NachrichtenMakro48-Stunden-Daten-Audit bei Airtel und MTN offenbart verdeckte Verbrauchslücken von bis zu 9 %

48-Stunden-Daten-Audit bei Airtel und MTN offenbart verdeckte Verbrauchslücken von bis zu 9 %

Autor: TechNext24·

Wichtige Erkenntnisse

  • •TechNext24 prüfte seinen Datenverbrauch zwei Tage lang über MTN- und Airtel-Linien auf zwei Tecno-Geräten und verglich die integrierten Handy-Tracker mit den automatischen SMS-Berichten der Netzwerke.
  • •Am ersten Tag zog der Download von 813 MB YouTube-Videos eine Abrechnung von 868,65 MB durch Airtel nach sich – rund 9 % über dem Handy-Tracker –, während MTN 852,79 MB berechnete, etwa 2 % mehr.
  • •Am zweiten Tag registrierten beide Handys für drei Play-Store-Apps mit insgesamt 169,57 MB einen Verbrauch von 175 MB, doch die Netzwerk-Abrechnung lag 6 % (Airtel) bzw. rund 9 % (MTN) über der lokalen Erfassung.
  • •Der Audit fand keine Hinweise auf direkten Datenklau durch einen der Betreiber und führte die Verbrauchslücken auf Netzwerk-Overhead von typischerweise 5 % bis 10 % sowie Hintergrundprozesse mit 5 MB bis 10 MB pro Download-Sitzung zurück.
  • •Das Fazit: Netzbetreiber schulden Abonnenten detaillierte Verbrauchsaufstellungen, da Abrechnungslücken von bis zu 9 % derzeit ohne transparenteklärung auftreten – während auch Geräte-Tracker selbst den Verbrauch zu niedrig ausweisen können.
48-Stunden-Daten-Audit bei Airtel und MTN offenbart verdeckte Verbrauchslücken von bis zu 9 %

Es ist ein vertrauter Frust für nigerianische Smartphone-Nutzer: Ein Kunde kauft am Montag ein großes Datenvolumen, und am Mittwochnachmittag zeigt das Handy die verblüffende Meldung „Dear Customer, you have 500MB left“, gefolgt in rascher Abfolge von den Warnungen über 200 MB und 50 MB. Das Erlebnis ist so weit verbreitet, dass regelmäßig Beschuldigungen von „Datendiebstahl“ folgen, bei denen Abonnenten den Netzbetreibern die Schuld geben und Antworten fordern – besonders in den sozialen Medien.

TechNext24, das über diese Vorwürfe bereits seit einiger Zeit berichtet, wählte diesmal aus Gründen der Transparenz einen anderen Weg: einen überprüfbaren, persönlichen Audit, um genau festzustellen, wohin die Daten flossen. Jede Aktion wurde über zwei Tage dokumentiert und mit dem integrierten App-Datenverbrauchsbericht des Smartphones verglichen. Diese Tageswerte wurden anschließend den automatischen SMS-Verbrauchsberichten zweier Anbieter gegenübergestellt: MTN und Airtel.

Die Untersuchung deckte ein komplexes Geflecht aus versteckten Hintergrunddiensten, Netzwerk-Overhead-Kosten und einer unsichtbaren Verbrauchslücke auf, die jeder nigerianische Nutzer bezahlt.

Das Setup

Um die Berechnungen und Aufzeichnungen streng und fair zu halten, wurde der Test auf zwei verschiedene Netzwerke und zwei verschiedene Geräte aufgebaut. Beide Anbieter zählen zu den größten Mobilfunkbetreibern Nigerias, sodass ihre Art, den Verbrauch zu messen und zu berichten, einen erheblichen Teil der Smartphone-Nutzer des Landes betrifft.

Gerät eins war ein Tecno Spark Go 2023, ein Android-13-Go-Edition-Smartphone – Googles schlanke Android-Variante für Einsteiger-Hardware – mit 3 GB RAM, ausgestattet mit einer Airtel-4G-SIM und einem wöchentlichen 4-GB-Tarif für ₦1.500.

Gerät zwei war ein Tecno Pop 9 mit vollem Android 14 und 4 GB RAM. Als moderneres Betriebssystem verwaltet es Apps etwas anders als Android . Dieses Handy enthielt eine MTN-4G-SIM mit einem ebenfalls ₦1.500 teuren Wochenplan über 3,5 GB.

Von Beginn an war klar, dass Geräte-Spezifikationen, Internetgeschwindigkeit und vor allem die Betriebssystem-Optimierung (Android 13 gegenüber Android 14) die Hintergrundnutzung beeinflussen würden. Die Aufgabe bestand jedoch darin, den Verbrauch zu messen, indem die Berichte der internen App-Tracker der Handys mit denen der Netzbetreiber verglichen wurden.

Tag 1: Der YouTube-Download-Test

Der erste Tag war einer datenintensiven Aufgabe gewidmet. Drei bestimmte YouTube-Videos wurden auf beiden Geräten heruntergeladen, wobei der Tester wartete, bis die App die Downloads abgeschlossen hatte, um die Gesamtgröße zu bestätigen. Berechnungsgrundlage: Die drei Videodateien hatten insgesamt 813 MB.

Die automatischen SMS-Berichte des ersten Tages wiesen bei Airtel 868,65 MB an Verbrauch aus, bei MTN 852,79 MB. Beide Netzwerke berechneten mehr als die Videodateigröße, wobei Airtel deutlich höher abrechnete.

