World-Gold-Council-Chef David Tait hält Bitcoin-Kurs von null für möglich
Wichtige Erkenntnisse
- •David Tait, CEO des World Gold Council, sagte, er sehe Bitcoin auf dem Weg Richtung null, bezeichnete die Einschätzung als „reines Trader-Gefühl“ und nannte weder ein Bewertungsmodell noch einen Zieltermin.
- •Taits Kernargument lautet, dass Bitcoin als Absicherung gegen Turbulenzen an den Aktienmärkten versagt hat und sich in Episoden wie dem Krieg zwischen den USA und dem Iran wie ein Hoch-Beta-Risikowert verhielt, als Gold stieg und Bitcoin fiel – wobei er gleichzeitig sagte, wer Gold halte, solle auch Bitcoin halten und umgekehrt.
- •Kritiker aus der Kryptobranche verwiesen auf einen Interessenkonflikt, da der World Gold Council von Goldbergbauunternehmen finanziert wird und Gold bei institutionellen Anlegern aktiv bewirbt.
- •BlackRocks Spot-Bitcoin-ETF IBIT erreichte in 341 Tagen rund 70 Milliarden USD an verwaltetem Vermögen – etwa fünfmal schneller, als State Streets Gold-ETF GLD für ein vergleichbares Niveau benötigte.
- •Der World Gold Council entwickelt eine „Gold-as-a-Service“-Plattform zur Tokenisierung von physischem Gold, mit einem für Ende 2026 geplanten Proof of Concept, und tritt damit in einen Markt ein, in dem PAXG und XAUT bereits aktiv sind.

David Tait, Chef des World Gold Council, hat erklärt, dass er Bitcoin auf dem Weg Richtung null sieht. Der Leiter der globalen Gold-Lobby bezeichnete diese Einschätzung in einem Interview als „reines Trader-Gefühl“ und nannte weder ein Modell noch einen Zieltermin.
Der World Gold Council ist die Branchenorganisation des globalen Goldsektors mit Sitz in London. Der 1987 gegründete Verband vertritt die Interessen von Goldbergbauunternehmen und wirbt bei institutionellen Anlegern für Gold als Anlageklasse. Tait leitet die Organisation seit Anfang 2019. Das Interview mit dem Finanzjournalisten David Lin fand im Mai 2026 statt, doch erst drei Monate später ging der Clip auf X viral. Die Kritik aus der Kryptobranche ließ nicht lange auf sich warten.
Tait hält Bitcoin als Krisenabsicherung für gescheitert
Taits Argumentation ist enger gefasst, als die Schlagzeile vermuten lässt. Seiner Ansicht nach sollte Bitcoin als Gegengewicht zu Risikopositionen fungieren und eine Art Versicherung gegen Turbulenzen an den Aktienmärkten darstellen. Die Kryptowährung habe diese Rolle laut Tait jedoch nicht erfüllt. In Stressphasen verhalte sich Bitcoin eher wie ein Hoch-Beta-Risikowert, statt Aktien abzufedern.
Die Berichterstattung über das Interview führte den Krieg zwischen den Vereinigten Staaten und dem Iran als Referenzfall an. In dieser Phase stieg Gold, während Bitcoin fiel.
Mit dieser Position berührt Tait eine seit langem geführte Debatte am Markt darüber, ob sich Bitcoin wie digitales Gold oder wie ein Risikowert verhält. Die Bezeichnung „digitales Gold“ stützt sich unter anderem auf Bitcoins festes Höchstlimit von 21 Millionen Coins, das Befürworter als Knappheitsmerkmal analog zum begrenzten Förderangebot von Gold anführen. Die Handelshistorie hat jedoch häufig in die andere Richtung gedeutet: Im Jahr 2022 fiel Bitcoin im Zuge des Zinserhöhungszyklus der Federal Reserve stark parallel zu Technologiewerten, während Gold im selben Zeitraum seinen Wert deutlich besser hielt. Aus Taits Sicht fehlt Bitcoin gerade die Eigenschaft, die Gold in einem Portfolio nützlich macht. Ein Bewertungsmodell bot er nicht an, einen Zieltermin nannte er ebenfalls nicht.
„Ich dachte, es sollte ein Gegengewicht sein, etwas, mit dem man das Risiko einer Position in Risikowerten ausgleichen könnte. Das hat es in diesem Ausmaß nicht wirklich getan. Das ist nur meine persönliche Meinung, reines Trader-Gefühl.“ - David Tait, CEO World Gold Council
Tait sprach sich dabei nicht grundsätzlich gegen Bitcoin aus. Seiner Meinung nach sollte, wer Gold hält, auch Bitcoin besitzen – und umgekehrt. Beide Anlagen könnten sich in Krisenphasen gegenseitig ausgleichen, sagte er.
