NachrichtenMakroZahlen die Realwirtschaft wirklich so viel für KI?

Zahlen die Realwirtschaft wirklich so viel für KI?

Autor: City AM Markets·

Wichtige Erkenntnisse

  • Der Anteil der britischen KMU, die Geld für KI-Dienste ausgaben, stieg von 3,2 per cent im zweiten Quartal 2024 auf 12,8 per cent im zweiten Quartal 2026 und hat sich damit vervierfacht.
  • Trotz der zunehmenden Nutzung entfallen auf KI-Ausgaben nur 0.1 per cent des gesamten von Capital on Tap verarbeiteten Kartenumsatzes, was für das Vereinigte Königreich rund £4 billion jährlich impliziert.
  • Der Median der KI-Ausgaben pro KMU lag im zweiten Quartal 2026 bei £75.60 und damit deutlich unter dem Durchschnitt von £288; das deutet darauf hin, dass die meisten kleinen Unternehmen noch in einer Testphase sind.
  • Große Technologieunternehmen wie Microsoft, Alphabet, Amazon und Meta sollen in diesem Jahr fast $1 trillion in KI-Infrastruktur investieren, im nächsten Jahr sogar noch mehr.
  • Das Wachstum der KI-Ausgaben ist zwar stark, reicht aber bislang nicht aus, um die Lücke zwischen massiven Infrastrukturinvestitionen und den tatsächlichen Erlösen aus KI-Diensten zu schließen.
Zahlen die Realwirtschaft wirklich so viel für KI?

Top-Technologievertreter haben scharfe Warnungen vor den möglichen Folgen von KI für den globalen Arbeitsmarkt ausgesprochen. Tom Blomfield, Gründer von Monzo, erwartet, dass die Arbeitslosigkeit in den nächsten fünf Jahren stark steigen wird, weil KI immer mehr menschliche Arbeitsleistung ersetzt. Elon Musk geht noch weiter und schätzt, dass die Arbeitslosigkeit innerhalb eines Jahrzehnts nahe 100 per cent liegen könnte.

Neue Transaktionsdaten zeichnen jedoch ein nüchterneres Bild davon, wie Unternehmen KI derzeit tatsächlich nutzen. Capital on Tap, einer der größten SME-Kreditgeber im Vereinigten Königreich, verfolgt jährlich Ausgabemuster über Transaktionen im Wert von mehreren zehn Milliarden Pfund. KMU machen rund 99 per cent aller britischen Unternehmen aus, sodass ihre Ausgabenmuster ein nützlicher Indikator dafür sind, wie weit KI in die breitere Wirtschaft vorgedrungen ist.

Starker Anstieg von einer kleinen Basis aus

Die Daten des Unternehmens zeigen, dass die KI-Nutzung unter kleinen Unternehmen in den vergangenen zwei Jahren deutlich zugenommen hat. Im zweiten Quartal 2024 gaben nur 3,2 per cent der KMU Geld für Dienstleistungen von KI-Unternehmen aus. Dieser Anteil vervierfachte sich bis zum zweiten Quartal 2026 auf 12,8 per cent.

Auch die durchschnittlichen Ausgaben pro Kleinunternehmen für KI stiegen deutlich und legten im selben Zeitraum von £93 auf £288 zu. Der Median der Ausgaben im zweiten Quartal 2026 lag jedoch mit £75.60 erheblich niedriger, da der Durchschnitt durch eine kleine Gruppe von Großausgebern verzerrt wird. Unternehmen im 99. Perzentil der KI-Ausgaben gaben im Schnitt jeweils £3,159 aus — mehr als das Vierzigfache des Medians — was darauf hindeutet, dass zwar ein wachsender Anteil kleiner Unternehmen für KI-Tools bezahlt, die Mehrheit jedoch mit überschaubaren Abonnements noch in einer Testphase bleibt, während eine kleine Gruppe erhebliche Budgets bindet.

Trotz des Wachstums entfallen auf KI-Tools weiterhin nur 0.1 per cent des gesamten Werts aller von Capital on Tap verarbeiteten Kartenzahlungen. Auf die gesamte britische Wirtschaft hochgerechnet entspräche das jährlichen Ausgaben für KI-Dienste von rund £4 billion — weniger als ein Zehntel des Umsatzes von Tesco.

Diese Zahl liegt grob im Rahmen anderer Schätzungen der jährlichen weltweiten KI-Ausgaben, die den globalen Gesamtwert zwischen £100 billion und £150 billion ansetzen.

Infrastrukturinvestitionen wachsen den Einnahmen weit davon

Die Ausgaben für KI-Dienste dürften weiter steigen, da große Anbieter höhere Preise für ihre Modelle verlangen. Das Wachstum kommt jedoch zu einem Zeitpunkt, an dem die weltweit größten KI-Unternehmen — darunter Microsoft, Alphabet, Amazon und Meta — in diesem Jahr voraussichtlich fast $1 trillion in Infrastruktur investieren werden, im nächsten Jahr sogar noch mehr — ein erheblicher Teil davon wird über Schulden finanziert.

Damit diese Infrastrukturinvestitionen Rendite bringen, müssten die Ausgaben von Unternehmen für KI um Größenordnungen wachsen. Zwar steigen die aktuellen Ausgaben schnell, aber noch nicht schnell genug, um die Lücke zwischen Kapitalaufwand und tatsächlichen Einnahmen zu schließen. Genau diese Diskrepanz beschäftigt inzwischen immer mehr Anleger.