NachrichtenMakroEnergiesicherheit messen: Eine PIDS-Studie erweitert den Blick auf die Energiewende der Philippinen

Energiesicherheit messen: Eine PIDS-Studie erweitert den Blick auf die Energiewende der Philippinen

Autor: Bworldonline·

Wichtige Erkenntnisse

  • Das PIDS veranstaltete am 24. Juni während der PhilEnergy Expo 2026 ein Politikforum zur philippinischen Energiesicherheit mit einer Studie von Dr. Adoracion Navarro und Co-Autoren.
  • Die Studie schlägt ein sechsdimensionales Rahmenkonzept für Energiesicherheit vor – Versorgungssicherheit, Zuverlässigkeit, Resilienz, Bezahlbarkeit, Zugänglichkeit und Nachhaltigkeit – mit messbaren Indikatoren.
  • Zu den zentralen Ergebnissen gehören die starke Abhängigkeit von importierten Brennstoffen, konzentriert auf wenige Lieferanten, sowie Strompreise, die im Vergleich zu südostasiatischen Nachbarn hoch sind.
  • Dr. Navarro betonte, dass erneuerbare Energien – Geothermie, Wasser, Solar, Wind und Biomasse – mehrere Dimensionen der Energiesicherheit verbessern können, darunter Versorgungssicherheit, Resilienz und Zugänglichkeit.
  • Der Kommentar argumentiert, dass die Analyse der Bezahlbarkeit regulatorische Abgaben und politische Entscheidungen in den Strompreisen berücksichtigen muss und dass der Energiebedarf vom gewählten Entwicklungspfad des Landes abhängt.
Energiesicherheit messen: Eine PIDS-Studie erweitert den Blick auf die Energiewende der Philippinen

(Teil 1)

Die Energiesicherheit ist zu einer der zentralen politischen Herausforderungen für die Philippinen geworden, während das Land durch die Dekarbonisierung, die Energiewende und wachsende Sorgen über seine langfristige wirtschaftliche Transformation navigiert. Die Tragweite ist konkret: Die Philippinen sind seit langem stark auf importierte fossile Brennstoffe angewiesen – Kohle, die überwiegend aus Indonesien stammt, deckt einen erheblichen Teil der Stromerzeugung –, was Verbraucher gegenüber globalen Preisschwankungen und Lieferunterbrechungen exponiert. Vor diesem Hintergrund veranstaltete das Philippine Institute for Development Studies (PIDS), das führende sozioökonomische Politik-Forschungsinstitut der Regierung unter der National Economic and Development Authority, am 24. Juni ein Politikforum unter dem Titel „Energy Security in the Age of Renewables: Is the Philippines Ready for the Energy Transition?“. Das Forum fand im Zusammenhang mit der PhilEnergy Expo 2026 statt und stellte die Studie „How Energy Secure is the Philippines?“ von Dr. Adoracion Navarro und ihren Co-Autoren vor.

Die Studie leistet vier zentrale Beiträge zur Messung der philippinischen Energiesicherheit.

Erstens erweitert sie die Definition von Energiesicherheit. Während die philippinische Planung Energiesicherheit traditionell in Bezug auf Bezahlbarkeit, Zugänglichkeit und Zuverlässigkeit definiert hat, argumentieren die Autoren, dass dieses Konzept unvollständig ist. Ausgehend von der internationalen Fachliteratur schlagen sie ein sechsdimensionales Rahmenkonzept vor, das Versorgungssicherheit, Zuverlässigkeit, Resilienz, Bezahlbarkeit, Zugänglichkeit und Nachhaltigkeit umfasst. Dieser multidimensionale Ansatz spiegelt einen breiteren globalen Wandel im Verständnis von Energiesicherheit wider, der über die bloße Versorgungsmenge hinaus zu Überlegungen zu Resilienz und Dekarbonisierung führt.

