Kunstauktionen bergen laut neuem Compliance-Bericht von PROTEGRA ein höheres Risiko als Banken
Wichtige Erkenntnisse
- •Eine einzelne hochwertige Kunsttransaktion kann laut der Compliance-Analyse von PROTEGRA ein größeres Geldwäscherisiko darstellen als Tausende kleine Banküberweisungen.
- •Die neue EU-Geldwäscheverordnung wird ab Juli 2027 in allen Mitgliedstaaten vollständig gelten und nationale Sonderregeln ersetzen.
- •Viele Unternehmen, die bereits einen funktionsfähigen Compliance-Beauftragten haben müssen, darunter Casinos, Auktionshäuser und Juweliere, verfügen derzeit nicht darüber.
- •Unternehmen, die Compliance-Beauftragte benennen, behandeln die Rolle häufig als einmalige Formalität statt als fortlaufende operative Aufgabe.
- •Unzureichende Compliance-Programme können zu gesperrten Bankkonten, stockenden Lizenzanträgen und geringerem Investoreninteresse führen, wenn sie geprüft werden.

Ein einzelnes Gemälde, das bei einer Auktion verkauft wird, kann ein größeres Geldwäsche-Warnsignal auslösen als ein ganzer Tag an Banküberweisungen, so eine neue Analyse des Compliance-Beratungsunternehmens PROTEGRA. Ausschlaggebend ist nicht die Höhe der Transaktion, sondern wie schwer sie nachzuverfolgen ist und wie leicht sie sich im Nachhinein rechtfertigen lässt. Die strukturellen Merkmale des Kunstmarkts machen ihn besonders anfällig: Käufer und Verkäufer können anonym auftreten, Transaktionen können über Scheinfirmen geleitet werden, Werke können jahrelang in Freihäfen lagern — zollfreien Lagerzonen, in denen der Eigentumswechsel ohne öffentliche Aufzeichnung erfolgt — und subjektive Bewertungen machen nahezu jeden Verkaufspreis vertretbar.
Die Erkenntnis stellt herkömmliche Annahmen über Risiken im Bereich Finanzkriminalität infrage. Banken und Zahlungsanwendungen stehen im Mittelpunkt der Aufsicht, weil sie auf den ersten Blick finanziell wirken. EU-Vorschriften bewerten Risiko jedoch anhand von Transaktionshöhe, Häufigkeit und der Intransparenz der Geldspur — Kriterien, unter denen wenige sechsstellige Gemälde, die einmal im Jahr verkauft werden, ein höheres tatsächliches Geldwäscherisiko tragen können als Tausende kleiner digitaler Überweisungen.
Diese Lücke in der Risikowahrnehmung tritt zu einem kritischen Zeitpunkt zutage. Die neue EU-Geldwäscheverordnung wird ab Juli 2027 in allen Mitgliedstaaten vollständig anwendbar und ersetzt einen Flickenteppich nationaler Regeln durch einen einheitlichen Standard. Die Verordnung baut auf früheren EU-Richtlinien auf, die die Geldwäschepflichten bereits auf Kunsthändler und andere Anbieter hochwertiger Güter ausgeweitet hatten, doch die Durchsetzung blieb zwischen den Ländern uneinheitlich. Die Analyse von PROTEGRA ergab, dass eine breite Palette von Unternehmen — darunter Casinos, Auktionshäuser, Kunsthändler, Juweliere, Immobilienmakler und Krypto-Börsen — bereits verpflichtet ist, einen funktionsfähigen Compliance-Beauftragten zu haben, doch die meisten verfügen nicht darüber.
"Die Leute gehen davon aus, dass dies ein Bankenproblem ist", heißt es in dem Bericht. "Ist es nicht. Wenn Sie große Summen selten und auf schwer nachvollziehbare Weise bewegen, sind Sie genau die Art von Unternehmen, nach der ein Geldwäscher sucht. Die Regulierungsbehörden wissen das. Viele der Unternehmen in dieser Lage wissen es nicht."
Die Analyse von PROTEGRA ergab außerdem, dass viele Unternehmen, die tatsächlich einen Compliance-Beauftragten benennen, diese Rolle als einmalige Formalität behandeln — typischerweise, um eine Lizenzprüfung oder Erstregistrierung zu bestehen — statt als fortlaufende operative Verantwortung. Der Bericht beschreibt die Folgen, wenn diese Lücke in der Praxis auf die Probe gestellt wird: Bankkonten werden ohne Vorwarnung eingefroren, Lizenzanträge kommen zum Stillstand, und Investoren senken ihre Angebote stillschweigend, sobald sie merken, dass die Compliance-Darstellung einer direkten Prüfung nicht standhält.
"Ein Unternehmen mit einem echten Programm beantwortet eine schwierige Frage in Minuten", heißt es in dem Bericht. "Ein Unternehmen, das nur auf Papier arbeitet, zögert, improvisiert oder erzählt eine Geschichte, die nicht ganz aufgeht. Dieses Zögern sagt der anderen Seite alles, was sie wissen muss."