NachrichtenAktienSamsung zielt mit leichteren Galaxy-AI-Brillen auf Meta und setzt auf Split Computing

Samsung zielt mit leichteren Galaxy-AI-Brillen auf Meta und setzt auf Split Computing

Autor: Korea Herald Business·

Wichtige Erkenntnisse

  • Samsungs Galaxy-AI-Brille nutzt eine gemeinsam mit Google entwickelte „Split Computing“-Architektur, die Rechenaufgaben zwischen der Brille und einem gekoppelten Smartphone verteilt, um Gewicht zu reduzieren und zugleich die Funktionalität zu erhalten.
  • Die Brille läuft auf Googles Android XR-Plattform, integriert Gemini AI und ist für bis zu neun Stunden Akkulaufzeit ausgelegt; ein Ladeetui liefert sieben zusätzliche vollständige Ladungen.
  • Das Gerät der ersten Generation unterstützt Galaxy-Smartphones, andere Android-Geräte und Apple iOS-Produkte, wobei Galaxy-Nutzer eine tiefere Integration in Samsungs breiteres Geräteökosystem erhalten.
  • Samsung sicherte sich während der Entwicklung rund 200 Patente für Technologien wie ein ultraflaches Scharnier, eine gewichtsausbalancierte Rahmenarchitektur und kosmetikresistente Lautsprecher; einige Innovationen sollen in künftigen Produkten eingeführt werden.
  • Die weltweiten Auslieferungen von AI-Brillen erreichten 2025 8,7 Millionen Einheiten, ein Plus von 322 Prozent gegenüber dem Vorjahr, und sollen laut dem Marktforschungsunternehmen Omdia 2026 mehr als 15 Millionen Einheiten überschreiten.
Samsung zielt mit leichteren Galaxy-AI-Brillen auf Meta und setzt auf Split Computing

LONDON — Samsung Electronics positioniert seine erste Galaxy-AI-Brille als leichtere und komfortablere Alternative zu Metas Smart-Eyewear und nutzt dafür eine mit dem Smartphone verbundene Architektur, die das Unternehmen als „Split Computing“ bezeichnet, um Gewicht zu reduzieren, ohne Funktionen einzuschränken.

Die intelligente Brille, die auf Android XR basiert — Googles Betriebssystem für Extended-Reality-Geräte, das erstmals im Dezember 2024 näher vorgestellt wurde — wurde am Mittwoch auf der Galaxy Unpacked 2026 präsentiert. Sie integriert Googles künstliche Intelligenz Gemini und umfasst Designpartnerschaften mit den globalen Brillenmarken Gentle Monster und Warby Parker. Samsung zeigte beim Launch in London vier Designs, darunter zwei, die bei einer Produktvorstellung am Donnerstag im Old Billingsgate erstmals präsentiert wurden, und will die Produkte im Laufe dieses Jahres auf den Markt bringen.

Ein anderer Ansatz bei Gewicht und Komfort

„Meta und andere Wettbewerber haben bereits Brillen auf dem Markt, aber Samsung verfolgt einen anderen Ansatz“, sagte Choi Jae-in, Leiter des Forschungs- und Entwicklungsteams für Extended Reality in der Mobile eXperience-Sparte von Samsung Electronics. „Wir glauben, dass Samsung einen Vorteil dabei hat, das Produkt leichter und über längere Zeiträume angenehmer tragbar zu machen.“

Samsung hat zwar keine genauen Spezifikationen wie das exakte Gewicht offengelegt, doch Choi deutete an, dass die Brille im Vergleich zu Konkurrenzprodukten wie der Ray-Ban Meta gut abschneiden werde. Diese wiegt etwa 50 Gramm und bietet bis zu acht Stunden Akkulaufzeit. Samsungs Intelligent Eyewear ist für bis zu neun Stunden mit einer einzigen Ladung ausgelegt — ein Wert, der laut Choi auf einem Nutzungsszenario mit gemischten Anwendungen basiert, darunter energieintensive Funktionen wie Videostreaming und Gemini Live, nicht nur Musikwiedergabe. Das zugehörige Ladeetui liefert bis zu sieben zusätzliche vollständige Ladungen.

Der Schlüssel zum geringeren Gewicht sei laut Samsung ein System, das gemeinsam mit Google seit Beginn des Projekts entwickelt wurde. Die als „Split Computing“ bezeichnete Architektur verteilt Rechenaufgaben zwischen der Brille und einem gekoppelten Smartphone. Kameradaten werden teilweise auf der Brille selbst verarbeitet, während aufwendigere Nachbearbeitung auf Speicher- und Rechenressourcen des Smartphones zugreift. Dieser Ansatz nutzt Samsungs Stellung als weltweit größter Smartphone-Hersteller nach Auslieferungsvolumen und verschafft der Brille eine enorme Basis potenzieller Begleitgeräte.

