere da Banken und Kartennetzwerke tiefer in den Bereich vordringen, wie an Initiativen wie einem von BlackRock und Visa gestützten Stablecoin zu erkennen ist. Der Befund passt außerdem zu einer breiteren Welle offizieller Überprüfungen von Kryptozahlungen, einschließlich Maßnahmen wie den Entwurfsregeln der Bank von Russland für organisierten Kryptohandel.

Die Untersuchung lässt sich am besten als Signal für eine weitere Überprüfung spezifischer Überweisungsrouten verstehen und nicht als endgültiges Urteil über jedes Stablecoin-Transfermodell. Die zentrale Frage für die Zukunft ist, ob Anbieter konstant niedrigere Kosten nachweisen können als die Obergrenze, die die Zentralbank ermittelte — und ob aufkommende regulatorische Rahmenbedingungen die Transparenz erzwingen, die Verbraucher benötigen, um diese Behauptungen zu überprüfen.

Die vollständigen Ergebnisse sind im veröffentlichten Bericht der Banca d'Italia (MISP Nr. 86) verfügbar.