NachrichtenAktienUnitree rutscht nach dem Shanghai-IPO um fast 45% ab und nährt Sorgen, dass der Hype um Robotik die Fundamentaldaten überholt hat

Unitree rutscht nach dem Shanghai-IPO um fast 45% ab und nährt Sorgen, dass der Hype um Robotik die Fundamentaldaten überholt hat

Autor: Cryptopolitan·

Wichtige Erkenntnisse

  • Unitree verlor nach dem Börsengang am 19. August 2026 an der Shanghai Stock Exchange fast 45% seines Werts.
  • Die Aktie soll am ersten Tag um 460% gestiegen sein und kurzzeitig 66 Milliarden US-Dollar wert gewesen sein, bevor sie in drei Handelstagen etwa 30 Milliarden US-Dollar verlor.
  • Unitree meldete für 2025 einen Umsatz von 1,699 Milliarden Yuan und eine Bruttomarge von 60,13% im Kerngeschäft.
  • Der bereinigte Nettogewinn sank im ersten Quartal 2026 im Jahresvergleich um 53% auf 40 Millionen Yuan.
  • Counterpoint Research zufolge lieferte Unitree in der ersten Hälfte des Jahres 2026 mehr als 7.000 humanoide Roboter aus und erreichte 31% des Weltmarkts.
Unitree rutscht nach dem Shanghai-IPO um fast 45% ab und nährt Sorgen, dass der Hype um Robotik die Fundamentaldaten überholt hat

Unitree, Chinas bekanntester Hersteller humanoider Roboter, hat seit seinem Börsendebüt an der Shanghai Stock Exchange am 19. August 2026 fast 45% an Wert verloren. Der Rückgang wirft die Frage auf, ob die Begeisterung rund um künstliche Intelligenz und Robotik überbewertet war.

Berichten zufolge sprang Unitree am ersten Handelstag um 460% und erreichte kurzzeitig eine Bewertung von 66 Milliarden US-Dollar. Der Kurs stabilisierte sich am 25. August, nachdem drei aufeinanderfolgende schwache Handelstage 30 Milliarden US-Dollar vom Spitzenwert vernichtet hatten. Für Fondsmanager und Banker schien die Kehrtwende weniger eine Bewertung von Unitrees Technologie zu sein als vielmehr ein Warnsignal dafür, wie schnell sich Anleger von der Robotik-Erzählung mitreißen lassen — einer Erzählung, für die das 2016 von Wang Xingxing gegründete Start-up aus Hangzhou inzwischen als Symbol für die gesamte Branche gilt.

Ein Swing von 30 Milliarden US-Dollar, der die Bullen verunsicherte

Aufsehen erregte vor allem das Ausmaß der Bewegung. Chinesische IPOs erzielten den Berichten zufolge in den vergangenen drei Jahren eine durchschnittliche Rendite am ersten Handelstag von 226% — was Unitree erreicht hat, ist doppelt so hoch. Einen Monat vor Unitrees Debüt stieg der Aktienkurs des Chipherstellers CXMT beim Börsengang in Shanghai um 466%, was zeigt, dass sich das Interesse längst nicht nur auf Robotik beschränkt.

„Die Anleger wurden von der Erzählung einer technologischen Revolution mitgerissen“, sagte Dong Baozhen, Vorsitzender des Pekinger Vermögensverwalters Lingtong Shengtai, gegenüber Reuters, und fügte hinzu, dass „alle Blasen dazu verdammt sind, zu platzen“.

Abraham Zhang, Vorsitzender des Venture-Unternehmens China Europe Capital, sagte, der Börsengang sei ausschließlich durch den Wunsch motiviert gewesen, „die Aktien hochzupushen, um sie später zu hohen Preisen abzuladen“. Er betonte zudem, der IPO habe Kleinanleger angezogen, die nun Verluste tragen müssten, während diejenigen, die vom Börsengang profitiert hätten, Geld verdienten.

Der Gewinn schrumpfte, während der Aktienkurs explodierte

Die Finanzdaten stützen die Skeptiker. Laut Unitrees Bericht erzielte das Unternehmen 2025 einen Umsatz von 1,699 Milliarden Yuan — rund 250 Millionen US-Dollar — und erwirtschaftete für sein Kerngeschäft eine Bruttomarge von 60,13%, wie Zahlen belegen, die dem Global Times vor der IPO-Prüfung offengelegt wurden. Diese Marge widerlegt indirekt die Vorstellung, humanoide Roboter seien lediglich Kostenfresser.