Außerdem zog er eine klare Grenze zwischen Bitcoin und Stablecoins. Für dollargedeckte Token sieht er konkrete institutionelle Anwendungsfälle in Zahlungen, im Settlement und als Sicherheiten. Diese Sicht deckt sich mit der Marktentwicklung: Die Vereinigten Staaten haben im Juli 2025 einen bundesstaatlichen regulatorischen Rahmen für Zahlungs-Stablecoins verabschiedet, und dollargedeckte Token wie USDT und USDC dienen in den Kryptomärkten bereits vielfach als Sicherheiten für Handel und Kreditvergabe. In dieser Hinsicht gesteht er Stablecoins eine Funktion zu, die er Bitcoin abspricht. Seine Skepsis richtet sich gegen Bitcoin als Wertspeicher, nicht gegen digitale Assets insgesamt.
Kryptobranche verweist auf Interessenkonflikt
Die Kritik richtete sich weniger gegen Taits Aussagen als gegen seine Position. Der World Gold Council wird von der Goldbergbauindustrie finanziert, und seine Arbeit soll dazu beitragen, Gold in institutionellen Portfolios zu verankern. Bitcoin konkurriert mit Gold um genau dieses Kapital. Eine Null-Prognose eines führenden Gold-Lobbyisten stieß daher auf Skepsis. Der Interessenkonflikt liegt besonders offen zutage, da der Verband die Nachfrage nach dem Edelmetall aktiv fördert.
Die institutionellen Kapitalflüsse zeichnen ein anderes Bild. BlackRocks Spot-Bitcoin-ETF IBIT, der im Januar 2024 nach Genehmigung von Spot-Bitcoin-Fonds durch die US-Börsenaufsicht SEC an den Start ging, erreichte in 341 Tagen rund 70 Milliarden USD an verwaltetem Vermögen. Kein anderer ETF hat dieses Niveau bisher schneller erreicht. Zum Vergleich: State Streets Gold-ETF GLD, der im November 2004 gelistet wurde und jahrelang zu den größten Rohstofffonds der Welt zählte, benötigte rund 1.700 Tage – etwa 4,6 Jahre – für ein vergleichbares Niveau. Bitcoin-Produkte überschritten diese Schwelle damit rund fünfmal schneller als das Gold-Äquivalent.
Der GLD-Vergleich dient als Maßstab für die institutionelle Akzeptanz. AUM (Assets under Management) bezeichnet das gesamte in einem Fonds verwaltete Kundengeld. In diesem Fall halten solche Produkte Bitcoin physisch und bilden den Kurs über eine börsengehandelte Anteilsstruktur ab. Große Anleger erhalten so Zugang zur Kryptowährung, ohne selbst Verwahrung und Schlüsselverwaltung organisieren zu müssen.
World Gold Council arbeitet selbst an Tokenisierung
Während Tait Bitcoin abschreibt, baut der World Gold Council eine eigene Blockchain-Anwendung auf. Unter dem Namen „Gold-as-a-Service“ entwickelt der Verband eine Plattform für die Tokenisierung von physischem Gold. Ein Whitepaper existiert bereits, als Nächstes ist für Ende 2026 ein Proof of Concept geplant. Die Zielgruppe sind ausdrücklich krypto-native Nutzer. Das Projekt würde in einen Markt eintreten, in dem tokenisierte Goldprodukte wie Paxos Gold (PAXG) und Tether Gold (XAUT) bereits existieren – jeweils gedeckt durch zugeordnetes physisches Gold in Tresoren.
Das Projekt richtet sich an genau die Anlegergruppe, deren bevorzugte Anlage Tait mit null beziffert hat. Solche Token bilden hinterlegte Goldbestände digital ab und können rund um die Uhr übertragen werden. Der Verband will das Edelmetall in dieselbe Infrastruktur bringen, die Bitcoin groß gemacht hat. Die Distanzierung des CEOs bezieht sich somit auf den Vermögenswert, nicht auf die dahinterstehende Technologie.
Den Hintergrund liefert die diesjährige Goldrallye. Marktbeobachter sehen zwei Haupttreiber: die gestiegene Staatsverschuldung der USA, die auf rund 39 Billionen USD geklettert ist, und die anhaltenden Goldkäufe asiatischer Zentralbanken. Diese kaufen seit rund drei Jahren durchgehend, diversifizieren ihre Reserven und sichern schwache Währungen mit dem Edelmetall ab. Das Ausmaß dieses Wandels dokumentiert der Rat selbst: Seinen Berichten „Gold Demand Trends“ zufolge liegen die weltweiten Zentralbankkäufe seit 2022 über 1.000 Tonnen pro Jahr – deutlich über dem Durchschnitt des vorangegangenen Jahrzehnts.
Früher in diesem Jahr 2026 trieb die Rallye den Goldpreis über 5.000 USD pro Unze hinaus. Derzeit notiert er bei rund 4.400 USD.