Ray Dalio empfiehlt Gold und Bitcoin als Absicherung gegen die drohende US-Schuldenkrise
Wichtige Erkenntnisse
- •Ray Dalio empfiehlt, Staatsanleihen unterzugewichten und 10 bis 15 Prozent in Gold plus einen kleinen Bitcoin-Anteil zu allozieren, mit dem Argument, dass eine US-Schuldenkrise in etwa drei Jahren wahrscheinlich sei.
- •Die US-Staatsverschuldung hat erstmals 40 Billionen USD überschritten; das Zehn-Monats-Defizit des Geschäftsjahres 2026 liegt bei 1,8 Billionen USD, und die Nettobundeszinszahlungen werden für das Jahr auf rund 1,2 Billionen USD geschätzt.
- •Bitcoin notiert bei 77.323 USD nach einem Anstieg von 22,7 Prozent in sieben Tagen, während Gold zwischen 4.577 und 4.634 USD je Feinunze nahe einem Mehrmonatshoch steht.
- •Der Plan von Finanzminister Scott Bessent, Rückkäufe langlaufender Anleihen mindestens zu verdoppeln, der neben einem Treffen Trumps mit Vertretern der Kryptoindustrie angekündigt wurde, hat die Rally zunächst ausgelöst und die Treasury-Renditen gesenkt.
- •Dalio selbst hält nur rund 1 Prozent seines Portfolios in Bitcoin und zieht physisches Gold vor – mit Verweis auf Bitcoins mangelnde Privatsphäre, seine Korrelation mit Tech-Aktien und seine geringere Marktgröße.

Star-Investor Ray Dalio rät Anlegern, Staatsanleihen geringer zu gewichten und stattdessen 10 bis 15 Prozent ihrer Portfolios in Gold zu allozieren, ergänzt um einen kleinen Bitcoin-Anteil. Die Empfehlung beruht auf seiner Erwartung, dass eine US-Schuldenkrise in etwa drei Jahren unvermeidlich wird.
Dalio gründete Bridgewater Associates, einen der weltweit größten Hedgefonds, und ist für seine Große-Zyklus-Thesen zu Staatsschulden und Währungsordnungen bekannt. Seine aktuelle Position vertritt er seit dem Buch „How Countries Go Broke: The Big Cycle“ und wiederholt sie seit Juli 2025 in wiederkehrenden öffentlichen Auftritten. Die genaue Spanne variiert dabei: Mal nennt er 5 bis 15 Prozent für Gold, mal 15 Prozent für Gold und Bitcoin zusammen. Sein neuer Beitrag erscheint wenige Tage, nachdem die US-Staatsverschuldung erstmals die Marke von 40 Billionen USD überschritten hat. Bitcoin notiert derweil über 77.000 USD, und Gold steht nahe einem Mehrmonatshoch.
Dalio verschreibt weniger Anleihen, mehr Gold und Bitcoin
In einem LinkedIn-Beitrag fordert der Investor zunächst, das Gewicht von Staatsanleihen in einem Portfolio zu senken. Als Gegengewicht empfiehlt er 10 bis 15 Prozent in Gold plus einen kleinen Bitcoin-Anteil. Eine genaue Allokation für Bitcoin nennt er jedoch nicht. Gold und Bitcoin zählt er zu jener Art von Geld, die keine Regierung schaffen kann. In der Praxis sind auch die Notenbanken selbst seit Jahren Netto-Käufer von Gold; der World Gold Council meldet Käufe von mehr als 1.000 Tonnen in jedem der Jahre 2022, 2023 und 2024.
Darunter liegt die Kernthese seines Buches: Die Kosten des Schuldendienstes steigen schneller als die Nachfrage nach neuen Staatsanleihen. Regierungen haben daher zwei Wege. Entweder sie akzeptieren höhere Zinsen, oder die Notenbank kauft die Papiere mit neu geschaffenem Geld. Nach Dalios Darstellung schwächt der zweite Weg die Währung und treibt die Inflation. Vermögenswerte außerhalb staatlicher Kontrolle sollen genau gegen diese Erosion absichern.