Dennoch fiel der bereinigte Nettogewinn im ersten Quartal 2026 laut Prospekt um 53% auf 40 Millionen Yuan, also etwa 5,95 Millionen US-Dollar. Unitrees Maschinen sind bekannt für Laufen, Tanzen und Kampfsporttritte — ein Ruf, der sich verstärkte, als Anfang 2025 eine Gruppe seiner Humanoiden bei Chinas landesweit übertragenem Spring Festival Gala tanzte — doch zahlende kommerzielle Aufträge bleiben rar. „Es ist nicht fair, wenn man nur auf den Gewinn schaut“, sagte Gao Xingkun von China Southern Asset Management und verglich die Robotik mit den frühen, verlustreichen Jahren von Chinas heute dominierender Elektroautoindustrie.

Wie Chinas Börsenregeln den Preis beeinflussen können

Ein Großteil der Kritik richtet sich gegen die Marktstruktur selbst. Chinesische Börsen prüfen Unternehmen vor dem IPO und steuern die Preisfestsetzung neuer Emissionen, wodurch eingeschränkt wird, wie stark Banken die Preise angesichts eines sprunghaften Interesses anpassen können, berichtete Reuters. Cryptopolitan hat bereits berichtet, dass staatlich finanzierte Investoren in China die Humanoid-Branche unterstützt haben. Damit bleibt der Eindruck bestehen, dass die schnelle Einführung von Unitrees IPO am STAR Market, Shanghais auf Technologie ausgerichtetem Börsensegment, mit Zustimmung der Regierung erfolgt sei. Dieser Hintergrund ist politisch festgeschrieben: Ende 2023 veröffentlichte Chinas Ministerium für Industrie und Informationstechnologie Leitlinien, die bis 2025 ein erstes Innovationssystem für humanoide Roboter und bis 2027 eine weltweit führende Branche anstrebten und dem Sektor damit eine klare staatliche Richtung gaben.

Zwei Merkmale machen es schwer, Fehlbewertungen zu korrigieren: die begrenzte Präsenz von Leerverkäufern und die Annahme der Anleger, dass die Aufsichtsbehörden Minderheitsaktionäre schützen würden. Nach Angaben von Bankern, die Reuters interviewte, kann dadurch ein hoch bewerteter IPO weitgehend unwidersprochen bleiben.

„Eine IPO-Aktie, die 10 Yuan wert ist, kann bei 100 Yuan eröffnen und dann jahrelang fallen. Das ist ein Rip-off“, sagte der Hedgefondsmanager Yuan Yuwei von Trinity Synergy.

Auch das Angebot ist knapp. In den ersten sieben Monaten des Jahres 2026 wurden in Shanghai nur 21 Unternehmen gelistet, verglichen mit 104 in Hongkong — einem Markt, der den ersten öffentlichen Test des Sektors bereits gesehen hatte, als UBTech im Dezember 2023 als erster Hersteller humanoider Roboter dort an die Börse ging und seine Aktie in den folgenden Jahren stark schwankte.

Reale Auslieferungen, ungeprüfte Nachfrage

Unitree ist kein leeres Papierunternehmen. Es ist der weltweit größte Hersteller von Roboterhunden und gemessen an den Auslieferungen der zweitgrößte Produzent humanoider Roboter. Diese Position verdankt das Unternehmen teils auch seiner aggressiven Preisgestaltung — sein G1-Humanoid kam 2024 für 99.000 Yuan in den Verkauf. Counterpoint Research zufolge lieferte Unitree in der ersten Hälfte des Jahres 2026 mehr als 7.000 humanoide Roboter aus und erreichte damit 31% des Weltmarkts. Die weltweiten Auslieferungen überstiegen im selben Zeitraum 22.000 Einheiten und lagen damit fast 300% über dem Vorjahr.

Auch Gründer Wang Xingxing hat zur Geduld aufgerufen. Am 20. August, einen Tag nach dem IPO, sagte der CEO, das Feld nähere sich einem „ChatGPT-Moment“ für die Roboterintelligenz, warnte aber zugleich, dass der eigentliche Software-Durchbruch im optimistischen Fall noch zwei bis drei Jahre entfernt sein könnte — oder spätestens fünf bis 10 Jahre.

Diese Spannung definiert Unitree nun: Anleger preisen eine Robotik-Zukunft ein, die die Technologie noch nicht vollständig geliefert hat. Als börsennotiertes Unternehmen muss Unitree nun vierteljährlich Bericht erstatten, und jede Veröffentlichung — ebenso wie Auslieferungszahlen und Anzeichen für zahlende kommerzielle Aufträge — wird zeigen, ob die Nachfrage der Erzählung auf dem Zeitplan seines eigenen Gründers näherkommt.