Anreize für emissionsarme Brennstoffe in der Schifffahrt: politische Optionen und Zielkonflikte
Wichtige Erkenntnisse
- •Die internationale Schifffahrt verursacht rund 3 % der weltweiten Treibhausgasemissionen, wobei die IMO unter ihrer überarbeiteten GHG-Strategie von 2023 eine Netto-Null-Emission des Sektors bis oder um 2050 anstrebt.
- •Emissionsarme und emissionsfreie Brennstoffe wie grünes Methanol, Ammoniak und Wasserstoffderivate sind deutlich teurer als die konventionellen fossilen Brennstoffe, die sie ersetzen sollen.
- •Das Papier identifiziert einen zentralen politischen Zielkonflikt zwischen der Subventionierung bereits nahezu wettbewerbsfähiger Brennstoffe und der Förderung teurerer, aber besser skalierbarer Brennstoffpfade der nächsten Generation.
- •Die Analyse strukturiert die Gestaltung von ZNZ-Förderprogrammen um fünf Variablen — Förderfähigkeit, Emissionsminderungs-Benchmark, Multiplikatoren, Differenzierung und Förderinstrumente — und bewertet diese entlang dreier Dimensionen: Anreizstärke, fiskalische Nachhaltigkeit und ökologische Integrität.
- •Der Netto-Null-Rahmen der IMO wird derzeit unter den Mitgliedsstaaten verhandelt und würde bei Umsetzung eine weltweit verbindliche Klimaregulierung für die Schifffahrtsindustrie etablieren.

Die Dekarbonisierung der internationalen Schifffahrt — die rund 3 % der weltweiten Treibhausgasemissionen verursacht — wird letztlich einen Übergang zu emissionsarmen und emissionsfreien Brennstoffen wie grünem Methanol, Ammoniak und Wasserstoffderivaten erfordern. Diese Alternativen sind jedoch deutlich teurer als die fossilen Brennstoffe, die sie ersetzen sollen — unter anderem, weil der Marktpreis konventioneller fossiler Brennstoffe die durch sie verursachten Klimaschäden nicht widerspiegelt. Gezielte finanzielle Unterstützung kann helfen, diese Kostendifferenz zu überbrücken, doch die Ausgestaltung solcher Maßnahmen ist entscheidend: Sie bestimmt, ob Subventionen lediglich preiswerte kurzfristige Emissionsreduktionen bewirken oder das Fundament für ein dauerhaftes System emissionsarmer Brennstoffe legen.
Um die Diskussion über die Programmierung von Subventionen für emissionsarme Brennstoffe zu fundieren, konzentriert sich die Analyse auf eine aktuelle politische Debatte — die Frage, wie die Nutzung von „Null- oder Nahe-Null"-Brennstoffen (ZNZ) im Rahmen des Netto-Null-Rahmens (NZF) der Internationalen Seeschifffahrts-Organisation (IMO) gefördert werden kann. Der NZF wird im Rahmen der überarbeiteten GHG-Strategie der IMO von 2023 entwickelt, die das Ziel festlegte, die Nettotreibhausgasemissionen der internationalen Schifffahrt bis oder um 2050 auf null zu reduzieren. Falls umgesetzt, würde der NZF — der derzeit unter den Mitgliedsstaaten in aufeinanderfolgenden Sitzungen des Marine Environment Protection Committee (MEPC) der IMO verhandelt wird — eine weltweit verbindliche Klimaregulierung für die Schifffahrtsindustrie etablieren.
Im Zentrum jedes ZNZ-Förderplans steht eine grundlegende Entscheidung: Sollten Subventionen darauf ausgerichtet werden, die Kosten der Emissionsminderung durch bereits nahezu wettbewerbsfähige Brennstoffe zu senken, oder darauf, die Einführung teurerer, aber besser skalierbarer Brennstoffpfade der nächsten Generation zu beschleunigen? Der Versuch, beide Ziele mit einem einzigen, undifferenzierten Instrument zu verfolgen, birgt das Risiko, keines der beiden wirksam zu erreichen.
Ausgehend von diesem Zielkonflikt reduziert das Papier die Gestaltung eines ZNZ-Förderprogramms auf fünf miteinander verknüpfte Variablen: Förderfähigkeit, Emissionsminderungs-Benchmark, Multiplikatoren, Differenzierung und Förderinstrumente. Für jede Variable stellt das Papier die verfügbaren Optionen dar und untersucht die Zielkonflikte entlang dreier Dimensionen — Anreizstärke, fiskalische Nachhaltigkeit und ökologische Integrität — und empfiehlt einen Ansatz, bei dem die Analyse eine klare Präferenz unterstützt.
Das Papier ist in vier Teile gegliedert:
- Abschnitt 1 erläutert die Notwendigkeit von Anreizen.
- Abschnitt 2 stellt den NZF und die Methodik zur Berechnung von ZNZ-Förderbeträgen vor.
- Abschnitt 3 präsentiert die Hauptanalyse der fünf Variablen, während die Schlussfolgerung die Ergebnisse in einer Entscheidungstabelle zusammenfasst.
- Zwei Anhänge behandeln den Multiplikatormechanismus und weitere Differenzierungskriterien.
Quelle: Maersk Mc-Kinney Møller Center for Zero Carbon Shipping (MMMCZCS)