Revolut beantragt Schweizer Banklizenz bei der FINMA
Wichtige Erkenntnisse
- •Revolut hat bei der FINMA eine Schweizer Banklizenz beantragt, um sein Repräsentanzbüro in Zürich in eine Vollbank umzuwandeln.
- •Eine Lizenz würde Konten mit Schweizer IBAN ermöglichen und Einlagen unter die Schweizer Versicherung von bis zu 100.000 CHF pro Kunde stellen.
- •Revolut plant, über fünf Jahre mehr als 150 Millionen CHF in der Schweiz zu investieren und die Zürcher Mitarbeiterzahl von rund 30 bis Ende nächsten Jahres etwa zu verdreifachen.
- •Mit 1,3 Millionen Kunden führt Revolut den Schweizer Neobank-Markt bereits an und übertrifft Yuh (400.000) und Neon (250.000) zusammen.
- •Revolut hält bereits Banklizenzen im Vereinigten Königreich, in Litauen und in Frankreich und hat in den USA eine bedingte Genehmigung für eine nationale Banklizenz erhalten.

Revolut hat bei der Eidgenössischen Finanzmarktaufsicht FINMA eine Schweizer Banklizenz beantragt. Das britische Fintech-Unternehmen will sein bestehendes Repräsentanzbüro in Zürich zu einer Vollbank ausbauen, die Kunden Konten mit Schweizer IBAN anbieten kann. Der Antrag wird derzeit geprüft; ein Entscheidungszeitpunkt wurde noch nicht genannt.
Von der Zahlungs-App zur künftigen Vollbank
Revolut startete ursprünglich als App für günstige Reisezahlungen und Währungsumtausch. Heute bündelt sie Konten, Kartenzahlungen, Wertpapierhandel und Krypto-Dienste in einer einzigen Oberfläche. In der Schweiz war der Anbieter bislang über die litauische Revolut Bank UAB zusammen mit der Revolut Securities Europe UAB tätig.
Die Aufsichtsbehörde genehmigte erstmals im Januar 2024 ein Repräsentanzbüro in Zürich; der Betrieb startete im Juli 2024. Diese Bewilligung deckt jedoch kein eigenständiges Schweizer Bankgeschäft ab. Im Inland zählt das Unternehmen 1,3 Millionen Kunden, von denen rund 240.000 im Geschäftsjahr 2025 dazukamen. Revolut plant zudem, in den nächsten fünf Jahren mehr als 150 Millionen CHF in den Schweizer Markt zu investieren.
Was die Schweizer Banklizenz für Kunden ändern würde
Die FINMA beaufsichtigt Banken, Versicherer und Finanzdienstleister in der Schweiz und erteilt jede Banklizenz. Mit einer eigenen Lizenz könnte Revolut Lohnkonten mit Schweizer IBAN führen, und es würde auch die Schweizer Einlagensicherung gelten, die Kundeneinlagen bis zu 100.000 CHF pro Person und Bank schützt. Heute laufen die Konten Schweizer Nutzer über die litauische Einheit und fallen damit unter eine ausländische Bankbewilligung. Die Entscheidung betrifft daher Lohnzahlungen, Daueraufträge und die Aufsichtsbehörde hinter den Einlagen.
Weitere Dienste stehen bereits auf der Prüfliste, darunter Zahlungsabwicklung für Händler, Säule-3a-Produkte und ein Twint-Angebot. Die Säule 3a bezeichnet steuerbegünstigtes privates Alterssparen in der Schweiz. Ob diese Produkte kommen, hängt vom Entscheid der Aufsichtsbehörde ab. Die Behörde prüft den Antrag derzeit, ein Ergebnis steht noch aus, und bis hat niemand einen Zeitplan genannt.
Investitionsplan von 150 Millionen CHF und lokale Einstellungen
Die angekündigten 150 Millionen CHF sind für neue Produkte und lokale Arbeitsplätze vorgesehen. Der Plan umfasst auch einen Ausbau des Verwaltungsrats und der Geschäftsleitung, da eine Schweizer Bank eigene Governance- und Kontrollgremien im Land benötigt. Derzeit arbeiten rund 30 Mitarbeiter für Revolut in Zürich, wo General Manager Julian Biegmann die Schweizer Einheit leitet. Er hat eine Verdreifachung der Mitarbeiterzahl bis Ende nächsten Jahres signalisiert.
