Südkorea verschiebt Entscheidung über Sanktionen gegen Google und Apple im Bereich App-Zahlungen erneut
Wichtige Erkenntnisse
- •Die Korea Media and Communications Commission hat ihre endgültige Entscheidung über die im Oktober 2023 erstmals vorgeschlagenen Geldbußen von bis zu 47,5 Milliarden Won für Google und 20,5 Milliarden Won für Apple vertagt.
- •Die Regulierungsbehörde stellte fest, dass beide Unternehmen bis zu 26 Prozent Provision für die Abrechnung über Drittanbieter erhoben, was nur einer Senkung von 4 Prozentpunkten gegenüber ihrer Standardrate von 30 Prozent entspricht.
- •Apple wandte zwischen Juli 2015 und Januar 2023 unterschiedliche Provisionsstandards für koreanische Entwickler im Vergleich zu überseeischen Entwicklern an, was zu geschätzten zusätzlichen Kosten in Höhe von 149,6 Milliarden Won (105,7 Millionen US-Dollar) führte.
- •Googles neu angekündigte Gebührenermäßigung auf 10–25 Prozent gilt derzeit nicht für Südkorea, weshalb die Kommission sie nicht als freiwillige Korrekturmaßnahme betrachtet.
- •Die Änderung des Telecommunications Business Act im Jahr 2021 war das weltweit erste Gesetz, das den Zugang von Drittanbieter-Zahlungssystemen in App-Marktplätzen vorschrieb. Seine Durchsetzung könnte den regulatorischen Ansatz in anderen Rechtsgebieten prägen.

Südkoreas Medienregulierungsbehörde hat eine endgültige Entscheidung über Sanktionen gegen Google und Apple wegen In-App-Zahlungspraktiken, die angeblich gegen koreanisches Recht verstießen, erneut verschoben – fast drei Jahre nach dem ersten Vorschlag der Strafen.
Die Korea Media and Communications Commission gab am Mittwoch bekannt, dass sie während einer Plenarsitzung die Argumente beider Unternehmen angehört, die Entscheidung aber zur weiteren Beratung vertagt habe. Die verlängerte Frist unterstreicht die Herausforderungen, mit denen Regulierungsbehörden bei der Durchsetzung des weltweit ersten Gesetzes zur Pflicht für den Zugang von Drittanbieter-Zahlungssystemen in App-Marktplätzen konfrontiert sind – ein Rahmen, der seither durch vergleichbare Maßnahmen im Digital Markets Act der Europäischen Union und durch gerichtlich angeordnete Rechtsbehelfe in den Vereinigten Staaten aufgegriffen wurde.
Feststellungen der Kommission zu Provisionsraten
Die Regulierungsbehörde stellte fest, dass Google und Apple Entwickler de facto auf bestimmte Zahlungsmethoden beschränkten und dabei bis zu 26 Prozent Provision für die Abrechnung über Drittanbieter erhoben – nur vier Prozentpunkte unter ihrer Standardprovision von 30 Prozent.
Google beschränkte zudem, wie alternative Zahlungsoptionen den Nutzern präsentiert werden könnten, und zwang diese, für jede einzelne Transaktion eine Zahlungsmethode auszuwählen. Apple schloss seinerseits die Abrechnung über Drittanbieter von bestimmten Rabattprogrammen aus. Dies bedeutete, dass Entwickler, die für einen reduzierten Satz von 15 Prozent unter Apples eigenem Abrechnungssystem in Frage kamen, bei der Nutzung einer Alternative weiterhin eine Gebühr von 26 Prozent zahlen mussten.
Identifizierte Verzögerungen bei der App-Überprüfung
Verzögerungen bei der App-Überprüfung wurden als separates Problem markiert. Die Regulierungsbehörde identifizierte mehr als 10.000 Fälle, in denen Google seine angegebene Überprüfungsfrist überschritt, sowie 1.658 Fälle, in denen Apple länger als 48 Stunden brauchte – häufig ohne klare Erklärungen oder erwartete Zeitpläne.
Ungleichbehandlung koreanischer Entwickler
Die Kommission stellte außerdem fest, dass Apple von Juli 2015 bis Januar 2023 unterschiedliche Provisionsstandards für koreanische und überseeische Entwickler anwandte. Während überseeische Entwickler auf der Grundlage von Preisen ohne Mehrwertsteuer abgerechnet wurden, wurden koreanische Entwickler auf Preisen inklusive Mehrwertsteuer abgerechnet. Diese Diskrepanz führte zu geschätzten 149,6 Milliarden Won (105,7 Millionen US-Dollar) an zusätzlichen Provisionen.
Das Digital Sovereignty Restoration Citizens Committee hat die Praxis als umgekehrte Diskriminierung bezeichnet und festgestellt, dass die Provisionsraten in den Vereinigten Staaten auf null und in Europa auf 17 Prozent gesenkt wurden, wobei nach dortigen Gerichtsurteilen externe Zahlungen zugelassen wurden. Koreanische Entwickler sahen sich im Gegensatz dazu weiterhin weniger günstigen Bedingungen gegenüber.
Gesetzgeberischer Hintergrund und Zeitplan
Südkorea änderte 2021 das Telecommunications Business Act, um App-Marktplatzbetreibern zu verbieten, Entwickler zur Verwendung bestimmter Zahlungsmethoden zu zwingen – die erste gesetzliche Maßnahme dieser Art weltweit. Die Vorschriften traten im März 2022 in Kraft, und die Regulierungsbehörde nahm im August desselben Jahres ihre Ermittlungen auf.
Im Oktober 2023 schlug die Regulierungsbehörde Geldbußen von bis zu 47,5 Milliarden Won für Google und 20,5 Milliarden Won für Apple vor. Eine endgültige Entscheidung wurde seitdem angesichts einer anhaltenden Lähmung der Kommission und einer anschließenden Regierungsumbildung wiederholt verschoben.
Googles neue Gebührenstruktur
Google stellte diese Woche eine neue Gebührenstruktur vor, die die Gebühren für App-Marktplätze von den bisherigen 15–30 Prozent auf eine Spanne von 10–25 Prozent senken soll. Die Kommission erklärte jedoch, dass die Richtlinie derzeit nicht für Südkorea gelte und daher noch nicht als freiwillige Korrekturmaßnahme angesehen werden könne.
Die endgültigen Strafen und Korrekturanordnungen werden auf einer späteren Plenarsitzung festgelegt, so die Kommission. Der Ausgang wird voraussichtlich prägen, wie effektiv Regulierungsbehörden sinnvolle Veränderungen der Plattformökonomie erzwingen können – nicht nur in Südkorea, sondern in allen Rechtsgebieten, die ähnliche Mandate verabschiedet haben oder in Betracht ziehen.