Die Netzwerkdaten wurden dann mit den Angaben der internen App-Nutzungseinstellungen der Handys verglichen. Der Tracker des Spark Go auf der Airtel-Linie meldete, dass YouTube nur 797 MB verbraucht hatte, doch das Airtel-Netzwerk berechnete 868,65 MB – eine Diskrepanz von 71,65 MB, also rund 9 % der Videogröße, die im Airtel-Netzwerk verschwinden.

Der Pop-9-Tracker von MTN meldete eine YouTube-Nutzung von 835 MB, abgerechnet wurden 852,79 MB. Diese Differenz war mit 17,79 MB bzw. etwa 2 % deutlich kleiner.

Daraus ergab sich der wichtigste Befund des ersten Tages: Das Android-14-Gerät von MTN war besser darin, den tatsächlichen App-Datenverbrauch zu berichten, weil das Airtel-Gerät mit Android 13 die Downloadgröße zu niedrig auswies. Die 9-%-Lücke bei Airtel ist genau der Punkt, an dem der Durchschnittsnutzer frustriert über Datenauslöschung klagt.

Tag 2: Der Play-Store-Download-Test

Der zweite Tag erforderte ein anderes App-Verhalten sowie eine Datenoption, die sich in den App-Nutzungseinstellungen des Handys gezielt überwachen lässt. Drei verschiedene Anwendungen wurden auf beiden Geräten aus dem Google Play Store heruntergeladen.

Die drei Apps hatten eine kombinierte Größe von 169,57 MB. Die Datenprotokolle und App-Tracker bestätigten, dass beide Handys 175 MB Verbrauch registrierten – was darauf hindeutet, dass während der App-Downloads rund 5,43 MB an Hintergrunddiensten wie Synchronisierung, Benachrichtigungen und Standortprüfungen still mitliefen. Dieses Ergebnis wurde als durchaus fair betrachtet.

Die automatischen SMS-Berichte der Netzwerke für den folgenden Tag erzählten eine andere Geschichte: Airtel meldete 185,44 MB, der Bericht von MTN belief sich auf 190,38 MB.

Das Problem lag erneut in der Netzwerk-Abrechnung. Airtels Wert von 185,44 MB lag 10,44 MB über der lokalen Erfassung der Handys, eine Lücke von 6 %. MTNs Bericht von 190,88 MB lag 15,88 MB über der lokalen Erfassung, eine Lücke von 9 %.

Derartige kleine Prozentsätze summieren sich mit der Zeit und sorgen dafür, dass das Datenvolumen eines Abonnenten lange vor Wochenende „verschwindet“. Bei monatlichen oder jährlichen Tarifen kann das bedeuten, dass ein großer Teil des Plans – potenziell mehrere Gigabyte – abhandenkommt.

Warum verschwinden Daten?

Nach der Analyse von zwei vollen Tagen Protokollen fand der Audit keine Hinweise auf direkten Datenklau durch MTN oder Airtel. Die Betreiber nahmen nicht einfach willkürlich 500 MB, wenn niemand hinsah. ließ sich jede Diskrepanz auf eine tatsächliche Datennutzung oder Download-Sitzung zurückführen.

Die persönlichen Erkenntnisse offenbarten zudem mehrere Faktoren, die erklären, warum Daten schneller verschwinden, als ein Handy-Tracker vermuten lässt.

Der mit Abstand größte Beitrag zur Wahrnehmung von Diebstahl ist der Netzwerk-Overhead. Ein Download ist kein geradliniger Vorgang. Beim Herunterladen einer 813-MB-YouTube-Datei muss das Gerät mit Googles Servern kommunizieren und Daten neu übertragen, die während einer Netzwerkstörung verloren gingen. Das Netzwerk berechnet den gesamten Datenverkehr, der durch seine Sendemasten läuft, nicht nur die exakte Dateigröße. Diese Overhead-Abgabe macht typischerweise zusätzliche 5 % bis 10 % des Verbrauchs aus, der Nutzern kaum bewusst ist.

Jedes moderne Smartphone führt zudem kontinuierlich Hintergrundprozesse aus. Android synchronisiert Hintergrunddaten für Push-Benachrichtigungen, und dieser versteckte Verbrauch lag im Test zwischen 5 MB und 10 MB pro Download-Sitzung – ein Wert, der auf anderen Geräten höher ausfallen kann.

Die Daten zeigten ferner eine Diskrepanz zwischen dem, was das Gerät maß, und dem, was das Netzwerk tatsächlich in Rechnung stellte – und genau hier wird das Vertrauen der Nutzer zerstört. Laut den Tests kann die Abrechnungslücke des Netzwerks bis zu 9 % zusätzlichen Verbrauch erreichen, und es gibt keinen transparenten Bericht, der den Mehrverbrauch aufzeigt oder erklärt.

Die gesamte Debatte läuft letztlich auf ein Vertrauensdefizit hinaus. Um es abzubauen, so das Fazit des Tests, schulden die Netzbetreiber ihren Abonnenten eine detaillierte Aufschlüsselung des Datenverbrauchs, vielleicht monatlich. Solche Aufschlüsselungen nicht zum Standard gehören, bietet die Audit-Methode den Abonnenten eine eigene Kontrollmöglichkeit: den Vergleich des integrierten Datenverbrauchsberichts des Handys mit den automatischen SMS-Warnungen des Betreibers – unter der Einsicht, dass Tag eins zeigte, dass auch der eigene Tracker eines Geräts den tatsächlichen Verbrauch um mehrere Prozentpunkte zu niedrig ausweisen kann.

Verwandte Berichterstattung: Telekommunikationsexperten deuten Beschwerden über schnelle Datenauslöschung als Symptom eines Vertrauensdefizits.

Dieser Artikel basiert auf der Originalberichterstattung von TechNext24: „I tracked my data consumption for 48 hours, and measured against Airtel and MTN’s reports; here is what I found“.