Fehler in der Finanzökonomie: Tyler Cowen über KI-Risiken und Markt-Shorts
Wichtige Erkenntnisse
- •Tyler Cowen argumentiert, dass sich Menschen mit Sorgen über ein katastrophales KI-Risiko günstig mit Out-of-the-Money-Put-Optionen absichern könnten, während sie ansonsten Long im Markt bleiben.
- •Cowen stellt fest, dass kaum ein prominenter Warner vor KI-Gefahren solche Puts gekauft hat, obwohl die jährlichen Kosten moderat sind und kein Hebel nötig ist.
- •Viele Katastrophenszenarien rund um KI enthalten Zwischenphasen erheblicher Störung und Panik, in denen Put-Inhaber bereits vor einem Worst-Case-Ausgang profitieren könnten.
- •Cowen hält Long-Positionen für schwache Belege echter Überzeugung, da sie auch bei falscher Grundannahme normale risikoadjustierte Renditen liefern können.
- •Cowen vermutet, dass die Zurückhaltung, auf KI-Risiken zu reagieren, aus der Intuition resultiert, dass KI zwar teuer wird, aber nicht wirklich katastrophal.

Tom Chivers merkt an, dass die Median-Erwartung sei, dass KI die Wirtschaft enorm ankurbeln werde, weshalb es eine sehr schlechte Idee wäre, den Markt zu shorten. Er weist jedoch auf ein nicht triviales Tail-Risiko hin: dass KI alle töte, woraufhin Leerverkäufe ohnehin sinnlos wären. Dieses Argument, so Chivers, verfehle fast absichtlich den Punkt.
Tyler Cowen — der Ökonom der George Mason University und Marginal-Revolution-Blogger, der Marktlogik mit großer Strenge auf weithin diskutierte Behauptungen anwendet — entgegnet, es sei durchaus einfach, stark Out-of-the-Money-Puts zu kaufen und zugleich den Rest des Portfolios long zu halten. Doch nur wenige, wenn überhaupt, derjenigen, die öffentlich über KI-Risiken besorgt sind, tun das tatsächlich. Cowen weist darauf hin, dass viele — vielleicht die meisten oder nahezu alle — der katastrophalen KI-Szenarien Zwischenphasen erheblicher Störung und Panik enthalten, in denen Inhaber solcher Puts schon weit vor einem Worst-Case-Ausgang Gewinne realisieren könnten. Hebel ist nicht erforderlich; man könne 5.000 oder 10.000 Dollar pro Jahr für Put-Optionen ausgeben und den Verlust im Fehlerfall als abgelaufene Versicherung betrachten. Wer sich mit Finanzen nicht auskennt, so Cowen, könne sich dabei von einer AGI anleiten lassen.
Einige Kommentatoren argumentieren, dass Märkte langfristige idiosynkratische Risiken schlecht bepreisen — ein Einwand, der in der breiteren akademischen Debatte darüber wurzelt, ob Aktien ferne, unwahrscheinliche Gefahren wie Klimakatastrophen oder geopolitische Konflikte systematisch zu niedrig bewerten. Cowen entgegnet, dass dies umso mehr ein Grund sei, jene Puts zu kaufen.
Cowen meint, dass in vielen Versuchen, die Annahme zu widerlegen, die eigenen Ansichten müssten einen folgerichtig dazu bringen, den Markt in irgendeiner Form zu shorten, zahlreiche Fehler in der Finanztheorie stecken. Er warnt davor, Long-Positionen als Beweis von Überzeugung zu nehmen, da Long-Positionen selbst dann normale, risikoadjustierte Renditen erzielen können, wenn die zugrunde liegende These völlig falsch ist. Es sind die Shorts — ob ausdrücklich oder implizit —, die die wahren Überzeugungen eines Anlegers offenlegen.
Cowen verweist auf Victor Niederhoffer, den Quant-Trader und Autor, der der Ansicht war, ein Anleger solle niemals netto short in einem Vermögenswert sein. Zwar vermeide Cowen das Wort „niemals“, doch seine eigene Sicht sei nicht weit davon entfernt.
Dann stellt Cowen die direkte Frage: Ist es wirklich so schwer zu sagen — und zu tun —: „Thank you, Tyler, I just went out and bought those puts!“? Offenbar schon. Und vielleicht, so Cowen, liegt das daran, dass die eigene Intuition tief im Inneren erkennt, dass KI zwar erhebliche Kosten verursachen wird, es aber letztlich doch nicht so schlimm kommen wird, wie manche behaupten — eine Haltung, die er als „Words to live by“ bezeichnet.