„Die Brille kann leicht bleiben, weil sie eng mit dem Smartphone verbunden ist“, erklärte Choi. „Wir haben dieses Konzept von Anfang an gemeinsam mit Google entwickelt. Split Computing ist eine der größten technologischen Stärken von Samsungs AI-Brille.“

Plattformübergreifende Kompatibilität mit tieferer Galaxy-Integration

Das Gerät der ersten Generation wird nicht nur Galaxy-Smartphones unterstützen, sondern auch andere Android-Geräte und Apples iOS-Produkte. Galaxy-Nutzer erhalten jedoch eine tiefere Integration in das Samsung-Ökosystem, darunter Smartphones, Uhren, kabellose Ohrhörer und Samsung Health — mit Steuerungen für Fotografie, Anrufe, Musikwiedergabe und Fitnessdaten.

Samsung erklärte, während der Entwicklung rund 200 Patente gesichert zu haben. Zu den geschützten Technologien gehören ein ultraflaches Scharnier, das elektrische Signale zwischen der Vorderseite des Rahmens und den Bügeln überträgt, eine Rahmenarchitektur zur Verbesserung von Gewichtsbalance und Wärmemanagement sowie Lautsprecher, die wiederholter Einwirkung von Sonnenschutzmitteln und Kosmetika standhalten sollen. Einige patentierte Innovationen sollen schrittweise in späteren Produkten eingeführt werden, während Samsung sein Portfolio an AI-Brillen erweitert.

Premium-Positionierung und Vertriebsstrategie

Das Unternehmen nannte keine Details zu Preisen, ersten Einführungsmärkten oder Verkaufszielen. Choi deutete jedoch an, dass die Brille im Premiumsegment angesiedelt werde: „Angesichts der eingesetzten Technologien und der Qualität der Verarbeitung muss das Produkt in die Premiumkategorie fallen.“

Samsung will seine wichtigsten Einführungsmärkte auf Grundlage regionaler Nachfrageanalysen und der Einzelhandelspräsenz seiner Partner Gentle Monster und Warby Parker auswählen. Diese Partnerschaften sollen auch jüngere Zielgruppen ansprechen, insbesondere Verbraucher in ihren Zwanzigern. Statt den Vertrieb vorrangig über Mobilfunkanbieter abzuwickeln, prüft Samsung ein Modell, bei dem Optikfachgeschäfte an erster Stelle stehen, da Anpassungen und persönliche Tests voraussichtlich ein zentraler Bestandteil des Kauferlebnisses sein werden. Die Anpassung von Korrektionsgläsern wird in Optikgeschäften möglich sein; auch getönte und photochrome Gläser werden unterstützt.

„Bevor wir darüber sprechen, welche Technologie oder welche AI in der Brille steckt, war es unser Ziel, eine Brille zu entwickeln, die Menschen in dem Moment tragen möchten, in dem sie sie sehen“, sagte Choi. „Wir wollen Designs anbieten, die attraktiv genug sind, dass selbst Menschen, die normalerweise keine Brille tragen, erwägen könnten, sie auszuprobieren.“

Ein schnell wachsender Markt

Der Markt für AI-Brillen wächst schnell, da integrierte Kameras, Sprachassistenten und generative AI den Alltagsnutzen der Geräte erhöhen. Samsungs Einstieg neben Metas etablierter Ray-Ban-Linie bringt zwei der weltweit größten Technologieunternehmen in einen direkten Wettbewerb in einer Kategorie, die bis vor Kurzem von Start-ups und spezialisierten Hardwareanbietern dominiert wurde. Laut dem Marktforschungsunternehmen Omdia erreichten die weltweiten Auslieferungen von AI-Brillen im Jahr 2025 8,7 Millionen Einheiten, ein Anstieg um 322 Prozent gegenüber dem Vorjahr, getrieben durch stark wachsendes Verbraucherinteresse an der entstehenden Gerätekategorie. Für dieses Jahr werden Auslieferungen von mehr als 15 Millionen Einheiten erwartet.

Samsung betrachtet intelligente Brillen nicht als isolierte Produktlinie, sondern als Grundlage für eine breitere Geräteplattform.

„Samsung hat in der Vergangenheit dazu beigetragen, Standards für neue Formfaktoren zu setzen“, sagte Choi. „Wir hoffen, dass AI-Brillen ebenfalls zu einem neuen Branchenstandard werden können.“