Den Zeitrahmen für die Eskalation veranschlagt Dalio auf etwa drei Jahre. Ein genaues Datum lässt sich daraus nicht ableiten, zumal er dieselbe Warnung seit Jahren in wechselnder Form wiederholt. Neu ist somit weniger die These als der Moment, in dem sie auf aktuelle Haushaltszahlen trifft. Der von ihm genannte Zeitraum hat auch regelmäßige Kontrollpunkte: Das US-Finanzministerium legt seine Auktions- und Rückkaufpläne in quartalsweisen Refunding-Ankündigungen dar, während monatliche Haushaltsberichte die Entwicklung von Defizit und Zinslast nachzeichnen. Für ein klassisches 60/40-Portfolio aus Aktien und Anleihen bedeutet der Rat eine Verschiebung im defensiven Teil. Wer Anleihen untergewichtet, braucht einen Ersatz für ihre Rolle als Puffer – diese Rolle weist Dalio letztlich dem Gold zu. Bitcoin bleibt eine Satellitenposition.
Rekordverschuldung und Rekorddefizit hinter der Warnung
Die US-Staatsverschuldung hat erstmals die Marke von 40 Billionen USD überschritten. In den ersten zehn Monaten des Geschäftsjahres 2026 summierte sich das Haushaltsdefizit auf 1,8 Billionen USD und übertraf damit bereits den Wert für das gesamte Geschäftsjahr 2025. Infolge dessen erwartet das Committee for a Responsible Federal Budget für das Gesamtjahr mehr als 2 Billionen USD. Allein im Juli fehlten dem Bund 432 Milliarden USD.
Insbesondere der Schuldendienst wird teurer. Sekundärquellen beziffern die Nettobundeszinszahlungen für 2026 auf rund 1,2 Billionen USD, wovon 91 Milliarden USD im Juli fällig waren. Dalio selbst rechnet in seinem Beitrag mit rund 1 Billion USD. Zugleich verlangt der Markt für lange Laufzeiten höhere Renditen. Die Rendite 30-jähriger Treasuries erreichte in derselben Woche ein 19-Jahres-Hoch, und eine Auktion langlaufender Papiere in der Vorwoche wurde mit 5,216 % getroffen – die höchste zugeschlagene Rendite seit 2001. Auch die Ratingagenturen haben auf diesen Trend bereits reagiert: Nach S&P im Jahr 2011 und Fitch im Jahr 2023 entzog Moody’s im Mai 2025 die letzte Spitzennote Aaa für US-Staatsanleihen. Diese Zahlen belegen Dalios Zeitrahmen nicht. Sie zeigen jedoch, dass Verschuldungsniveau und Zinskosten gemeinsam steigen, und auf genau dieser Kombination beruht sein gesamtes Argument.
Die ausländische Nachfrage bricht bisher indes nicht ein. Laut TIC-Daten hielten ausländische Investoren Stand Februar 2026 rund 9,5 Billionen USD an US-Staatsanleihen – 6 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Japan bleibt mit rund 1,2 Billionen USD der größte ausländische Gläubiger. Während der koordinierten Yen-Unterstützung Anfang August 2026 verzichtete Tokio dennoch auf den Verkauf von Treasuries. Stattdessen griff die Notenbank auf eine Repo-Fazilität der Fed zurück und vermied zusätzlichen Druck auf den Anleihemarkt. Dalios These richtet sich daher weniger gegen einen Käuferstreik als auf den Preis, zu dem Käufer noch einsteigen. Seine Schlussfolgerung formuliert er seit 2025 in nahezu unveränderter Form über verschiedene Auftritte hinweg:
"It is impossible that these countries will not experience a debt crisis in the coming years that leads to a sharp loss of value [of money]." - Ray Dalio, Gründer von Bridgewater Associates
Bitcoin und Gold bereits im Aufwärtstrend
Bitcoin notiert bei 77.323 USD, nachdem er innerhalb von 24 Stunden um 6,3 Prozent und über sieben Tage um 22,7 Prozent zugelegt hat. Insgesamt erreicht die Marktkapitalisierung rund 1,552 Billionen USD. Zu Wochenbeginn stand der Kurs bei etwa 62.800 USD, was einem Wochenplus von rund 23 Prozent entspricht. Eine bessere Woche verzeichnete Bitcoin zuletzt im Jahr 2023. Vom Rekordhoch von 126.080 USD im Oktober 2025 liegt der Kurs noch etwa 39 Prozent tiefer. Auch Gold hat zugelegt und kostet zwischen 4.577 und 4.634 USD je Feinunze, womit das Metall an einem Mehrmonatshoch steht.
