Rates Spark: Geopolitik im Fokus vor US-CPI
Wichtige Erkenntnisse
- •Die Märkte preisen vor der Sitzung im September eine Wahrscheinlichkeit von rund 40% für eine Zinserhöhung der Federal Reserve ein; es stehen nur noch zwei CPI-Veröffentlichungen aus.
- •Realzinsen sind der Haupttreiber der höheren Renditen von US-Staatsanleihen, während die langfristigen Inflationserwartungen unter dem Durchschnitt von 2025 liegen.
- •Die Renditen 10-jähriger Bunds bewegen sich seitwärts zwischen 3.1% und 3.2% und zeigen trotz geopolitischer Unsicherheit kaum sicheren Hafen-Nachfrage.
- •Die 10-jährigen Gilt-Renditen schwanken zwischen 4.8% und 5.0%, während die Märkte trotz des geringeren Wachstumspotenzials des Vereinigten Königreichs fast zwei weitere Zinsschritte der Bank of England einpreisen.
- •Ölpreisbewegungen bleiben ein erhebliches Risiko für die Zinspositionierung in allen Märkten, da Energiekosten direkt in die Gesamtinflation einfließen und den geldpolitischen Kurs verkomplizieren.

Rates Spark: Geopolitik im Fokus vor US-CPI
World Economy News — 10/08/2026
Alles hängt an zwei weiteren US-CPI-Veröffentlichungen
US-Zinsen beendeten die vergangene Woche mit einem dovishen Unterton nach schwachen Beschäftigungszahlen, doch die kommende CPI-Zahl dürfte wichtiger sein. Der Consumer Price Index ist einer der beiden wichtigsten Inflationsindikatoren, die die Federal Reserve beobachtet — neben dem Personal Consumption Expenditures price index — und hat besonderes Gewicht für die Zinserwartungen. Vor der Sitzung der Federal Reserve im September stehen nur noch zwei weitere CPI-Veröffentlichungen an. Die Märkte ringen weiterhin mit der nächsten Entscheidung der Fed; derzeit wird eine Zinserhöhung mit rund 40% Wahrscheinlichkeit eingepreist.
Die begrenzte Kursreaktion nach dem negativen Arbeitsmarktbericht — trotz der enttäuschenden Zahlen — deutet darauf hin, dass der Fokus des Marktes weiterhin klar auf der Inflation liegt.
Ein moderater CPI-Wert könnte die Sorge mindern, dass Fed-Chef Kevin Warsh die Zentralbank in allzu dovishes Terrain führt, was auch längere Laufzeiten nach unten drücken dürfte. Allerdings wirken die langfristigen Inflationserwartungen, gemessen an 5Y5Y forward inflation swaps — die den Marktblick auf die durchschnittliche Inflation über einen Fünfjahreszeitraum ab fünf Jahren im Voraus abbilden — sehr gedämpft. Die aktuelle Handelsspanne liegt deutlich unter dem Durchschnitt von 2025, obwohl die Ölpreise seither deutlich gestiegen sind. Damit sind Realzinsen der Hauptgrund für die höheren Renditen von US-Staatsanleihen. Schwächere Inflationsdaten könnten auch zu niedrigeren Realzinsen führen, da sinkende Inflation darauf hindeuten würde, dass der neutrale Zins — der theoretische Zinssatz, der die Wirtschaft weder stimuliert noch bremst — unter den von den Märkten derzeit eingepreisten 4% liegen könnte.
Bunds sind kein sicherer Hafen gegen geopolitische Risiken
Deutsche Staatsanleihen, also Bunds, gelten traditionell als Benchmark-Safe-Haven-Asset des Euroraums und schneiden in Phasen von Marktstress oft besser ab. Die 10-jährige Bund-Rendite scheint jedoch in einer Spanne von 3.1% bis 3.2% festzustecken; ohne eine größere Bewegung beim Ölpreis dürften größere Veränderungen ausbleiben. Trotz erheblicher geopolitischer Unsicherheit zeigen Bunds keine Anzeichen sicherer Hafen-Nachfrage. Eine deutlichere Outperformance von Bunds gegenüber Swaps war nur zu Beginn des Iran-Konflikts im März zu beobachten; seitdem sind diese Dynamiken nicht zurückgekehrt.
Ein Teil davon dürfte auch mit der starken Marktstimmung bei Risikoanlagen zusammenhängen. Da die Korrelation zwischen Aktien und Anleihen im positiven Bereich liegt — also beide Anlageklassen sich eher in dieselbe Richtung bewegen, statt sich gegenseitig auszugleichen — bietet das Halten längerer Laufzeiten keinen verlässlichen Hedge. Wenn überhaupt, erhöht ein besserer Wachstumsausblick sogar das Aufwärtsrisiko für Euro-Zinsen.
Gilt-Renditen zu hoch, aber wegen Ölvolatilität kaum handelbar
Auch die 10-jährige Gilt-Rendite scheint in einer Spanne zu verharren und schwankte in den vergangenen Monaten meist zwischen 4.8% und 5.0%. Dennoch sehen wir Sterling-Zinsen tendenziell konstruktiver. Die Märkte preisen weiterhin fast zwei weitere Zinserhöhungen der Bank of England ein. Bemerkenswerter ist, dass die Kurve danach keinen nennenswerten Lockerungszyklus einpreist. Der 2Y1Y Forward liegt bei 4.25% und signalisiert einen geschätzten neutralen Zins, der deutlich über dem der USA liegt. Angesichts des wesentlich niedrigeren potenziellen Wachstums im Vereinigten Königreich halten wir diese Werte jedoch nicht für gerechtfertigt.
Das Problem bleibt allerdings die Umsetzbarkeit: Jede Bewegung der Ölpreise kann eine dovishe Position schnell in einen Verlust verwandeln.
Quelle: ING via Hellenic Shipping News