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Ripple erhält endgültige OCC-Zulassung für National Trust Bank

Autor: Crypto Valley Journal·

Wichtige Erkenntnisse

  • •Ripple erhielt Ende Oktober 2026 die endgültige OCC-Zulassung zur Gründung der Ripple National Trust Bank, die die getrennt verwahrten Reserven des RLUSD-Stablecoins verwalten und digitale Assets treuhänderisch verwahren wird.
  • •Die nationale Trust-Lizenz erlaubt ausschließlich Treuhänder- und Verwahrdienstleistungen; die Bank darf keine Einlagen entgegennehmen, keine Kredite vergeben und bietet keine FDIC-Einlagensicherung.
  • •RLUSD wird weiterhin von der in New York regulierten SCTC emittiert; daraus entsteht eine Doppelaufsicht, bei der die OCC Reserven und Verwahrung beaufsichtigt, während die NYDFS den Emittenten reguliert.
  • •Ripple ist nach Circle das zweite Unternehmen mit einer endgültigen nationalen Trust-Lizenz, nach einem Prozess, der ab dem Antrag im Juli 2025 knapp 16 Monate dauerte.
  • •Senatorin Elizabeth Warren sieht in den OCC-Zulassungen für Krypto-Firmen einen Verstoß gegen den National Bank Act, während die Digital Chamber die Lizenzen als begrenzt in ihrem Umfang und mit freiwilliger Unterwerfung unter die Bundesaufsicht einstuft.
Ripple erhält endgültige OCC-Zulassung für National Trust Bank

Ripple hat nach Angaben des Unternehmens Ende Oktober 2026 die endgültige Zulassung des Office of the Comptroller of the Currency (OCC) zur Gründung der Ripple National Trust Bank erhalten. Die neue bundeslizenzierte Institution wird die Reserven des RLUSD-Stablecoins verwalten und stellt diese damit erstmals unter Bundesaufsicht.

Die OCC ist die US-Bundesbehörde, die National Banks und Trust Banks vergibt und beaufsichtigt. Eine nationale Trust-Lizenz erlaubt Treuhändergeschäfte und Verwahrdienstleistungen, berechtigt jedoch nicht zur Einlagengeschäft oder Kreditvergabe.

Ripple baut Zahlungs- und Krypto-Infrastruktur für institutionelle Kunden und steht hinter RLUSD, einem an den US-Dollar gekoppelten Stablecoin, der im Dezember 2024 gestartet ist. Emittentin des Tokens ist die Standard Custody & Trust Company (SCTC), ein vom New Yorker Finanzregulierer NYDFS beaufsichtigtes Trust-Unternehmen. Ripple beantragte die Bundeslizenz im Juli 2025; die bedingte Zulassung folgte im Dezember 2025. Nach Ripple-Angaben liegt die Marktkapitalisierung von RLUSD nun bei rund 2,5 Mrd. USD. Das Unternehmen nutzt den Stablecoin in seinen eigenen Zahlungsflüssen sowie als Sicherheit auf Ripple Prime. Einen Eröffnungstermin für die Bank hat Ripple noch nicht genannt.

Was die Ripple National Trust Bank darf

Ripple kündigte die endgültige Zulassung Ende Oktober 2026 an; CEO Brad Garlinghouse teilte die Nachricht auch auf X. Die Ripple National Trust Bank, kurz RNTB, wird die getrennt verwahrten RLUSD-Reserven verwalten. Diese Mittel liegen getrennt von anderen Vermögenswerten und decken den Stablecoin ab. Zudem fungiert RNTB als Collateral-Trustee, hält die Reserven also treuhänderisch für die RLUSD-Inhaber.

Nach der Eröffnung soll die Bank außerdem digitale Assets treuhänderisch verwahren. Diese Funktion ist nicht an RLUSD gebunden und umfasst digitale Assets allgemein.

Die Emission von RLUSD verbleibt jedoch bei SCTC, Ripples in New York ansässigem Trust-Unternehmen mit beschränktem Zweck. RNTB gibt den Stablecoin daher nicht selbst aus. Mit dieser Struktur trennt Ripple die Token-Emission organisatorisch von der Verwaltung der Reserven.

Die Lizenz setzt dennoch enge Grenzen. Wie bei jeder nationalen Trust Bank bleiben Einlagen und Kredite ausgeschlossen; die Zulassung ist somit nicht mit einer vollwertigen Banklizenz gleichzusetzen. Der Auftrag umfasst ausschließlich Treuhänderdienstleistungen und Verwahrung — in diesen Bereichen unterliegt die Bank jedoch der Bundesaufsicht.

RLUSD unterliegt künftig einer Doppelaufsicht

Bisher unterstand RLUSD der Aufsicht des Bundesstaats New York. Zuständige Stelle ist dort die NYDFS, der Finanzregulierer des Staates, der unter anderem Trust-Unternehmen beaufsichtigt. Die nationale Lizenz fügt nun die OCC-Bundesaufsicht hinzu, die Reservenverwaltung und Verwahrung umfasst, während die NYDFS weiterhin den Emittenten SCTC beaufsichtigt. Damit prüfen künftig zwei Aufsichtsbehörden unterschiedliche Teile derselben Struktur. Das ist relevant, weil die Reserven den Token decken — ihre Aufsicht betrifft den Kern der Regulierung von RLUSD.