Die Rally hatte einen anderen Auslöser. Zwei Tage vor Dalios Beitrag kündigte Finanzminister Scott Bessent an, Rückkäufe langlaufender Staatsanleihen mindestens zu verdoppeln. Die Änderung betrifft Laufzeiten von 10 bis 30 Jahren, wobei das maximale Volumen pro Emission von 2 Milliarden USD auf mindestens 4 Milliarden USD steigt. Am selben Tag traf Präsident Donald Trump auch Vertreter der Kryptoindustrie. Zusammen lösten beide Ereignisse eine Short-Squeeze-Dynamik aus. Der Minister signalisierte später, dass mehr möglich sei, und nannte keine Obergrenze.
An den Anleihemärkten wirkte die Ankündigung unmittelbar. Die Rendite zehnjähriger Treasuries fiel um 5,7 Basispunkte auf 4,647 %, die 30-jährige Rendite um 9 Basispunkte auf 5,196 %. Rückkäufe stützen die Liquidität am langen Ende und drücken die Renditen. Zudem nehmen fallende Renditen nicht verzinslichen Vermögenswerten wie Gold und Bitcoin einen Teil des Nachteils. Dalios Beitrag traf somit auf einen Markt, der bereits lief. Als eigenständiger Kurstreiber taugt er nicht, für die institutionelle Debatte über Absicherungen bietet er gleichwohl einen Referenzpunkt. Diese Debatte hat auch einen praktischen Kanal, da die im Januar 2024 zugelassenen US-Spot-Bitcoin-ETFs institutionellen Anlegern regulierten Zugang zu diesem Vermögenswert bieten.
Warum Dalio selbst kaum Bitcoin hält
Die Lücke zwischen Empfehlung und eigenem Portfolio fällt ins Auge. Bitcoin macht laut Dalio rund 1 Prozent seines persönlichen Portfolios aus – diese Zahl bestätigte er Ende Juli 2026 in einem Podcast-Auftritt. Dabei verwies er auf physische Goldbarren als seine bevorzugte Absicherung. Ursprünglich, im Juli 2025, nannte er eine kombinierte Allokation von 15 Prozent für Gold und Bitcoin. Diese Allokation hat seitdem variiert, auch wenn die Richtung gleich bleibt.
Seine Vorbehalte gegenüber Bitcoin legte er im Mai 2026 auf X dar. Seiner Darstellung nach hat die Kryptowährung ihre erwartete Rolle als sicherer Hafen nicht erfüllt. Es fehle an Privatsphäre, argumentiert er, und der Kurs korreliere zudem stark mit Tech-Aktien. Verglichen mit dem Goldmarkt sei Bitcoin klein, sagt er. Mehrere Berichte nennen zwei weitere Einwände: Bitcoin fehle die Unterstützung durch Notenbanken, und künftige Angriffe durch Quantencomputer könnten seine Kryptografie bedrohen. Aus öffentlichen Filings geht nicht hervor, wie Bridgewater selbst in Gold und Bitcoin positioniert ist, da 13F-Berichte weder physisches Metall noch direkt gehaltene Coins erfassen.
Michael Saylor widersprach. Der Strategy-Mitgründer bezeichnete Gold als „analoges Kapital“ und Bitcoin als „digitales Kapital“. Sein Unternehmen stellte im August 2020 auf einen Bitcoin-Standard um; seither, so sagte er, habe Bitcoin Gold bei der Sharpe Ratio geschlagen. Eine Bitwise-Analyse stützt zumindest die Kombination beider Vermögenswerte: Ein Portfolio mit 15 Prozent in Gold und Bitcoin hätte über zehn Jahre nahezu das Dreifache der Sharpe Ratio erzielt, mit einem klassischen 60/40-Portfolio als Benchmark. Diese Gegenüberstellung gilt allerdings nur für die Vergangenheit. Sie sagt nichts darüber aus, ob eine Schuldenkrise eintritt.