NachrichtenMakroBericht fordert einheitliche Standards für sichere Zufluchtsorte auf ammoniakbetriebenen Schiffen

Bericht fordert einheitliche Standards für sichere Zufluchtsorte auf ammoniakbetriebenen Schiffen

Autor: Ship & Bunker·

Wichtige Erkenntnisse

  • Der Bericht des Lloyd's Register Maritime Decarbonisation Hub fordert einheitliche Standards für die Auslegung sicherer Zufluchtsorte auf ammoniakbetriebenen Schiffen, da die aktuellen IMO-Leitlinien für eine einheitliche Umsetzung zu ungenau sind.
  • Ammoniak stößt als kohlenstofffreier maritimer Kraftstoff auf Interesse, doch seine hohe Toxizität bedeutet, dass bereits geringe Leckagen für Besatzungsmitglieder lebensbedrohlich sein können.
  • Der Bericht empfiehlt, sichere Zufluchtsorte um drei Kernfunktionen herum zu gestalten: Schutz, Kommando und Kontrolle sowie Zugänglichkeit, und sie in das breitere Notfallreaktionssystem des Schiffes zu integrieren.
  • Sichere Zufluchtsorte sollten standardisiert gegen Worst-Case-Ammoniakfreisetzungsszenarien, einschließlich größerer Bunkervorfälle, getestet und während der gesamten Betriebsdauer des Schiffes instand gehalten werden.
  • Der vorgeschlagene Rahmen stützt sich auf bewährte Shelter-in-Place-Praktiken aus der Offshore-Öl- und Gas- sowie der Chemieindustrie, in denen Gefahren durch giftige Gase seit Jahren beherrscht werden.
Bericht fordert einheitliche Standards für sichere Zufluchtsorte auf ammoniakbetriebenen Schiffen

Ein neuer Bericht des Lloyd's Register Maritime Decarbonisation Hub fordert die Schifffahrtsbranche auf, einen einheitlichen Ansatz für die Planung und Bewertung von Notfall-Zufluchtsorten auf ammoniakbetriebenen Schiffen zu übernehmen.

Der Bericht mit dem Titel Safe Havens for ammonia-fuelled ships befasst sich mit einer zentralen Sicherheitsherausforderung, während der maritime Sektor Ammoniak als kohlenstofffreie Alternative zu fossilen Kraftstoffen prüft. Ammoniak ist für Menschen hochgiftig, und selbst geringe Leckagen können für Besatzungsmitglieder beim Einatmen lebensbedrohlich sein. Gleichzeitig stößt der Kraftstoff auf wachsendes Interesse, weil er keinen Kohlenstoff enthält und seine Verbrennung daher kein CO2 erzeugt — ein entscheidender Vorteil, da die Schifffahrt auf die überarbeitete IMO-Strategie hinarbeitet, die Netto-Null-Treibhausgasemissionen aus der internationalen Schifffahrt bis 2050 oder um dieses Jahr herum zu erreichen.

Ein sicherer Zufluchtsort wird im Bericht als abgedichteter Rückzugsraum definiert, in dem sich die Besatzung während einer Leckage vor giftigem Ammoniakgas schützen kann. In diesem Raum kann die Besatzung die Kontrolle über das Schiff behalten oder, falls erforderlich, sich auf die Aufgabe des Schiffes vorbereiten.

Die Internationale Seeschifffahrts-Organisation (IMO) hat vorläufige Leitlinien für die Sicherheit von Schiffen veröffentlicht, die Ammoniak als Kraftstoff verwenden, und verlangt, dass ammoniakbetriebene Schiffe mit sicheren Zufluchtsorten ausgestattet werden. Der Bericht argumentiert jedoch, dass diese Leitlinien nur Anforderungen auf hoher Ebene enthalten und damit erheblicher Raum für unterschiedliche Auslegungen durch Schiffbauer, Klassifikationsgesellschaften und Flaggenverwaltungen bleibt.

Diese Unklarheit, so der Bericht, könnte zu uneinheitlichen und variierenden Sicherheitsniveaus in der künftigen Ammoniakflotte führen. Da mehrere große Motorenhersteller und Werften bereits Ammoniak-Dual-Fuel-Motoren entwickeln und ammoniakbereite Schiffe bestellen, kommen die Ergebnisse des Berichts in einer entscheidenden Phase — bevor die erste Generation kommerzieller ammoniakbetriebener Schiffe in den breiten Einsatz geht. Um dem entgegenzuwirken, schlägt der Bericht einen gemeinsamen Bewertungsrahmen vor, um einen konsistenteren und strengeren Ansatz für die Auslegung und Bewertung sicherer Zufluchtsorte sicherzustellen.

Die Empfehlungen des Berichts stützen sich auf bewährte Verfahren aus der Offshore-Öl- und Gasindustrie sowie der chemischen Industrie, in denen Gefahren durch giftige Gase seit Langem durch technisch ausgelegte Shelter-in-Place-Systeme beherrscht werden.

Dem Bericht zufolge sollten sichere Zufluchtsorte als integraler Bestandteil des umfassenderen Notfallreaktionssystems eines Schiffes und nicht als eigenständige Elemente betrachtet werden. Sie sollten um drei Kernfunktionen herum gestaltet werden: Schutz, Kommando und Kontrolle sowie Zugänglichkeit.

Der Bericht empfiehlt außerdem, sichere Zufluchtsorte anhand standardisierter Worst-Case-Ammoniakfreisetzungsszenarien zu testen, einschließlich größerer Bunkervorfälle, um sicherzustellen, dass sie unter extremen Bedingungen angemessen funktionieren. Darüber hinaus sollten sichere Zufluchtsorte während der gesamten Betriebsdauer eines Schiffes instand gehalten werden, um ihre dauerhafte Wirksamkeit sicherzustellen.

Der vollständige Bericht ist beim Lloyd's Register Maritime Decarbonisation Hub verfügbar.