NachrichtenAktienTrump behauptet, für die USA Hunderte Milliarden an der Börse verdient zu haben – ohne Belege

Trump behauptet, für die USA Hunderte Milliarden an der Börse verdient zu haben – ohne Belege

Autor: Hokanews·

Wichtige Erkenntnisse

  • Trump behauptete auf Truth Social, für die USA – nicht für sich selbst – Hunderte Milliarden Dollar an Gewinnen aus Aktien und anderen Beteiligungen erwirtschaftet zu haben.
  • Der Beitrag enthielt keine Zahlen, Finanzunterlagen oder Aufstellungen zur Untermauerung des behaupteten Betrags, der damit unbelegt bleibt.
  • Die US-Regierung erwarb im August 2025 rund 9,9 Prozent von Intel und kaufte 433,3 Millionen Aktien zu je 20,47 US-Dollar.
  • Auf Basis des Intel-Schlusskurses von 95,80 US-Dollar am 4. September beträgt die unrealisierte Wertsteigerung der Regierungsposition rund 32 Milliarden US-Dollar – weit unter Hunderten Milliarden.
  • Ein begleitendes Bild von Trump am Resolute Desk mit Börsenbildschirmen wurde als KI-generiert identifiziert.
Trump behauptet, für die USA Hunderte Milliarden an der Börse verdient zu haben – ohne Belege

Präsident Donald Trump behauptete in einem Truth-Social-Beitrag am 6. September, im Namen der Vereinigten Staaten – nicht für sich selbst – Hunderte Milliarden Dollar an Gewinnen aus Aktien und anderen Beteiligungen erwirtschaftet zu haben. Die Behauptung wurde auch von Cointelegraph berichtet (Beitrag).

„I've made Hundreds of Billions of Dollars on Stocks, and many other type Holdings, for the U.S.A., not myself“ („Ich habe Hunderte Milliarden Dollar an Aktien und vielen anderen Formen von Beteiligungen für die USA verdient, nicht für mich“), schrieb Trump.

Der Beitrag enthielt keine Zahlen, Finanzunterlagen oder weiteren Belege zur Untermauerung des genannten Betrags. Die Aussage bleibt daher eine Behauptung des Präsidenten und keine unabhängig überprüfte Abrechnung der für die US-Regierung erwirtschafteten Gewinne.

Trump verknüpft Börsengewinne mit US-Interessen

Trump stellte seine Aktien- und Beteiligungsaktivitäten als Vorteil für die Vereinigten Staaten dar, nicht als Mittel zum persönlichen Vermögensaufbau. Die Äußerung erfolgte im Zuge einer Reihe von Beiträgen und Bildern zu den Finanzmärkten und der Entwicklung einzelner Aktien.

Ein vom Präsidenten geteiltes Bild zeigte ihn am Resolute Desk, umgeben von Börsenbildschirmen, darunter Anzeigen mit dem Intel-Kurs bei 20 US-Dollar und später bei 95 US-Dollar. Das Bild wurde als KI-generiert identifiziert.

Weder das Weiße Haus noch Trump legten eine detaillierte Aufstellung vor, aus der hervorgeht, wie die behaupteten „Hunderte Milliarden Dollar“ berechnet wurden oder wie etwaige Gewinne an die US-Regierung übertragen oder ihr zugeordnet wurden.

Intel-Investment zieht Aufmerksamkeit auf sich

Die Äußerungen lenkten zudem den Blick auf die Intel-Beteiligung der US-Regierung. Die Regierung erwarb im August 2025 rund 9,9 Prozent des Chipherstellers und kaufte dabei 433,3 Millionen Aktien zu je 20,47 US-Dollar, wie aus Berichten hervorgeht, die nach dem ursprünglichen Geschäft veröffentlicht wurden. Das Intel-Geschäft markierte einen bemerkenswerten Wandel in der US-Politik, da die Bundesregierung historisch nur in begrenzten Fällen Eigenkapitalbeteiligungen an privaten Unternehmen hielt, etwa an Banken und Automobilherstellern während der Finanzkrise 2008.

Die Intel-Aktie stieg anschließend deutlich. Der Kurs schloss am 4. September laut Benzinga bei 95,80 US-Dollar, wodurch der Marktwert der Intel-Position der Regierung weit über dem ursprünglichen Kaufpreis liegt. Auf Basis der berichteten Aktienzahl und Kurse beträgt die unrealisierte Wertsteigerung der Intel-Beteiligung allein rund 32 Milliarden US-Dollar – eine große Zahl, aber weit entfernt von den von Trump zitierten „Hunderten Milliarden“.

Allerdings belegt der Wertanstieg einer einzelnen staatlichen Beteiligung für sich genommen nicht, dass die Vereinigten Staaten über Aktien und andere Beteiligungen hinweg Hunderte Milliarden Dollar an Gewinnen realisiert haben.

Behauptung bleibt unbelegt

Trumps Aussage nannte weder die konkreten Investments hinter der Billionen- bzw. Milliardenbetrag-Figur noch eine Berechnung der behaupteten Gewinne. Auch Berichte, die den Beitrag überprüften, stellten fest, dass der Behauptung keine Belege beigefügt waren.

Zudem ist die Unterscheidung zwischen Kursgewinnen und realisierten Erlösen für die Bewertung von Renditebehauptungen relevant: Ein Vermögenswert kann im Wert erheblich steigen, ohne dass der Inhaber ihn verkauft oder den Gewinn realisiert hat. Diese Unterscheidung wird in der Finanzberichterstattung regelmäßig betont, wo unrealisierte Wertsteigerungen und realisierte Gewinne getrennt ausgewiesen werden.

Ob die Regierung eine belegendes Rechenwerk vorlegt – etwa eine Aufstellung der staatlichen Positionen samt Anschaffungskosten – wird darüber entscheiden, ob die Behauptung künftig unabhängig überprüft werden kann.

Vorerst bleibt Trumps Angabe von „Hunderten Milliarden Dollar“ eine unbelegte Behauptung des Präsidenten, ohne dass im Beitrag eine detaillierte Abrechnung zeigt, wie der Betrag zustande gekommen ist.

Quelle: Hokanews