NachrichtenKryptoBanken und Aufsichtsbehörden testen quantensichere Krypto-Infrastruktur in drei Regionen

Banken und Aufsichtsbehörden testen quantensichere Krypto-Infrastruktur in drei Regionen

Autor: Crypto Ninjas·

Wichtige Erkenntnisse

  • Das Pilotprojekt testet Multi-Party Computation mit dem Signaturstandard ML-DSA-65 aus NISTs FIPS 204 auf einem quantenresistenten NEAR-Testnet.
  • Die Teilnehmer bewerten reale Wallet-Funktionen, darunter die Erstellung von Wallets sowie Onchain-Transfers, in einem institutionellen Betriebsumfeld.
  • Zu den aktuellen Teilnehmern gehören Bison, Bank und DK; Aufsichtsbehörden aus Bhutan und Malta sind zunächst als Beobachter beteiligt.
  • Das vorgeschlagene Modell ist eine nicht verwahrende 2-of-2-MPC-Struktur, die institutionelle Kontrolle über Schlüssel ohne unnötige Komplexität erhalten soll.
  • RFI und Safeheron planen ein Whitepaper zur Forschung sowie die spätere Veröffentlichung des Post-Quantum-Codes als Open Source.
Banken und Aufsichtsbehörden testen quantensichere Krypto-Infrastruktur in drei Regionen

Das Responsible Fintech Institute (RFI) und Safeheron haben am 24. August ein Pilotprogramm angekündigt, das sich auf quantenresistente Krypto-Wallet-Funktionalität und Transfers konzentriert.

Die Initiative soll untersuchen, wie Finanzinstitute digitale Vermögenstransaktionen gegen künftige Bedrohungen durch Quantencomputer absichern könnten. Banken, die am Pilotprojekt teilnehmen, werden Multi-Party Computation (MPC) mit Unterstützung des in NISTs FIPS 204 beschriebenen digitalen Signaturstandards testen, bekannt als ML-DSA-65. NIST — das U.S. National Institute of Standards and Technology — hat FIPS 204 im August 2024 als einen der ersten offiziellen Post-Quantum-Signaturstandards finalisiert; ML-DSA ist ein lattice-basiertes Verfahren, wobei die 65 eine der definierten Sicherheitsparameterstufen bezeichnet. MPC verteilt die Schlüsselverwaltung auf mehrere Parteien, sodass niemals ein einzelner Teilnehmer einen vollständigen privaten Schlüssel hält; dieser Ansatz wird bereits in der institutionellen Verwahrung digitaler Vermögenswerte genutzt, um Single Points of Failure zu vermeiden. Die Arbeiten werden auf einem NEAR-Testnet durchgeführt, das gegen Quantencomputer resistent ist.

Die Teilnehmer werden praktische Funktionen wie die Erstellung von Wallets sowie das Senden und Empfangen von Geldern onchain bewerten. Das Setup soll institutionelle Betriebsbedingungen abbilden und nicht nur als theoretisches Experiment dienen.

Das Pilotprojekt umfasst zudem ein vorgeschlagenes MPC-Modell mit zwei Mitgliedern: eine nicht verwahrende 2-of-2-Struktur. Nach Angaben der Ankündigung soll dieses Modell Institutionen Kontrolle über den Schlüsselerwerb geben, ohne unnötige operative Komplexität zu erzeugen.

Aufsichtsbehörden beteiligen sich an den Sicherheitstests

Die Initiative bringt Finanzinstitute und regulatorische Stakeholder aus mehreren Jurisdiktionen zusammen.

Zu den derzeitigen Teilnehmern gehören Bison, Bank und DK, während die regulatorischen Teilnehmer das Gelephu Financial Services Office in Bhutan und die Malta Financial Services Authority, die Finanzaufsicht Maltas, umfassen. Ihre erste Rolle wird die eines Beobachters sein, gefolgt von einer Beteiligung an einem auf Governance ausgerichteten Arbeitsstrang. Dies soll den Aufsichtsbehörden die Möglichkeit geben, die operativen Auswirkungen einer Post-Quantum-Infrastruktur in Bereichen wie operative Resilienz, Compliance und grenzüberschreitende Interoperabilität zu bewerten.

RFI-Vorsitzender Chia Hock Lai sagte, das Projekt solle die Zusammenarbeit zwischen Institutionen fördern, anstatt die Lösung einem einzelnen Institut, Anbieter oder Regulator zu überlassen.

Die Kryptoindustrie bewegt sich in Richtung Quantenbereitschaft

Public-Key-Kryptografie bildet die Grundlage vieler Systeme, darunter auch Finanzsysteme, und steht durch Quantencomputer vor einer potenziellen Herausforderung. Wenn Quantencomputer so leistungsfähig werden, wie angenommen, könnten sie sichere kryptografische Systeme kompromittieren. Das bedeutet jedoch nicht, dass bestehende Kryptowährungen unmittelbar gefährdet sind. Im Mittelpunkt steht vielmehr, die Infrastruktur im Voraus vorzubereiten, damit im Fall real werdender fortgeschrittener Quantenfähigkeiten ein geordneter Übergang möglich ist.

Die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ), das in Basel ansässige Forum der Zentralbanken, hat ebenfalls die Notwendigkeit eines koordinierten Plans, kryptografischer Agilität und eines schrittweisen Übergangs im gesamten Finanzsektor hervorgehoben. Ihr Innovation Hub hat im Rahmen von Project Leap bereits Post-Quantum-Tests mit Zentralbanken, darunter der Banque de France und der Deutschen Bundesbank, durchgeführt; dabei wurde der Schutz von Kommunikationssystemen im Finanzsektor untersucht. Ein im späten Jahr 2024 veröffentlichtes NIST-Entwurfsdokument zur Transition schlug vor, aktuelle Public-Key-Algorithmen etwa 2030 zu entwerten und sie bis 2035 zu untersagen, was Institutionen einen breiten Planungshorizont für die Migration gibt.

RFI und Safeheron kündigten an, ein Whitepaper zu Forschung, Protokolldesign und Testergebnissen des Pilotprojekts zu veröffentlichen. Safeheron plant zudem, den zugrunde liegenden Post-Quantum-Code zu einem späteren Zeitpunkt als Open Source bereitzustellen, damit unabhängige Forscher und Sicherheitsexperten die Funktionsweise prüfen können.

Das Pilotprojekt soll bewerten, ob Banken, Aufsichtsbehörden und Infrastrukturanbieter in einem realen Finanzumfeld eine quantenresistente Wallet und ein Framework für Quanten-Transaktionen implementieren können.