NachrichtenAktienKI und Software: Zwei Blasen auf Kollisionskurs, während $150 Milliarden Schulden drohen

KI und Software: Zwei Blasen auf Kollisionskurs, während $150 Milliarden Schulden drohen

Autor: ForexLive·

Wichtige Erkenntnisse

  • Generative KI-Programmierwerkzeuge wie Codex und Claude Code könnten die Margen und Wettbewerbsvorteile der Softwarebranche bedrohen; daraus ergibt sich ein binäres Szenario, in dem entweder KI Software verdrängt oder KI selbst keinen tragfähigen Anwendungsfall hat.
  • Laut einer Bloomberg-Analyse werden zwischen jetzt und 2029 rund $150 Milliarden Schulden im Softwaresektor fällig, wobei der stärkste Refinanzierungsdruck voraussichtlich um 2028 einsetzt.
  • Ein großer Teil der Private-Equity-Transaktionen der vergangenen zehn Jahre konzentrierte sich auf Softwareunternehmen, wodurch der Sektor zu einem der am stärksten gehebelten Bereiche der Unternehmenslandschaft wurde.
  • Hedgefonds-Manager Lee Robinson, der vor der Finanzkrise 2008 systemische Risiken erkannte, setzt derzeit gegen Versicherer, weil diese stark in Private Credit und Collateralized Loan Obligations mit Leveraged-Buyout-Schulden engagiert sind.
  • Seligson hält selbst stagnierende Umsätze für riskant, da die hohe Verschuldung der Softwareunternehmen auf der Annahme kontinuierlichen Wachstums beruhte.
KI und Software: Zwei Blasen auf Kollisionskurs, während $150 Milliarden Schulden drohen

Bloomberg TV berichtete kürzlich über Paula Seligson, um die zunehmenden Risiken bei Software-Aktien und einen neuen Bericht über das Engagement des Sektors zu besprechen. Die Erzählung der „SaaSpocalypse“ – ein starker Ausverkauf, ausgelöst durch die Sorge, dass generative KI die Margen komprimieren und die Wettbewerbsvorteile schwächen könnte, die Software-Bewertungen stützen – wurde bereits zu Jahresbeginn zu einem zentralen Thema. Einige der betroffenen Unternehmen haben sich von ihren Tiefstständen zwar deutlich erholt, doch das zugrunde liegende Problem bleibt bestehen.

KI-gestützte Programmierwerkzeuge wie Codex und Claude Code werden aus mehreren Richtungen direkt gegen die Softwarebranche eingesetzt. Entweder gelingt es diesen Tools, das margenstarke Softwaregeschäft zu stören, oder KI selbst hat keine tragfähige Anwendung. Aus dieser Sicht gibt es kein Ergebnis, bei dem beide Seiten gewinnen.

Die Daten verdeutlichen das Ausmaß des Risikos. Ein erheblicher Teil der Private-Equity-Transaktionen des vergangenen Jahrzehnts entfiel auf Software, was den Sektor zu einem der am stärksten verschuldeten Bereiche der Unternehmenslandschaft macht. Auch wenn die Schulden aus diesen Transaktionen noch nicht fällig sind, steigt der Refinanzierungsdruck. Der kritische Moment – beschrieben als „Wile E. Coyote“-Szenario – kommt, wenn Softwareunternehmen die Schulden refinanzieren müssen, mit denen ihre Leveraged Buyouts finanziert wurden, möglicherweise zu höheren Finanzierungskosten und in einem Markt, der die Stabilität ihrer Cashflows infrage stellt.

Wo die Verluste letztlich liegen, bleibt unklar, da ein großer Teil des Engagements im Privatmarkt angesiedelt ist. Es handelt sich um stark gehebelte Transaktionen, die in hohem Maße auf Fremdkapital beruhten, und die Identität der Kreditgeber ist nicht vollständig transparent. Versicherer sind bedeutende Akteure im Bereich Private Credit und bei Collateralized Loan Obligations – Vehikel, die in den vergangenen Jahren große Volumina an Leveraged-Buyout-Schulden aufgenommen haben –, was erklärt, warum das Refinanzierungsrisiko des Sektors die Aufmerksamkeit von Investoren auf sich gezogen hat, die nach systemischen Schwachstellen suchen.

Lee Robinson, ein Hedgefonds-Manager, der für das Erkennen von Risiken vor der Finanzkrise 2008 bekannt ist, setzt aus genau diesem Grund derzeit gegen Versicherer, wie in einem Bloomberg-Bericht beschrieben.

Die breitere Sorge betrifft das Timing. Für 2026 werden die Softwareumsätze voraussichtlich stabil bleiben, doch bis 2029 müssen KI-Investitionen erhebliche Renditen liefern. Das wirft die Frage auf, ob Softwareunternehmen genügend Zeit haben werden, ihre Verschuldung zu reduzieren – und wer bereit sein wird, einer Branche Kredite zu gewähren, die jederzeit abrupt aus dem Gleichgewicht geraten könnte.

Seligson argumentiert, dass Softwareunternehmen mit hoher Verschuldung unter der Annahme – und der Notwendigkeit – steigender Umsätze belastet wurden. Selbst wenn die Umsätze lediglich stagnieren, geraten sie damit unter Druck.

Sie weist darauf hin, dass laut einer Bloomberg-Analyse zwischen jetzt und 2029 rund $150 Milliarden an Schulden fällig werden. Der größte Schmerz dürfte erst 2028 sichtbar werden, weshalb belastbare Antworten zur Entwicklung des Sektors noch Jahre entfernt sein könnten.