MUFG sieht das kurzfristige Yen-Risiko trotz 80%iger BOJ-Hike-Wahrscheinlichkeit nach unten verzerrt
Wichtige Erkenntnisse
- •Die Märkte preisen laut MUFG für September eine Wahrscheinlichkeit von rund 80% für eine BOJ-Zinserhöhung und für das Jahresende etwa 50% für zwei Erhöhungen ein.
- •MUFG sagt, dass der Yen trotz der höheren Erwartungen nicht zugelegt hat, was darauf hindeutet, dass der Markt der eigenen Kommunikation der BOJ vorausgelaufen ist.
- •Die Juli-Inflation beschleunigte sich gegenüber dem Vormonat, obwohl Reis die Daten belastete; MUFG sieht darin Unterstützung für weitere Straffung.
- •Die Renditen länger laufender japanischer Staatsanleihen bleiben unter Druck, während der Nikkei 225 dem Yen keine ausgleichende Unterstützung bietet.
- •USD/JPY handelt knapp unter 160, einer Marke, die MUFG als empfindlich gegenüber möglicher Intervention beschreibt, wodurch die Währung bei Enttäuschungen durch die BOJ anfällig bleibt.

MUFG sagt, dass der Markt und nicht die Bank of Japan den Anstieg der Wetten auf Zinserhöhungen antreibt — und genau deshalb hat der Yen trotz dieser Erwartungen nicht zugelegt.
Die Erwartungen an eine BOJ-Zinserhöhung auf der September-Sitzung sind laut MUFG auf rund 80% gestiegen, gestützt durch Berichte aus der vergangenen Woche und den jüngsten Anstieg der Ölpreise; die Märkte preisen zudem eine Wahrscheinlichkeit von etwa 50% für zwei Zinserhöhungen bis zum Jahresende ein. Nach Ansicht der Bank hat sich diese Verschiebung in der Preisbildung jedoch nicht in Yen-Käufen niedergeschlagen — eine Diskrepanz, die sie für sich selbst schon als aufschlussreich betrachtet.
Die von MUFG hervorgehobene Diskrepanz — Hike-Wahrscheinlichkeit nahe 80% ohne entsprechende Yen-Käufe — deutet auf einen Markt hin, der eine Straffung bereits eingepreist hat, bevor von der BOJ selbst ein klares Signal kam. Dadurch bleibt die Währung verwundbar, falls die Zentralbank entweder weniger liefert als erwartet oder gegen die Preisbildung Stellung bezieht. Aus dieser Sicht wäre wohl eine hawkische Überraschung nötig, um den Yen überhaupt stabil zu halten, während jeder Versuch der BOJ, die Wahrscheinlichkeit herunterzuspielen, zu neuer Schwäche führen könnte — und das zu einem Zeitpunkt, an dem USD/JPY bereits knapp unter der interventionssensitiven Marke von 160 liegt.
MUFG verweist auf die am 21. August veröffentlichten Inflationsdaten für Juli, die eine Beschleunigung des Preisauftriebs gegenüber dem Vormonat zeigten, obwohl die Preise für Reis belastend wirkten. Das stützt aus Sicht der Bank die Argumentation für weitere Erhöhungen. Gleichzeitig stehen langfristige und super-langfristige Renditen japanischer Staatsanleihen weiter unter Aufwärtsdruck, angetrieben von einer anhaltenden Serie von Berichten über den Haushalt des nächsten Fiskaljahres im Rahmen der expansiven Fiskalpolitik der Regierung sowie von Spekulationen über eine mögliche Kabinettsumbildung bereits im kommenden Monat. Die erhöhten Renditen länger laufender JGBs belasten japanische Vermögenswerte zusätzlich, und die schwierige Lage des Nikkei 225 beim Ausbau der Gewinne deutet darauf hin, dass Aktien ebenfalls keine ausgleichende Yen-Nachfrage liefern.
Vor diesem Hintergrund allgemeiner Belastungsfaktoren für japanische Vermögenswerte stellt MUFG fest, dass der Yen gegenüber anderen Währungen als dem Dollar tatsächlich schwächer geworden ist, obwohl die Erwartungen an eine Zinserhöhung gestiegen sind, während USD/JPY angesichts von Interventionssorgen knapp unter der 160-Marke notiert. Das ist wichtig, weil es zeigt, dass der Markt nicht nur auf die BOJ-Preisbildung reagiert, sondern auch auf ein breiteres Bündel aus inländischen Zins-, Anleihe- und Aktiensignalen, die bislang keine nachhaltige Yen-Unterstützung erzeugt haben.
MUFG weist außerdem darauf hin, dass es zum Zeitpunkt der Veröffentlichung keine Bestätigung gibt, dass BOJ-Gouverneur Kazuo Ueda am Jackson-Hole-Symposium teilnehmen wird; der stellvertretende Gouverneur Ryozo Himino soll jedoch am 27. August bei einem Treffen mit lokalen Führungskräften sprechen.
Die Bank argumentiert, dass die BOJ den vom Markt eingepreisten 80%-Preis für eine September-Erhöhung wohl korrigieren würde, wenn sie ihn für falsch hielte. Doch auch das birgt Risiken, denn ein Zurückweisen der Preisbildung könnte selbst ein neuer Auslöser für Yen-Schwäche werden — zu einem Zeitpunkt, an dem Interventionssorgen USD/JPY bereits knapp unter der 160er Marke halten. MUFG merkt an, dass ein solches Ergebnis schwer mit der jüngsten Betonung der BOJ vereinbar wäre, wonach ein schwächerer Yen über teurere Importe die Verbraucherpreise nach oben treiben könnte.
In der Summe deutet MUFG darauf hin, dass der jüngste Anstieg der Zinserhöhungserwartungen eher wie ein Markt wirkt, der die BOJ zum Handeln drängt, als wie das Ergebnis der eigenen Kommunikation der Zentralbank — ein Muster, das laut der Bank auch erklären könnte, warum diese Erwartungen keinen Yen-Kauf ausgelöst haben.
Mit der nächsten geldpolitischen Sitzung der BOJ Mitte September und einer stärkeren Kommunikation mit den Märkten ab kommender Woche wird der Schwerpunkt laut MUFG darauf liegen, wie die Entscheidungsträger die Erwartungen über die September-Sitzung hinaus formen. Vorläufig warnt die Bank jedoch, dass die bereits stark gestiegenen Erwartungen eine hohe Messlatte setzen, sodass jede Botschaft, die hinter den aktuellen Preisstellungen zurückbleibt, den Yen kurzfristig verwundbar machen könnte.
Source: Investinglive