"Revolut ist bereits das führende Fintech in der Schweiz. Mit einer eigenen Banklizenz würden wir eine echte Schweizer Bank, die ihren mehr als 1,3 Millionen Kunden das Revolut-Banking-Produkt mit Schweizer Touch anbietet." - Julian Biegmann, General Manager
Revolut ist bereits die grösste Neobank der Schweiz
Revolut führt den Schweizer Neobank-Markt mit 1,3 Millionen Kunden an. Neobanken sind Anbieter ohne Filialnetz, die Konto und Karte über das Smartphone anbieten. Zum Vergleich: Yuh erreicht rund 400.000 Kunden, Neon rund 250.000, womit die beiden inländischen Anbieter zusammen etwa die Hälfte der Revolut-Basis abdecken.
Allein im Geschäftsjahr 2025 kamen rund 240.000 Kunden dazu, sodass das Wachstum eines einzigen Jahres fast der gesamten Kundenbasis von Neon entspricht. Der Markteintritt über eine Zahlungs-App hat dem Anbieter eine Präsenz verschafft, die kein inländischer Wettbewerber erreicht.
International wiederholt sich dasselbe Muster. Die Gruppe hält bereits Banklizenzen im Vereinigten Königreich, in Litauen und in Frankreich, wobei die britische Bewilligung im März 2026 und die französische später im August folgte. In den Vereinigten Staaten hat die Bankenaufsicht OCC (Office of the Comptroller of the Currency) zudem eine bedingte Genehmigung für eine nationale Banklizenz erteilt. Weltweit zählt Revolut mehr als 80 Millionen Kunden, und nach eigenen Angaben ist das Unternehmen in mehr als 30 von 40 Märkten als lizenzierte Bank tätig. Der Schweizer Antrag fügt sich daher in eine Linie, die seit Jahren läuft.
Sygnum und AMINA prägen den Schweizer Krypto-Banking-Markt bereits
Etablierte Anbieter besetzen den Schweizer Markt für Krypto-Banking bereits. Sygnum und SEBA, heute AMINA Bank, erhielten die ersten FINMA-Banklizenzen für digitale Assets; beide Bewilligungen stammen von August 2019. 2024 verwaltete Sygnum rund 4,5 Milliarden an Kundengeldern und wies ein positives EBITDA von 8,1 Millionen CHF aus, während AMINA rund 3,5 Milliarden CHF erreichte und spätestens bis 2026 die Profitabilität anpeilt.
Gleichzeitig bauen die Gesetzgeber das Regelwerk um. Im Oktober 2025 eröffnete der Bundesrat die Vernehmlassung zu einer Revision des Finanzinstitutsgesetzes (FINIG); die Frist lief bis zum 06.02.2026. Derurf sieht zwei neue Lizenzkategorien für den Krypto-Sektor vor, nach dem Vorbild des europäischen CASP-Regimes (Crypto-Asset Service Provider). Eine der beiden Kategorien würde die bisherige Fintech-Lizenz ersetzen und zusätzlich die Ausgabe von Stablecoins erlauben. Die neuen Kategorien sollen frühestens 2027 in Kraft treten, und für App-basierte Anbieter, die Krypto-Dienste in ihre Produkte integrieren — darunter Revolut — würden sie den Lizenzrahmen definieren, unter dem solche Angebote in der Schweiz betrieben würden. Bereits in Kraft ist zudem die FINMA-Aufsichtsmitteilung 01/2026 vom Januar, die die Auslagerung von Krypto-Verwahrung an ausländische Dritte erlaubt, sofern die Aufsicht gleichwertig und der Insolvenzschutz vergleichbar ist.
Etablierte Institute sind ebenfalls nachgezogen. Die Zürcher Kantonalbank bietet seit 2024 Handel und Verwahrung von Bitcoin und Ethereum an, und auch die PostFinance hat Privatkunden den Zugang zu Krypto eröffnet. Die ZKB arbeitet dafür mit Crypto Finance AG zusammen, während PostFinance über Sygnum abwickelt. Im April 2026 kündigte ein Bankenkonsortium zudem eine Testumgebung für einen CHF-Stablecoin an; dahinter stehen UBS, PostFinance, Sygnum, Raiffeisen, die Zürcher Kantonalbank, die Banque Cantonale Vaudoise und Swiss Stablecoin AG.
Ein Neuling mit Banklizenz würde daher in ein Feld eintreten, das digitale Assets bereits abdeckt.