Zweitens leistet die Studie einen methodischen Beitrag. Anstatt die Dimensionen der Energiesicherheit als abstrakte Zielvorstellungen zu behandeln, identifiziert sie Indikatoren, die eine Messung ermöglichen. Die Autoren bewerten anschließend, wie die Philippinen in den verschiedenen Dimensionen abschneiden, und identifizieren Stärken und Schwachstellen. Zu den zentralen Ergebnissen gehören die anhaltende Abhängigkeit des Landes von importierten Brennstoffen, die Konzentration der Importe auf eine begrenzte Anzahl von Lieferanten, hohe Brennstoff- und Strompreise im Vergleich zu südostasiatischen Nachbarn sowie die fortbestehenden Herausforderungen des Übergangs zu einem nachhaltigeren Energiesystem. Die Konzentration der Importe auf wenige Lieferanten ist in der Region eine bekannte Schwachstelle, da mehrere Volkswirtschaften stark von einer einzigen Kohlequelle abhängen.

Drittens betont die Studie, dass Energiesicherheit eine zukunftsorientierte Perspektive erfordert. Die gegenwärtige Lage mag beherrschbar erscheinen, doch künftiges Nachfragewachstum kann schnell unzureichende Kapazitäten bei Versorgung und Infrastruktur offenlegen. Die Autoren ergänzen ihre Indikatoren daher um Nachfrage- und Angebotsprognosen, die dazu dienen, entstehende Schwachstellen früh zu erkennen.

Schließlich argumentiert die Studie, dass Indikatoren und Prognosen zur Energiesicherheit regelmäßig als öffentliches Gut erstellt und überwacht werden sollten. Bessere Informationen verringern Unsicherheit und Informationsasymmetrie, helfen Investoren bei fundierteren Entscheidungen, verbessern die öffentliche Politikgestaltung und stärken letztlich die Energiesicherheit.

Während des Forums schloss Dr. Navarro ihre Präsentation mit Reflexionen ab, die auf den Fokus der Veranstaltung auf erneuerbare Energien und die Energiewende eingingen. Sie zählte Möglichkeiten auf, wie erneuerbare Energien zur Verbesserung jeder Dimension der Energiesicherheit beitragen können. So kann beispielsweise die Nutzung der reichlich vorhandenen Geothermie-, Wasser-, Solar-, Wind- und Biomasseressourcen die Versorgungssicherheit erhöhen, während verschiedene Versorgungsmodelle für erneuerbare Energien (wie Mikronetze oder Community-Solaranlagen) die Resilienz steigern können. Netzferne erneuerbare Lösungen können die Zugänglichkeit verbessern.

Trotz ihrer wichtigen Beiträge zum Verständnis von Energiesicherheit im philippinischen Kontext geben mehrere Punkte Anlass, die Diskussion zu vertiefen.

Der erste betrifft die Bezahlbarkeit.

Die Studie vergleicht die Energiepreise auf den Philippinen mit denen neighboring Länder und kommt zu dem Schluss, dass die Bezahlbarkeit nach wie vor eine große Sorge darstellt. Das ist zweifellos richtig, doch Preisvergleiche allein erzählen möglicherweise nicht die ganze Geschichte. Strompreise spiegeln zugrunde liegende institutionelle Regelungen und politische Entscheidungen wider. Einige Länder subventionieren Strom direkt durch fiskalische Transfers. Andere setzen auf staatliche Versorgungsunternehmen, die bestimmte Kosten übernehmen oder über Mechanismen außerhalb der Stromtarife refinanzieren.

Auf den Philippinen zahlen Stromverbraucher nicht nur die Kosten für Erzeugung, Übertragung und Verteilung. Die Stromrechnungen decken zudem verschiedene regulatorische Abgaben ab, darunter universelle Abgaben zur Finanzierung der Missionarsstromversorgung sowie die Refinanzierung von Stranded Costs aus früheren Restrukturierungen des Sektors, aber auch Mechanismen zur Unterstützung des Übergangs zu saubereren Energiesystemen. Auch die steuerliche Behandlung kann von Land zu Land unterschiedlich sein. Ein vollständigeres Verständnis der Bezahlbarkeit erfordert daher nicht nur einen Blick auf die endgültigen Strompreise, sondern auch auf die in diesen Preisen enthaltenen politischen, regulatorischen und institutionellen Entscheidungen.

Der zweite betrifft die Konzepte der Versorgungssicherheit und Nachhaltigkeit.