RLUSD ist durch USD-Einlagen, US-Staatsanleihen und andere Cash-Äquivalente gedeckt. Den Großteil der Reserven hält BNY; Ripple veröffentlicht zudem monatliche Attestierungen unabhängiger Dritter zu Umlauf und Reserven. Eine FDIC-Einlagensicherung bringt die Lizenz jedoch nicht, da Trust Banks keine Einlagen entgegennehmen. Für Inhaber bedeutet der Wechsel mehr Aufsicht über Reserven und Verwahrung, aber keine staatliche Garantie.

Ripple will mit der OCC, der NYDFS und anderen Behörden zusammenarbeiten, während RNTB den Betrieb aufnimmt. Die Bundeslizenz kommt zu einem Zeitpunkt, zu dem die USA den GENIUS Act, das bundesweite Stablecoin-Gesetz, umsetzen — eine Phase, in der Washington die Regeln für Emittenten noch festlegt. Gemeinsam mit Circles bundesaufsichtlichen USDC-Reserven bietet RNTB ein frühes praktisches Beispiel dafür, wie staatliche und bundesstaatliche Aufsicht bei einem Dollar-Stablecoin nebeneinander bestehen können. Garlinghouse sieht die Lizenz als Fundament für das institutionelle Geschäft des Unternehmens.

"For years, we've said crypto and banks work better together. Final approval for Ripple National Trust Bank is what that looks like in practice. We've spent over a decade building regulated financial infrastructure that institutions can actually use at scale. A national trust charter gives us an even stronger foundation for RLUSD and the institutional products we're building across payments, custody and capital markets."

— Brad Garlinghouse, CEO, Ripple

Ripple folgt Circle zur endgültigen OCC-Zulassung

Der Prozess verlief in zwei Stufen. Im Dezember 2025 genehmigte die OCC fünf Lizenzanträge gleichzeitig bedingungsgemäß: Circle, Ripple, BitGo, Fidelity Digital Assets und Paxos. Mit Fidelity Digital Assets gehörte der Gruppe auch der Krypto-Arm eines etablierten Vermögensverwalters an. Ripple erhielt seine bedingte Zulassung rund fünf Monate nach dem Antrag im Juli 2025; bis zur endgültigen Zulassung vergingen weitere 10,5 Monate. Insgesamt dauerte der Weg zur Lizenz knapp 16 Monate.

Circle war vergleichsweise schneller. Der USDC-Emittent erhielt die endgültige Zulassung für seine First National Digital Currency Bank bereits im Juli 2026 — rund drei Monate vor Ripple. Seitdem stehen die USDC-Reserven unter Bundesaufsicht. Auch BitGo meldet inzwischen die endgültige Zulassung, nachdem es im Dezember 2025 ebenso wie Ripple die bedingte Zulassung erhalten hatte. Später kamen weitere Antragsteller hinzu: Coinbase, Crypto.com und World Liberty Financial erhielten 2026 jeweils bedingte Zulassungen.

Nach Circle ist Ripple nun das zweite Unternehmen mit einer endgültigen nationalen Trust-Lizenz. Für beide Firmen beaufsichtigt die OCC damit die Reserven ihrer jeweiligen Dollar-Stablecoins. Emittent ist die Ripple National Trust Bank jedoch nicht — die in New York ansässige SCTC gibt RLUSD unter NYDFS-Aufsicht weiterhin aus. Ob weitere Stablecoin-Emittenten folgen, hängt letztlich von den laufenden Verfahren der übrigen Antragsteller ab.

Warren und die Digital Chamber geraten aneinander

Nationale Trust-Lizenzen bleiben politisch umstritten. Senatorin Elizabeth Warren kritisiert die Welle der OCC-Zulassungen für Krypto-Firmen als Verstoß gegen den National Bank Act, das Bundesgesetz, das die Lizenzierung von National Banks in den USA regelt. Die Demokratin argumentiert, die Zulassungen stellten zudem ein Risiko für das Finanzsystem dar. Ihre Kritik richtet sich damit gegen die Lizenzierungspraxis der Behörde.

Die Digital Chamber, ein Interessenverband der Krypto-Branche, widerspricht. Nach ihrer Ansicht beschränken sich Trust-Lizenzen auf Treuhänder- und treuhänderbezogene Aktivitäten, und die Unternehmen unterwerfen sich freiwillig der Bundesaufsicht. Die ausstehenden Anträge von Coinbase, Crypto.com und World Liberty Financial liegen mitten in diesem Streit: Jede endgültige Zulassung weitet die Lizenzierungspraxis aus, über die beide Seiten streiten.

Unabhängig von dieser Debatte darf RNTB als Trust Bank weder Einlagen entgegennehmen noch Kredite vergeben. Mit der Lizenz akzeptiert Ripple zudem eine zweite Aufsichtsebene, die die RLUSD-Emission in New York nicht erfordert hätte. Der Starttermin der Bank bleibt vorerst offen. Ebenso läuft noch die Umsetzung des GENIUS Act, der den bundesrechtlichen Rahmen für Stablecoin-Emittenten festlegt. Die ausstehenden Entscheidungen der OCC und die spätere Eröffnung von RNTB werden zeigen, wie weit sich bundesweite Trust-Lizenzen über die Branche erstrecken.

Quelle: Crypto Valley Journal