Die Indikatoren werden weitgehend anhand aktueller Verbrauchsmuster und bestehender Prognosen des Wirtschaftswachstums gemessen. Der Energiebedarf ist jedoch nicht unabhängig von der Entwicklungsstrategie. Der Energiebedarf einer dienstleistungsorientierten Volkswirtschaft unterscheidet sich von dem einer Volkswirtschaft, die Industrialisierung anstrebt. Die Anforderungen einer auf Montageaktivitäten ausgerichteten Volkswirtschaft unterscheiden sich von denen einer Volkswirtschaft, die fortschrittliche Fertigung, die Verarbeitung kritischer Minerale, die Produktion von Elektrofahrzeugen, KI-Infrastruktur oder andere energieintensive Aktivitäten entwickeln möchte.
Mit anderen Worten: Energiesicherheit ist relativ zu einer bestimmten Entwicklungsvision. Anders formuliert hängt die Antwort auf die Frage, ob das Energiesystem ausreicht, teilweise davon ab, was die Volkswirtschaft werden soll. Ein Land, das lediglich die aktuellen Wachstumsmuster aufrechterhalten möchte, benötigt ein anderes Maß an Energiesicherheit als ein Land, das eine strukturelle Transformation anstrebt. Dies wirft eine grundlegende Frage auf: Ausreichende Energie für welche Art von Volkswirtschaft?

Auch die Dimension der Nachhaltigkeit kann von einer dynamischeren Perspektive profitieren. Die Studie bezieht zu Recht sowohl den Ausbau erneuerbarer Energien als auch die Kohlenstoffemissionen in ihre Indikatoren ein. Eine ebenso wichtige Frage ist jedoch, wie sich diese im Verhältnis zueinander entwickeln. Wird erneuerbare Energie lediglich dem System hinzugefügt, während die fossile Stromerzeugung weiter expandiert? Oder verändert der Ausbau erneuerbarer Energien tatsächlich den Energiemix und senkt die Kohlenstoffintensität des Stroms? Das Verständnis des Übergangs erfordert daher nicht nur die Messung aktueller Zustände, sondern auch der Richtung und des Tempos des strukturellen Wandels.

Daraus ergibt sich eine weitere Frage. Die Studie verfolgt einen breiten Rahmen, der unterschiedliche technologische Pfade zulässt. Aber sollte die Analyse der Energiesicherheit vollständig technologie-neutral bleiben? Mit fortschreitender Dekarbonisierung könnte erneuerbare Energie für Länder nicht mehr nur eine technologische Option unter vielen sein, sondern eine strategische Richtung an sich. Interessanterweise bewegte sich Dr. Navarros Abschlussfolie „Additional Insights“ bereits in diese Richtung, indem sie aufzeigte, wie erneuerbare Energien nicht nur zur Nachhaltigkeit, sondern auch zu Versorgungssicherheit, Resilienz, Zugänglichkeit und anderen Dimensionen der Energiesicherheit beitragen können. Falls ja, sollte diese strategische Ausrichtung dann nicht ausdrücklicher im analytischen Rahmen selbst verankert werden, anstatt eine ergänzende Erkenntnis zu bleiben?

Schließlich regt die Studie zur Reflexion über die Rolle der Regierung an. Die Autoren betonen zu Recht die Rolle der Regierung bei der Bereitstellung von Informationen als öffentlichem Gut. Verlässliche Informationen über Energiebedingungen, künftige Nachfrage, Infrastrukturbedarf und Systemschwachstellen verringern Unsicherheit und verbessern sowohl öffentliche als auch private Entscheidungen. Dies ist ein wichtiger Beitrag. Doch Informationen sind nur eine Dimension der Rolle des Staates. Eine weitergehende Frage bleibt: Welche Rolle sollte die Regierung bei der Gestaltung der Energiewende des Landes spielen? Der Autor wird auf diese Frage in einer späteren Kolumne zurückkommen.

Diese Anmerkungen schmälern nicht den Wert der PIDS-Studie. Indem sie das Konzept der Energiesicherheit erweitert und praktische Instrumente zu dessen Messung bereitstellt, bringt die Studie die politische Diskussion erheblich voran und eröffnet zugleich wichtige Fragen für die weitere Arbeit.

Nepomuceno Malaluan ist Mitbegründer und Treuhänder von Action for Economic Reforms und Mitglied des Industrial Policy Teams der Organisation.